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Medizin

Gehirne von Frühchen wirken im späteren MRT älter

Donnerstag, 5. Oktober 2017

/alexkich, stock.adobe.com

London – Babys, die zu früh auf die Welt kommen, zeigen im Erwachsenenalter auf MRT-Aufnahmen ein Gehirn, das älter aussieht, als es eigentlich ist. Forscher des King´s College London um Chiara Nosarti berichten in der Fachzeitschrift NeuroImage über vergleichende MRT-Studien, die dies zeigen (doi: 10.1016/j.neuroimage.2017.09.039).

Durch die pädiatrische Intensivmedizin gelingt es, den meisten Frühgeborenen ein Überleben zu ermöglichen. Typische Frühchenprobleme, die auch zu permanenten Schäden führen können, betreffen Augen, Gehirn, Darm und Lunge. Darüber hinaus gibt es Belege dafür, dass Lernprobleme sowie depressive und ängstliche Verhaltensweisen durch die frühe Geburt wahrscheinlicher werden. Es kann außerdem zu einer verminderten Konnektivität der weißen Substanz kommen. Dies ist ein Befund, der sich auch in alternden Gehirnen wiederfindet. Durch die Studie wollten die Forscher untersuchen, ob sich diese verminderte Konnektivität auch auf die graue Substanz auswirkt.

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Signifikante Unterschiede

Für die Studie nutzten die Wissenschaftler die Daten einer großen Frühchenkohorte mit 328 Teilnehmern, die zwischen 1979 und 1984 vor der 33. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen. Als Vergleich dienten die MRT-Aufnahmen von 232 Kontroll-Patienten, die in den gleiche Jahre zeitgerecht zur Welt kamen. Als Referenzgröße für die gemesse­nen Daten nutzten die Wissenschaftler die MRT-Aufnahmen von 1.270 Patienten aus der Normalbevölkerung.

Die Arbeitsgruppe konnte zunächst zwischen den Gruppen signifikante Unterschiede in der Dichte der grauen Substanz nachweisen. Diese war bei den Frühchen stellenweise reduziert. Dies betraf besonders Strukturen der Temporalregion, die in die Gedächtnis- und Emotionsverarbeitung eingebunden sind. 

Aus den Daten schlossen die Forscher, dass die Frühchengehirne im Erwachsenenalter ein etwas stärker gealtertes Aussehen hatten als die Gehirne der Kontrollgruppe. Die Forscher betonen, dass von dem stärker gealterten Aussehen nicht automatisch auf eine biologisch schnellere Hirnalterung geschlossen werden dürfe. In weiteren Studien soll die klinische Relevanz der Befunde untersucht werden. © hil/aerzteblatt.de

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