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Medizin

Routinemäßige Sauerstoffgabe nach Schlaganfall in Studie ohne Vorteile

Sonntag, 1. Oktober 2017

Lichtmaler - stock.adobe.com

Newcastle-under-Lyme – Die routinemäßige Beatmung von Schlaganfall-Patienten mit Sauerstoff ohne Vorliegen einer Hypoxämie hat in einer pragmatischen Studie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 318: 1125-1135) die Behandlungsergebnisse nicht verbessert.

Die neurologischen Ausfälle beim Schlaganfall sind Folge eines akuten Sauerstoff­mangels im Gehirn. Die Zellen im Kerngebiet der Ischämie sterben innerhalb von Minuten ab, bevor der Patient eine Klinik erreichen kann. Eine Sauerstoffgabe per Nasensonde gehört dennoch zu den Basismaßnahmen, die bei allen Patienten und zwar unabhängig von der Sauerstoffsättigung durchgeführt wird. Der Grundgedanke ist, dass der Sauerstoff die angeschlagenen Nervenzellen in der Randzone des Hirninfarkts, der Penumbra, vor einem späteren Untergang bewahrt. 

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Die Evidenz dieser Maßnahme ist umstritten. Drei frühere kleinere Studien konnten keine Vorteile zeigen, eine dieser Studien wurde sogar vorzeitig abgebrochen, nachdem es zu einem Anstieg der Mortalität gekommen war (was sich durch eine vermehrte Bildung von Sauerstoffradikalen plausibel erklären lässt).

Es gab deshalb gute Gründe für die Stroke Oxygen Study (SO2S), an der sich zwischen 2008 und 2015 insgesamt 138 Kliniken in England (etwa die Hälfte aller Behand­lungszentren) beteiligten. An der „pragmatischen" Studie beteiligten sich 8.003 Patienten, für die die Ärzte normalerweise eine Sauerstoffgabe (wie in England üblich) über eine Maske vorgesehen hätten. Die Patienten wurden auf drei Gruppen verteilt: In der ersten Gruppe erhielten die Patienten drei Tage eine kontinuierliche Sauerstoffgabe von 2 Litern pro Minute (3 Liter pro Minute bei einer Sauerstoffsättigung von weniger als 93 Prozent). In der zweiten Gruppe wurde die Sauerstoffgabe auf die Nachtstunden beschränkt. Die dritte Gruppe erhielt keinen Sauerstoff (solange keine Hypoxämie auftrat).

Endpunkt der Studie war die modifizierte Rankin-Skala, die das Ausmaß der Behin­derung nach einem Schlaganfall bewertet. Hier gab es, wie Christine Roffe von der Keele University in Newcastle-under-Lyme und Mitarbeiter jetzt berichten, nach 90 Tagen keinen Unterschied zwischen den einzelnen Gruppen. Die Odds Ratios lagen nicht nur nahe bei 1 (sprich Nullwirkung), auch die 95-Prozent-Konfidenzintervalle lagen (aufgrund der großen Fallzahl) eng an diesem Wert, so dass es sehr unwahr­scheinlich ist, dass ein Nutzen (aber auch ein Risiko) der Sauerstoffgabe übersehen wurde.

Die fehlende Wirkung dürfte damit zusammenhängen, dass die durchschnittliche Sauerstoffsättigung bei den Patienten mit 96 Prozent recht gut war, was wenig Raum für den Nutzen einer additive Sauerstoffgabe lässt. Die Ergebnisse erinnern an die erst vor wenigen Wochen veröffentlichten Ergebnisse der DETO2X–SWEDEHEART-Studie (NEJM 2017; 377:1240-1249), die für Herzinfarkt-Patienten ebenfalls keine positive Wirkung einer Sauerstoffbeatmung gefunden hatte. © rrme/aerzteblatt.de

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