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Politik

Telenotarzt dirigiert Rettungsdienst

Mittwoch, 4. Oktober 2017

/dpa

Greifswald – Steigende Einsatzzahlen und mangelnde Notärzte erhöhen den Druck auf das Rettungswesen. Besonders betroffen sind ländliche Regionen wie der Kreis Vorpommern-Greifswald. Dort ist seit heute der landesweit erste Telenotarzt im Einsatz.

Der Telenotarzt dirigiert von seinem Büro-Arbeitsplatz den Rettungsdienst an der entfernten Unfallstelle. Er kann mit den Rettungssanitätern kommunizieren, über eine Kamera Verletzungen in Augenschein nehmen und Vitaldaten wie Blutdruck und Herzschlag einsehen. Ist der Patient nicht lebensbedrohlich verletzt, kann so ein tatsächlicher Notarzt-Einsatz vor Ort vermieden werden. Genauso wichtig ist den Initiatoren, dass mit dem Telenotarzt die therapiefreien Intervalle bis zum Eintreffen des realen Notarztes überbrückt und damit die Qualität der Patientenversorgung gesteigert werden könnten.

Lange Wege

Hintergrund des Projekts sind unter anderem lange Anfahrtswege für die Ersthelfer. Vorpommern-Greifswald ist der drittgrößte Landkreis in Deutschland. Nicht immer können im Kreis die Hilfsfristen für den Rettungsdienst von zehn und für den Notarzt von 15 Minuten eingehalten werden, räumt der Beigeordnete des Kreises, Dirk Scheer, ein. Dennoch soll die notärztliche Versorgung auch in dem ländlich geprägten Kreis auf hohem Niveau gehalten werden.

Das Telenotarztsystem gibt es bereits in Aachen. Dort arbeitet das System seit drei Jahren im Regelbetrieb, wie Bernd Valentin, ärztlicher Geschäftsführer der P3 telehealthcare GmbH, die in Aachen und Euskirchen den Telenotarztdienst betreibt, berichtet. Rund 10.000 Rettungseinsätze wurden seit 2014 mit dem Telenotarzt nach streng vorge­gebenen Leitlinien abgedeckt. Die Notarztquote bei den Rettungseinsätzen sei von 36 auf 22 Prozent gesenkt worden. „Wir denken, dass die Effekte in einem Landkreis noch deutlich größer sein könnten“, prognostiziert er.

Anders als in Aachen ist das Telenotarztsystem in Vorpommern-Greifswald Bestandteil eines größer angelegten Projektes. 5,4 Millionen Euro stellt der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) aus dem Innovationsfonds bereit. Neben dem Telenotarzt­system gehört auch der Ausbau der Laienreanimation und – seit einem Monat – eine Alarmierungs-App für medizinisch vorgebildetes Personal dazu. Dabei werden qualifizierte Ersthelfer wie Ärzte, Krankenschwestern oder Feuerwehrleute, die sich zufällig in der Nähe eines lebensbedrohlich Erkrankten befinden, auf ihrem Handy alarmiert und können schnell Erste Hilfe leisten.

Angelegt als Vier-Säulen-Modell sei das Projekt bundesweit einmalig, weil es die Probleme in ländlichen Regionen komplex angehe, sagte Joachim Paul Hasebrook von der zeb.business school der Steinbeis Hochschule Berlin. Das Projekt könne Pilot­charakter für etwa 70 weitere Landkreise in Deutschland haben, die eine ähnliche Bevölkerungsdichte hätten. Ergebnisse, die auch eine Kosten-Nutzen-Analyse beinhalten, sollen 2020 vorliegen.

Bislang wurden zwei in Greifswald und Wusterhusen stationierte Rettungswagen mit der erforderlichen Technik ausgestattet. Weitere vier sollen in den nächsten Wochen folgen. Um die Übertragung der Daten auch in Regionen mit schlechtem Mobilempfang zu gewährleisten, arbeite die Kommunikationseinheit im Rettungswagen mit mehreren Mobilfunknetzen. In Regionen, in denen keine Funkverbindung vorhanden sei, könne das System derzeit nicht genutzt werden, sagte der Kreisbeigeordnete Scheer. Der Kreis setzt darauf, dass künftig auch diese Regionen besser mit Mobilfunk abgedeckt werden. © dpa/aerzteblatt.de

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klausenwächter
am Dienstag, 10. Oktober 2017, 20:12

Verusch und Experiment

Telemetrie im Rettungsdienst ist innovativ und belegt Effekte. Die Auswirkungen der Notdienstreform in WestfalenLippe können nach fünf Jahren ausgewertet werden.
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