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Nutzen von pränatalem Rhesus-Test ist unklar

Freitag, 6. Oktober 2017

/TwilightArtPictures, stock.adobe.com

Köln – Es gibt derzeit keine Studien dazu, ob die pränatale Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors bei Rhesus-negativen (Rh-negativ) Schwangeren eine Rh-Prophylaxe überflüssig machen könnte. Das berichtet das Institut für Qualität und Wirtschaft­lichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem Vorbericht zum Thema. Interessierte Institutionen und Einzelpersonen können bis zum 6. November Stellungnahmen abgeben.

Der Rhesusfaktor ist eine vererbbare Eigenschaft der roten Blutkörperchen. Er wirkt als Antigen, ist das Blut einer Schwangeren also Rh-negativ, das Blut des Fetus aber Rh-positiv, kann es sein, dass die Frau Antikörper bildet. Diese Antikörper können in den Kreislauf der Kinder vor allem in nachfolgenden Schwangerschaften gelangen und – so diese Feten ebenfalls Rh-positiv sind – Anämie, Herzinsuffizienz oder Hirnschäden verursachen oder gar zum Tod des Fetus führen.

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Prophylaxe könnte reduziert werden

Um die Sensibilisierung zu verhindern, bekommen derzeit alle Rh-negativen Schwangeren als Prophylaxe eine Standarddosis Anti-D-Immunglobulin. Dieses soll Erythrozyten abfangen, die schon vor der Geburt vom fetalen in den mütterlichen Blutkreislauf übertreten, und so die Sensibilisierung verhindern. Zum Einsatz kommt dabei humanes Anti-D-Immunglobulin, das von sensibilisierten Spendern gewonnen wird.

Ein neuartiger Test am Blut der Schwangeren kann nun bereits vor der Geburt den Rhesusfaktor des Kindes bestimmen. Der Test ist für das ungeborene Kind nicht invasiv. Er untersucht zellfreies zirkulierendes DNA des Fetus aus dem mütterlichen Plasma. Das macht es prinzipiell möglich, die vorgeburtliche Anti-D-Prophylaxe nur noch jenen Rh-negativen Schwangeren zu geben, deren Fetus laut Pränataltest Rh-positiv ist. „Aktuell bekommen 15 Prozent der Schwangeren die Prophylaxe, was etwa 110.000 Schwangeren pro Jahr entspricht. Durch die neuen Tests könnte sich ihre Zahl auf etwa 60.000 reduzieren“, hieß es aus dem IQWiG.

Allerdings bietet kaum ein Test hundertprozentige Sicherheit. Es könnte also sein, dass Frauen ein falsch-negatives Ergebnis bekommen: Der Test weist das Blut des Kindes als Rh-negativ aus, und die Schwangere erhält keine Anti-D-Prophylaxe, obwohl das Kind tatsächlich Rh-positiv ist. Dies würde sich aber erst nach der Geburt herausstellen.

Laut den IQWiG-Wissenschaftler existieren im Augenblick jedoch keine Studien, die präzise Aussagen darüber zulassen, welche Auswirkungen die Einführung des neuen Tests haben könnte. Es gibt aber Studien, die Auskunft darüber geben, wie zuverlässig der Pränataltest den Rhesusfaktor des Kindes bestimmen kann. Die Zuverlässigkeit ist vergleichsweise hoch: Der Test erkennt 99,8 Prozent der Rh-positiven Feten (Sensitivität) und ordnet 98,8 Prozent der Rh-negativen richtig ein (Spezifität).

Das bedeutet, dass 0,2 Prozent der Schwangeren, bei denen eine Anti-D-Prophylaxe vor der Geburt angezeigt wäre, diese nicht erhielten, sofern man sich auf das Testergebnis verließe. Würde der bisherige Bluttest nach der Geburt beibehalten, der Pränataltest also als „Add-on“ eingesetzt, würden diese Frauen aber entdeckt und erhielten zumindest die nachgeburtliche Prophylaxe, deren schützende Wirkung laut dem IQWiG unstrittig ist. Eine Schädigung künftiger Feten wäre also auch bei den wenigen Fällen ausgeschlossen, bei denen der Test ein falsch-negatives Ergebnis liefert.

Vorteil für Schwangere unklar

„Der neue Test ermöglicht es, die Anti-D-Prophylaxe gezielt einzusetzen und bei einem Teil der Schwangeren eine unnötige vorgeburtliche Prophylaxe zu unterlassen. Ob diese Schwangeren davon einen Vorteil haben, ist aber unklar, da verlässliche Daten zu denkbaren Nebenwirkungen der Prophylaxe fehlen“, berichten die Wissenschaftler. 

Kurz gesagt: Der Test verfügt über eine hohe Spezifität und Sensitivität. Falsch-negative Ergebnisse könnten über einen Test nach der Geburt abgefangen werden. Ob dies aber alles so funktioniert, ist nicht durch Praxisstudien belegt. © hil/aerzteblatt.de

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