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Ärzteschaft

Physician Assistant darf kein Lückenbüßer sein

Mittwoch, 4. Oktober 2017

/edwardolive, stock.adobe.com

Münster – Der Physician Assistant (PA) darf „kein ‚Arzt light‘ und kein Lückenbüßer für Mangelsituationen im Gesundheitswesen“ sein. Allerdings sollte er ein fester Bestand­teil der Heilberufe werden und mehr Qualität in die Versorgung bringen. Das hat Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), auf dem Symposium „Physician Assistant – wo liegen die Einsatzfelder“ klargestellt. Er betonte auch: Der PA solle nur auf Anordnung des Arztes tätig werden, die Anordnungs- und Durchführungsverantwortung bleibe beim Arzt.

Windhorst zufolge arbeiten zurzeit bundesweit rund 300 PAs, vor allem in Kranken­häusern. Ausgebildet werden sie in acht Hochschulen, darunter die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Karlsruhe. Zusammen mit dieser Hochschule hat die ÄKWL als Konsortialpartner ein Projekt beim Innovationsfonds beantragt, um den neuen Beruf zum Beispiel hinsichtlich von Einzahlen, Vergütung zu evaluieren. Die Ergebnisse sollen in eine fachübergreifende Erforschung des Berufsbilds einfließen, um eine bundesweit einheitliche Lösung zu schaffen. 

Substitution ärztlicher Aufgaben droht

„Eine bundeseinheitliche Lösung zu schaffen, war auch Zweck des Rahmenkonzepts der Bundes­ärzte­kammer“, betonte Max Kaplan, Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK). Er verwies auf den Trend zur Akademisierung. „Wir haben heute in Deutschland 655 Studiengänge im Bereich Gesundheit, davon allein 140 in der Pflege. Daher wird es wichtig, dass wir beim PA ein einheitliches Konzept dagegensetzen“, sagte er.

Kaplan zufolge besteht zum Beispiel bei der Advanced Nurse Practise (ANP) die Gefahr der Substitution ärztlicher Aufgaben. Der Paragraf 63 (3c) des Sozialgesetzbuches V ermögliche dies heute schon für die fünf Diagnosen Diabetes I und II, Hypertonie, Demenz und Wundversorgung. Und es gebe bereits einen genehmigten Modellversuch der Universität Halle-Wittenberg. Die PAs seien hingegen kein Arztersatz, sondern sollten den Arzt unterstützen, etwa beim Prozess- und Dokumentationsmanagement und bei delegierbaren patientenbezogenen Tätigkeiten.

„Sie können mit dem Patienten schon mal einen standardisierten Fragebogen zur Anamnese durchgehen. Die abschließende Anamnese macht aber immer noch der Arzt“, nannte Kaplan als Beispiel. „Im OP-Bereich sehe ich die Kompetenzen wie beim qualifizierten OP-Pfleger, also zum Beispiel die Lagerung und Desinfektion des Patienten. Das soll auch dem angehenden PA vermittelt werden.“ Da die PAs die Ärzte unterstützen und entlasten sollen, soll sich ihre Ausbildung nach Ansicht des BÄK-Vizepräsidenten an der der Ärzte orientieren.

Entscheidend sei die Handlungskompetenz, die grundsätzlich in zwei Ebenen unterteilt sei: Die Absolventen können Tätigkeiten unter Anleitung und Überwachung selbst durchführen und sie können die Tätigkeiten situationsadäquat in Kenntnis der Konse­quenzen vornehmen. Kaplan nannte als Beispiel die Mitarbeit von PAs bei der Endos­kopie. „Der PA soll die Endoskopie nicht machen, sondern dabei mitwirken. Wie die Mitwirkung konkret aussieht, hat immer der verantwortliche Arzt zu entscheiden. Sie haben die Verantwortung hinsichtlich der Übertragung und der Überwachung.“ Die Entscheidung sei aber nicht schwer, denn „wenn sie jemanden regelmäßig an ihrer Seite haben, dann werden sie ihn auch beobachten und beurteilen können.“

Fachgesellschaften in Richtlinien einbeziehen

Demgegenüber warnte Hugo Van Aken davor, dem PA zu viele Kompetenzen zu übertragen wie etwa in der Anästhesie das Vorbereiten und die Aufklärung zur Narkose und die selbstständige Durchführung von Intubationen „ohne erhöhtes Komplikations­risiko“. „Wir lehnen den PA nicht grundsätzlich ab. Wir machen das mit, aber wir lehnen es ab, dass die Bundes­ärzte­kammer und die Hochschulen vereinbaren, was die PA machen dürfen“, betonte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) mit Blick auf den Beschluss des Deutschen Ärztetags 2017 in Freiburg zur grundsätzlichen Einführung des Delegationsmodells PA.

Er verwies in diesem Zusammenhang auf eine Resolution der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin-Brandenburg (KVBB), die sich gegen die „Implementierung des gegenwärtig auf Bundesebene geplanten Kompetenzkatalogs zur Ausbildung zum PA“ wendet. „Im vorliegenden Kompetenzkatalog zum PA werden diese bereits seit vielen Jahrzehnten geltenden Grundsätze zum gemeinsamen Delegationspapier der BÄK und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aufgeweicht beziehungsweise sogar in Teilen ausdrücklich verletzt“, zitierte Van Aken.

Er forderte daher, die Fachgesellschaften künftig in die Erarbeitung von Richtlinien für Ausbildung und Beruf einzubeziehen. „Nur die Fachgesellschaften können die Kernkompetenz für die Ärzte ihrer Fachgesellschaft festlegen.“ Sind sie festgelegt, werde deutlich, welche Aufgaben delegierbar sind. Van Aken räumte allerdings auch ein, dass die meisten Fachgesellschaften bislang versäumt haben, die ärztlichen Kernkompetenzen festzulegen. BÄK-Vizepräsident Kaplan und ÄKWL-Präsident Windhorst versicherten, dass die Fachgesellschaften einbezogen werden. „Wir haben auch versucht, mit den Fachgesellschaften zusammenzuarbeiten. Aber die wollten noch nicht so richtig“, schilderte Windhorst.

Eigenes Budget

Karl-Heinz Bauer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Chirurgie des Knappschaftskrankenhaus Dortmund im Klinikum Westfalen, sieht den PA als Bindeglied zwischen Pflege und Arzt und plädierte dafür, ihm vorurteilsfrei zu begegnen. „Wir haben uns jahrelang beschwert, dass wir zu viel zu tun haben. Jetzt haben wir einen neuen Beruf, der uns Arbeiten abnehmen kann“, sagte Bauer.

Er warnte allerdings davor, den PA als Lösung im Kampf gegen Ärztemangel zu betrach­ten, und sprach sie dagegen aus, den PA auf Arztstellen anzurechnen. „Das kann man nicht miteinander vergleichen. Man kann nicht sagen, wir sparen dadurch Ärzte, sondern wir verbessern die Versorgung der Patienten. Und dafür brauchen wir auch ein neues Budget“, erklärte er. Denn die Diagnose bezogenen Fallpauschalen (DRG) bilde den Einsatz von PAs in den Kliniken nach Ansicht Bauers nicht ab. © ts/aerzteblatt.de

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