Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundesgesundheits­ministerium kündigt E-Health-Gesetz Teil II an

Montag, 2. Oktober 2017

/WrightStudio, stock.adobe.com

Essen – In der neuen Legislaturperiode wird es einen zweiten Teil des E-Health-Gesetzes geben. Das hat Stefan Bales, Ministerialrat im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), auf der Fachtagung „eHealth.NRW – Das digitale Gesundheitswesen“ angekündigt. Teil der Reform soll unter anderem die elektronische Patientenakte (ePA) sein. In die Novelle soll laut Bales auch einfließen, dass Ärzte und Apotheker die Kosten, die sie aufgrund der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) haben, erstattet bekommen. Wie viel es konkret geben soll, sagte er nicht.

Darüber hinaus ist dem BMG-Mitarbeiter zufolge vorgesehen, das E-Health-Gesetz II so zu „unterfüttern“, dass neben dem Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) in der neuen Legislaturperiode und der ePA mindestens zwei weitere Anwendungen starten können. Bales nannte den elektronischen Medikationsplan und das Notfalldatenmana­gement (NFDM). In Bezug auf die ePA sagte Bales, die Akte solle vom Patienten einseh­bar sein. Hinterlegt sein soll sie aus Sicherheitsgründen bei der gematik.

VSDM soll Vernetzung etablieren

Bales räumte auch ein, dass die Einführung der TI bisher viel zu lang gedauert hat. „Wir sehen aber auch, dass die Mittel, die wir durch das E-Health-Gesetz angewendet haben, erfolgreich waren“, betonte er. Daher gehe er davon aus, „dass wir im vierten Quartal dieses Jahres mit der Vernetzung anfangen“. Und dann soll auch das bei den Ärzten umstrittene und unbeliebte VSDM starten. Das habe die Politik allerdings nicht um seiner selbst willen als erste Anwendung ins Gesetz geschrieben. „Mit dem VSDM soll die Vernetzung der Ärzte etabliert werden“, betonte Bales.

Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Thomas Kriedel, wieder­holte in Düsseldorf seine Prognose, dass Ende 2018 alle Praxen in Deutschland mit der Telematik-Infrastruktur (TI) ausgestattet sind. Der Vorsitzende der Gesellschafter­versammlung der gematik machte zugleich deutlich, dass noch in diesem Quartal die ersten, für den Routinebetrieb zugelassenen Konnektoren auf den Markt kommen müssen, um diesen Zeitplan einzuhalten.

Kriedel warb zugleich um Verständnis dafür, dass es mit dem Aufbau der TI und dem Bereitstellen der technischen Komponenten so lange gedauert hat. „Die Komponenten für die TI werden speziell für dieses System entwickelt. Die Hersteller können sie nicht auf dem Weltmarkt einkaufen.“ Außerdem sei Sicherheit das oberste Gebot, die Anforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) seien hoch. „Das macht die Sache langsamer, teurer und fehleranfälliger, weil die Komponenten ja neu sind und zuvor noch nie getestet wurden“, so Kriedel.

Erwartungen an Funktionsumfang nicht zu hoch setzen

Zugleich dämpfte der KBV-Vorstand voreilige und zu hohe Erwartungen an den Funktions- und Anwendungsumfang der TI: „Die Digitalisierung ist wie ein Straßen­netz. Erst kommt die Hauptstraße, und dann die Nebenstraßen.“ Das sei auch bei der TI nicht anders. Als erste Anwendung ist das Versichertenstammdaten-Management (VSDM) geplant. „Für die Versorgung bringt das aber nicht wirklich viel.“ Entscheidend für die Akzeptanz der TI seien daher Anwendungen, die für alle Beteiligten Nutzen haben.

Im Moment gebe es lediglich einzelne Projekte wie etwa die elektronische Arztvisite (elVi) in Westfalen-Lippe oder die Online-Video-Sprechstunde auf Bundesebene. Anders werde das mit dem Notfalldatenmanagement (NFDM), das als erste versor­gungs­relevante Anwendung geplant ist. „Wir sind gerade dabei, auf der Bundesebene mit den Kassen eine Vergütung auszumachen“, schilderte Kriedel. Unklar sei auch noch, wie groß der Not­fall­daten­satz sein soll, welche Daten wirklich nötig seien und dementsprechend gespeichert werden sollten.

Nutzen von Anwendungen steigert Akzeptanz von TI
Um eine einheitliche digitale Kommunikation unter den Kliniken zu ermöglichen, hat sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) für die eFA entschieden. „Eine Fallakte hat eine ganz klare Aufgabe. Daher sollte sie das Erste sein, was in dieser Hinsicht startet“, forderte Jan Neuhaus. „Denn da entsteht Nutzen für die Leistungs­erbringer und für die Patienten“, so der Geschäftsführer des Dezernats III „IT, Datenaustausch und E-Health“ der DKG weiter. Und mit dem Nutzen steige auch die Akzeptanz. Seiner Ansicht nach ist die TI eine Plattform für Versorgungsprozesse. „Die Versorgungsprozesse möchte ich aber nicht bei der gematik sehen.“ Die gematik habe die Plattform zu sichern, aber nicht die Versorgungsprozesse.

Die TI nicht überfrachten

Gabriele Regina Overwiening plädierte dafür, die TI jetzt zügig voranzubringen, denn sie sei ein wichtiger Baustein für die Arznei­mittel­therapie­sicherheit (AMTS). Das zeige das Projekt „Arzneimitteltherapieinitiative in Thüringen und Sachsen“ der Bundesver­einigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) und KBV. Nach Ansicht der Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe ist dieses digitale Netzwerk von niedergelassenen Ärzten und Apothekern „eine gute Plattform für eine Vernetzung ist, um eine Verbesserung der AMTS zu erzielen“. Die Ergebnisse des Projektes seien „sehr gut“. Damit sei auch noch mal deutlich geworden, dass das heilberufliche Netzwerk gebraucht wird.

Finanzierungslücken könnten Rollout verzögern

Im Hinblick auf die Anbindung der Apotheken an die TI ist Erich Gehlen skeptisch. „Es gibt noch keine Finanzierungsvereinbarung“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Duria eG, einem genossenschaftlich organisiertem Software-Anbieter in Düren, der durch die Zusammenarbeit von ehrenamtlich engagierten Ärzten und Software-Entwicklern entstanden ist. Daher ist es seiner Ansicht nach „mutig, bereits von neuen Anwendungen zu sprechen“. Er gehe davon aus, dass sich das Rollout der TI weiter verzögern wird. „Wir werden die erste Installation in der Praxis machen, ohne das einmal getestet zu haben.“ Da die Komponenten vollkommen neu seien, gebe es keinerlei Testumgebung. „Das ist ein Riesenproblem, was ich da draußen sehe.“

Ein anderes großes Problem sieht Axel Wehmeier hinsichtlich der bereits von Kriedel erwähnten „Finanzierungslücken“ bei der Vergütung des Notfalldaten- und Arznei­mittel-Managements. „Das muss man jetzt schnell regeln, wenn wir nächstes Jahr mit diesen Anwendungen auf den Markt müssen“, mahnte der Geschäftsführer der Deutschen Telekom Healthcare and Security Solutions.

© ts/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

kairoprax
am Dienstag, 3. Oktober 2017, 11:54

Vorsicht! Vorsicht, und noch einmal Vorsicht!


Was an diesem Bericht heraussticht, sind die Wendungen in Anführungszeichen. Anhand derfer allein schon kann man die Fragwürdigkeit des ganzen Unternehmens E-Health darstellen.

1. „Die Komponenten für die TI werden speziell für dieses System entwickelt" - Moment! Daß man eine Software speziell entwickelt für eine konkrete Aufgabe, ist einleuchtend. Was aber bedeutet "Komponente"?

2. Weiter heißt es, "die Hersteller können die Komponenten nicht auf dem Weltmarkt einkaufen". Was auf dieser Welt gibt es, das ich nicht auf dem "Weltmarkt" einkaufen könnte? Und welche weltmarktfernen Komponenten werden da zusammengeschmiedet?

Entweder ist die Aussage gelogen, oder sie stimmt, und man will uns etwas verkaufen oder schmackhaft machen, das die Welt noch nicht gesehen hat.

3. "Sicherheit sei das oberste Gebot, die Anforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) seien hoch" - damit kann man leben.

4. "Das macht die Sache langsamer, teurer und fehleranfälliger, weil die Komponenten ja neu sind und zuvor noch nie getestet wurden" - damit kann man nicht leben! Neue, nie getestete Komponente, die langsam, teuer und fehleranfällig sind, sie sind mit diesen Attributen schon als nicht sicher einzustufen.

5. Dann steht da die Aussage, man werde das E-Health II "unterfüttern" müssen. Der Begriff stammt aus der Zahnmedizin. Bei der Prothesen-Unterfütterung wird eine nicht mehr richtig passende Prothese an die veränderten Kieferbedingungen angepasst und damit die Saugwirkung verbessert, heißt es auf mehreren Internetseiten. Stimmt die Metapher? Passt die Prothese namens E.-Health nicht mehr richtig?

6. "Die Digitalisierung sei wie ein Straßen­netz. Erst kommt die Hauptstraße, und dann die Nebenstraßen" - rabenschwarzer Nonsens, und außerdem nicht zutreffend. Historisch hat sogar Adolf Hitler (man möge mir die Erwähnung nachsehen!) seine Autobahnen in ein bereits bestehendes Straßennetz eingeflochten, und selbst die Römer dürften ihre Fernstraßen erst gebaut haben, als es längst Wege von Rom nach Ostia und erst recht vom Forum zum Capitol gegeben hat. Die IT-Lösungen, die man (auf dem Weltmarkt, wohl gemerkt!) kaufen kann sind Komplettlösungen. Wer würde das Internet nutzen können, wenn man keine Zugangssoftware hätte. Dieses Bild von den Haupt- und Nebenstraßen ist verdummend und lenkt sogar davon ab, daß die Probleme exakt in den "Nebenstraßen" - sprich z.B. in den nicht serienreifen Konnektoren - stecken.

7. Und nach dem allen der mehr als denkwürdige Schlußsatz "das muss man jetzt schnell regeln, wenn wir nächstes Jahr mit diesen Anwendungen auf den Markt müssen" - ein Satz mit zweimal MUSS. Zweimal höchst fraglich, ob ein MUSS tatsächlich angebracht ist.

Wir müssen nicht nur nicht, wir dürfen garnicht etwas schnell regeln, das noch nicht ausgegoren ist. Und wir müssen schon garnicht im nächsten Jahr auf den "Markt".
Das ist wieder das Wort "Markt" ... entweder es gibt einen (Welt)Markt, oder es gibt keinen.

Was will uns die Gematik eigentlich verkaufen?
Bis auf den heutugen Tag hat man konkret nur gesehen, daß die Gematik Geld verdient, unser Geld, Milliarden, nicht Millionen aus den Beiträgen der Versicherten. Und was sie uns bietet, sind Aussagen, die zu Recht in Anführungszeichen stehen.

Dr. Karlheinz Bayer, Bad Peterstal

P.S.: ohne für den Ausschuß zu sprechen, ich bin Mitglied im IT-Ausschuß der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Und meine Hauptaufgabe und Pflicht gegenüber meinen Kolleginnen und Kollegen sehe ich momentan darin, zu warnen.

Laßt die Finger weg von dem, was man uns unter "Digitalem Gesundheitswesen" (natürlich wieder in Anführungszeichen) anzudrehen versucht. Je mehr von uns Nein sagen und sich der Installation verweigern, desto eher wird dieses Hirngespinst beerdigt werden können.


Claas Hüttenrauch
am Montag, 2. Oktober 2017, 19:53

Deutsche Infrastruktur landesweit technisch spürbar in Verzug!

Bis anhin ist die erforderliche "Breitband-Technik" von maßgeblicher Seite (Politik als Finanzier der notwendigen Rahmenbedingungen) versäumt worden:

Schweiz im EU-Vergleich weit vorne beim Breitband-Ausbau :
"...Knapp 93 Prozent aller Haushalte verfügten 2016 hierzulande über einen Breitbandanschluss von mindestens 30 Megabit pro Sekunde. In der EU sind es im Durchschnitt nur gerade rund 39 Prozent, die das schnelle Internet nutzen können....
Auffällig ist dabei, dass in der Eidgenossenschaft auch der Highspeed-Ausbau in den ländlichen Gebieten weit fortgeschritten ist, wie der Verband für Kommunikationsnetze, Suissedigital, in einer Meldung zur Studie schreibt. ...
Zudem sei die Schweiz eines von vier Ländern mit einer Kabelabdeckung von über 80 Prozent aller Haushalte", heisst es in der EU-Studie. In der ISI-Studie wird das Vorgehen der Schweiz beim Ausbau gelobt und der "Multi-Stakeholder-Ansatz für einen koordinierten Glasfaserausbau"..."
http://www.inside-it.ch/articles/48018

Breitband-Technik mit dezentraler medizinischer Versorgung und Schweigepflicht-beachtende Administration wäre mE in D längst überfällig - statt das zentralistische, unsichere, anfällige, veraltete eCard-Monster-Projekt in D weiter zu verfolgen .

Ein Beispiel. Der ÄND berichtete kürzlich:
"...Mit cleveren Ideen sollen Lücken bei der ärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen gestopft werden. Im Kreis Vorpommern-Greifswald starte ein Pilotprojekt mit einer App, von dem etwa 70 Landkreise in Deutschland profitieren könnten...
...Größtes Problem in den ländlichen Regionen ist allerdings bislang das lückenhafte Funknetz. Der Kreis Vorpommern-Greifswald setzt darauf, dass diese Lücken möglichst zügig geschlossen werden..."

Lebensretter-App auf dem Land ?
Träumen Sie da mal schön weiter in Vorpommern-Greifswald!
Deutschland, der ehemalige Spitzenreiter und starke Mann in Europa - infrastrukturell nach 3 Merkel-Regierungsperioden mittlerweile abgeschlagen auf den hinteren Rängen....

Nachrichten zum Thema

14.12.17
Krankenhausärzte sehen Vorteile der Digitalisierung, aber Defizite bei der Umsetzung
Berlin – 80 Prozent der Krankenhausärzte sind der Meinung, dass durch die Digitalisierung die ärztliche Arbeit im Krankenhaus weiter verbessert werden kann. Nur 19 Prozent sind dagegen mit der......
12.12.17
Erstbehandlungs­verbot über Telemedizin kommt auf den Prüfstand
Berlin – Mehr „proaktives Denken“ von den Akteuren der Selbstverwaltung sei nötig, um die Digitalisierung des Gesundheitswesens schneller in der Fläche voranzubringen und das E-Health-Gesetz......
11.12.17
Viele Beschäftigte im Krankenhaus erleben Digitalisierung als zusätzliche Arbeit
Bonn – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bedeutet für viele Beschäftigte im Krankenhaus einen höheren Zeitdruck und zusätzliche Unterbrechungen ihrer Arbeit. Das geht aus einer Studie im Auftrag......
08.12.17
Kriedel fordert verbindliche Ziele für Bürokratieabbau
Berlin – Ein verbindliches Abbauziel für den Bürokratieaufwand im Bereich der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung und der vertragsärztlichen Versorgung von 25 Prozent innerhalb der kommenden fünf Jahre......
07.12.17
Erster Anbieter erhält Zulassung für Praxisausweis
Berlin – Die Bundesdruckerei hat als erster Produzent der elektronischen Praxisausweise, der SMC-B (Security Module Card Typ B), die Zulassung für die Produktion erhalten. Darauf hat die......
07.12.17
Internisten fordern Digitalschub im Gesundheitswesen
Berlin – Technisch längst mögliche digitale Lösungen müssen schneller ins Gesundheitswesen Einzug halten. Das hat der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) heute angemahnt. „Ich habe den Eindruck,......
06.12.17
Was ein Telemedizin-Projekt erfolgreich macht
Gütersloh – Trotz aller Lippenbekenntnisse: Die Telemedizin in Deutschland hat es schwer. Das geht aus einer Analyse hervor, die das IGES-Institut im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung vorgenommen hat.......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige