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Ärzteschaft

Mehr Ärzte, weniger Pflegekräfte

Donnerstag, 5. Oktober 2017

/spotmatikphoto, stock.adobe.com

Berlin – Die Zahl der Krankenhausärzte ist in den vergangenen 25 Jahren um 66 Prozent auf rund 158.100 gestiegen. Bei den Pflegekräften gab es in diesem Zeitraum bis 2016 hingegen eine leichte Abnahme auf rund 325.100  – rund 1.000 weniger als 1991. Auf diese aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz aufmerksam gemacht. „Die Schere zwischen Ärzten und Pflegekräften in Kliniken muss endlich kleiner werden“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Die Pflege fahre „auf der letzten Rille“.

Die Zahl der Patienten pro Jahr in den Kliniken stieg laut Destatis seit 1991 von 14,6 Millionen auf 19,5 Millionen im vergangenen Jahr – ein Plus von 34 Prozent. Die Zahl der Ärzte erhöhte sich von rund 95.200 auf 158.100. Die Zahl der Pfleger blieb dagegen fast gleich (325.100). Bis 1995 war ihre Zahl auf mehr als 350.000 ange­stiegen, dann gesunken und wieder angestiegen. Allein in Berlin gibt es nach einer aktuellen Erhebung der Senatsverwaltung einen Bedarf von rund 47.700 Pflege- und Pflegehilfskräften im kommenden Jahr.

Viele Hochbetagte

Während das ärztliche Personal 1991 noch einen Anteil an 10,9 Prozent an allen sogenannten Vollkräften hatte, waren es 2016 bereits 18 Prozent. Ein Krankenhaus­aufenthalt dauert durchschnittlich 7,3 Tage – seit 1991 hat sich die Verweildauer fast halbiert. Bundesweit standen 2016 in 1951 Krankenhäusern rund 498.700 Betten für zur Verfügung.

Brysch sagte, immer mehr Patienten seien alt, chronisch krank und pflegebedürftig. „Jeder Sechste ist mit über 80 hochbetagt und die Hälfte der Patienten ist über 60 Jahre alt“, so Brysch. Laut Krankenhausstatistik gab es die größten Zuwachsraten in der Altersgruppe ab 65. „Obwohl viele mehr Hilfe, Zuwendung und Pflege brauchen, werden diese Patienten aber immer schneller entlassen“, sagte Brysch.

Arbeitgeber und Pflegende fordern dringend Maßnahmen, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen. Zuletzt hatte die Große Koalition einige Weichen neu gestellt. „Wir haben die Zahlung von Tariflöhnen in der Pflege gestärkt, unterstützen Pflegeeinrichtungen beim Bürokratieabbau und haben das Schulgeld in der Altenpflegeausbildung abgeschafft“, bilanzierte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU). Auch bei den Personaluntergrenzen tut sich etwas: Die Politik hat Termine gesetzt, bis zu denen Personalschlüssel in Pflegeheimen und Krankenhäusern definiert und eingeführt werden müssen.

Auch dann aber müssen Menschen davon überzeugt werden, den Pflegeberuf auszuüben. Einen möglichen Weg hat der neue Präsident des Deutschen Pflegerates, Franz Wagner, angedeutet. „Wir haben eine wahnsinnig hohe Teilzeitquote in der Pflege“, sagte er kürzlich. Zudem gebe es Zehntausende von Menschen, die den Beruf wegen der schlechten Bedingungen verlassen hätten. „Wenn man sie zurückholen könnte, ließe sich das Problem verkleinern.“ © dpa/kna/aerzteblatt.de

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caesar82
am Montag, 9. Oktober 2017, 13:22

Gefährlicher Trend

Mehr Ärzte, weniger Pflegekräfte.....
Wir sollten uns als Ärzte gedanken machen! Aus folgenden Gründen:
1. Wer hat uns denn (neben dem Oberarzt und den erfahrenen Kollegen) in den ersten Monaten und Jahren unseres Berufslebens ausgebildet? Die Pflegekräfte!
2. Wer hatte und hat noch (ggf. nicht mehr lange)den meisten Kontakt zu den Patienten auf der Krankenhausstation? Die Pflegekräfte!
3. Wer rettet uns durch Beobachtung und Informationsweitergabe täglich vor Behandlungsfehlern und den kleinen Versäumnissen ("Möchten sie wirklich Clexane zu dem Marcumar geben, Herr Doktor?") im hektischen Arbeitsalltag? Die Pflegekräfte!
Und wer wird mit mehr und mehr Arbeit (Bürokratie, Krankheitsausfall, kompliziertere Patienten, erhöhte Anspruchshaltung,...) konfrontiert ohne wirkliche Lobby? Die Pflegekräfte !
Wir (Gesellschaft und Ärzt) sollten uns Fragen wie die Pflege in Zukunnft aussehen soll...und ob wir als Ärzte nicht auch ein Interesse daran haben sollten, dass unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege vernünftig Behandelt werden.
Und vielleicht sollten wir uns ein bisschen Schämen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. S. Klein (Düsseldorf)

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