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Medizin

Darmkrebsvorsorge: Vergleichbare Ergebnisse bei neun immunologischen Stuhltests

Freitag, 6. Oktober 2017

/ dpa

Heidelberg – Seit diesem Jahr werden für das Darmkrebsscreening neue fäkale immunologische Tests (FIT) auf Blut im Stuhl eingesetzt. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben neun dieser Tests verglichen. Ihr Ergebnis publizierten sie im Gastroenteroloy (2017; doi: 10.1053/j.gastro.2017.09.018): Alle neun Tests entdecken die Mehrheit aller Darmkrebserkrankungen und viele Darmkrebsvorstufen vergleichbar gut – jedoch nur, wenn man sich nicht an die Hämoglobin (Hb)-Schwellwerte der Hersteller hält.

Zurzeit sind zahlreiche verschiedene immunologische Tests auf dem Markt, die Darmkrebs anhand eines Schwellwerts für Hb in einer Stuhlprobe vorhersagen. „Bisher war unklar, ob und in welchem Umfang es Unterschiede zwischen den angebotenen Tests gibt“, sagt der Epidemiologe Hermann Brenner vom DKFZ. Deshalb hat er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern neun Tests einem direkten Vergleich unterzogen.

Alle neun Tests entdecken die große Mehrheit aller Darmkrebserkrankungen und auch viele Darmkrebsvorstufen. Folgt man den Angaben der Hersteller, ab welchem Wert ein Test als positiv zu werten ist, unterscheiden sich die Häufigkeiten positiver Resultate jedoch stark.

Bundesweite Empfehlungen für Hb-Schwellwerte

Erst als die Wissenschaftler die Schwellenwerte anpassten, lieferten alle Tests ähnliche Ergebnisse. „In dieser Arbeit legen wir erstmals und weltweit bislang einmalig einen direkten Vergleich der diagnostischen Wertigkeit einer großen Zahl  von quantitativen Tests in derselben, großen Gruppe von Untersuchungsteilnehmern vor“, sagt Brenner. Aus diesen Zahlen ließen sich bundesweite Empfehlungen für Schwellenwerte einzelner Tests ableiten.

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebsart weltweit. Pro Jahr erkranken etwa 1,4 Millionen Menschen daran, 700.000 versterben. Auch bei Darmkrebs gilt: Je eher man ihn entdeckt, desto besser. Deshalb haben alle in Deutschland gesetzlich Krankenversicherten ab dem 55. Lebensjahr Anspruch auf eine Darmspiegelung. Jedoch nehmen nur 20 bis 30 Prozent der Berechtigten daran teil.

„Mit dieser Arbeit geben Brenner und Kollegen ganz konkrete Empfehlungen, wie die Früherkennung von Darmkrebs noch weiter verbessert werden kann“, betont Michael Baumann, Vorstands­vorsitzender des DKFZ. Es sei dennoch wichtig, den Menschen neben der eher aufwendigen Darmspiegelung, die nach wie vor der Goldstandard bei der Darm­krebsvorsorge sei, auch eine nieder­schwelligere Screening-Untersuchung anzubieten.

Bei fünf der neun Tests ist eine Laboranalyse notwendig (CAREprime Hb, Hb ELISA, OC Sensor, RIDASCREEN Hb, SENTiFIT-FOB Gold). Die restlichen vier Tests können direkt in der hausärztlichen und urologischen Praxis durchgeführt und ausgewertet werden (Eurolyser FOB test, ImmoCARE-C, QuantOn Hem, QuikRead go iFOBT). Sogar der Test, der mit Hilfe einer Smartphone-App ausgewertet wird, lieferte zuverlässige Resultate – zumindest dann, wenn er von geschultem Personal durchgeführt wurde.

Fortschritte in der Darmkrebsvorsorge

Die Darmkrebs-Vorsorge ist dieses Jahr einfacher und zuverlässiger geworden. Immunologische Tests erkennen, ob sich im Stuhl der Blutfarbstoff Hämoglobin befindet. Dies dient als Hinweis darauf, ob ein Patient an Darmkrebs oder einer Darmkrebsvorstufe erkrankt ist. Dass die immunologischen Tests den weniger spezifischen HämOccult-Test abgelöst haben, geht wesentlich auf die Arbeiten von Brenner zurück.

Darmkrebs­früherkennung: Krankenkassen erstatten neuen Test

Düsseldorf/Berlin – Ab April erstatten die gesetzlichen Krankenkassen den immunologischen fäkalen Test „iFOBT“ zum Nachweis von okkultem Blut im Stuhl. Der Test beruht auf einer Antikörper-Reaktion mit dem menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin und hat sich in Studien als zuverlässiger erwiesen als der bisherige Guajak-Test. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und

Die neuen immunologischen Testverfahren, die seit April dieses Jahres von den Krankenkassen bezahlt werden, sollen dabei helfen, mehr Menschen zu einer Vorsorgeuntersuchung zu motivieren. „Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden funktioniert das schon sehr gut“, berichtet Brenner. Dort werden die Menschen mit einem persönlichen Brief zur Teilnahme eingeladen – der Test wird direkt mitgeschickt. Dadurch lassen sich Teilnahmeraten von über 60 Prozent erreichen. Deutschland ist davon bisher noch weit entfernt.

© gie/EB/aerzteblatt.de

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Markus Gulich
am Montag, 9. Oktober 2017, 10:21

Darmkrebsscreening ist keine Vorsorge

Leider beteiligt sich auch das Dt. ärzteblatt an der Begriffsverwirrung: Vorsorge ist eine Maßnahme, die das Auftreten einer Erkrankung verhindert. Früherkennung tut eben das nicht. Bitte achten Sie etwas besser auf korrekte Begrifflichkeiten!

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