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Politik

Friedensnobelpreis für Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen

Freitag, 6. Oktober 2017

von links: Beatrice Fihn, Direktorin der Internationalen Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican), Daniel Hogsta und Grethe Ostern (Ican). /dpa

Oslo – Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican). Die Auszeichnung setzt ein Signal für ein Verbot von Nuklearwaffen. Die Kampagne, zu der heute 468 Partnerorganisationen in 101 Ländern gehören, geht auf die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) zurück.

Der ehemalige IPPNW-Präsident Ron McCoy hatte die Idee, eine internationale Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen aufzubauen, wie Ican selbst schreibt. Gegründet worden war die Kampagne 2007 schließlich von zwei australischen Ärzten der IPPNW, Bill Williams und Tilman Ruff, in Melbourne. Der Vorsitzende der IPPNW Deutschland, Alex Rosen, saß 2006 im internationalen Vorstand der IPPNW.

„Die Verleihung des Friedensnobelpreises an unsere Kampagne Ican erfüllt uns mit großem Stolz. Sie gibt unserer Arbeit für die Abschaffung der Atomwaffen Rückenwind und wird in den kommenden Monaten und Jahren weltweit das Engagement für den Atomwaffenverbotsvertrag stärken“, sagte Rosen heute. Ican-Direktorin Beatrice Fihn sagte, der Preis müsse auch als Botschaft an die Atommächte verstanden werden, schneller an der Vernichtung ihrer Waffen zu arbeiten.

„Es gibt nicht viele, die sich vorstellen können, was ein Atom­angriff anrichten würde“

Berlin – Die Organisation „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung“ (IPPNW) hat – unterstützt von Bundes­ärzte­kammer und anderen Akteuren – den „Gesundheitsappell gegen Atomwaffen“ ins Leben gerufen, der online von Angehörigen der Gesundheitsberufe unterzeichnet werden kann. Mit dem Appell will die Ärzteorganisation IPPNW [...]

Ican erhält die weltweit wichtigste politische Auszeichnung unter anderem für ihre „bahnbrechenden Bemühungen um ein vertragliches Verbot solcher Waffen“, wie es vom Nobel-Komitee hieß. Die Organisation hat maßgeblich am UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen mitgewirkt, der im Juli unterzeichnet wurde und von 122 Staaten unterstützt wird. Die vermutlich neun Atommächte sowie fast alle Nato-Staaten – darunter Deutschland – hatten die Verhandlungen über den Vertrag boykottiert. Begründung: Da die Atommächte nicht teilnehmen, könnten die Verhandlungen nichts ändern.

„Wir leben in einer Welt, in der das Risiko, dass Atomwaffen zum Einsatz kommen, größer ist als lange Zeit“, sagte die Chefin des norwegischen Nobel-Komitees Berit Reiss-Andersen heute. Man sende „Botschaften an alle Staaten, vor allem die mit Atomwaffen“. Diese seien aufgefordert, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf diese Waffen einzuhalten. Indirekt setzt das auch die Bundesregierung unter Druck.

Bundesregierung bekräftigt Ablehnung

Diese gratulierte Ican heute zwar und unterstützte deren Ziel einer atomwaffenfreien Welt. Sie bekräftigte aber ihre Ablehnung des Verbotsvertrags. Solange es Staaten gebe, die Atomwaffen als militärisches Mittel ansähen und Europa davon bedroht sei, bestehe die Notwendig­keit einer nuklearen Abschreckung fort, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer.

Ican kritisierte die Bundesregierung heute erneut scharf und drängte sie zur Unterzeichnung des Verbotsvertrags. Die große Koalition werde ihrer globalen Verantwortung nicht gerecht, sagte Vorstandsmitglied Sascha Hach in Berlin. Er betonte, die Bundesregierung habe die politische Bedeutung des Verbotsvertrages völlig verkannt.

Die IPPNW appellierte heute zugleich an die neue Bundesregierung, Deutschlands bisherige Blocka­dehaltung aufzugeben und den Atomwaffenverbots­vertrag zu unterzeichnen. Das würde bedeuten, dass die Atomwaffen abgezogen werden müssten und Deutsch­land sich nicht mehr an der Nato-Planung für Atom­waffen­einsätze beteiligen dürfte.

Thema aus dem Blick geraten

Friedensforscher hatten einen Nobelpreis im Kontext des Kampfes gegen Atomwaffen erwartet. Sie hatten allerdings die Architekten des Atom-Abkommens mit dem Iran vorn gesehen. Das wäre ein politisch extrem heikler Preis gewesen, denn das Abkommen ist in den USA heiß umstritten. US-Präsident Donald Trump hat gedroht, aus der unter seinem Vorgänger Barack Obama geschlossenen Vereinbarung auszusteigen.

Der Direktor des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri, Dan Smith, bezeichnete die Nobelpreis-Entscheidung als höchst angemessen. Das Thema sei in den vergangenen Jahren aus dem Blick geraten und werde nun wieder wichtiger, sagte er. Zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg gebe es eine reale Gefahr eines atomaren Konflikts.

Gratulation von SPD, Linken und Grünen

SPD-Chef Martin Schulz lobte die Jury-Entscheidung als „kraftvolles Signal zur richtigen Zeit“. „Wir brauchen keine neue Aufrüstungsspirale in der Welt, sondern eine Renaissance von vertragsgestützter Abrüstung und Rüstungskontrolle weltweit“, forderte er. Deutschland und Europa müssten dabei vorangehen.

Die Linken sprachen von einer schallenden Ohrfeige für die Bundesregierung. „Es war falsch, die Verhandlungen der Vereinten Nationen über ein Verbot von Atomwaffen zu boykottieren. Die Bundesregierung muss ihre Verweigerungshaltung beenden und den von ICAN und 122 Ländern unterstützten UN-Vertrag unterzeichnen“, erklärte Sevim Dagdelen, Sprecherin der Linken für Internationale Beziehungen.

Auch die Grünen gratulierten Ican. „Zu keiner Zeit hätte das Zeichen stärker sein können als jetzt, wo Atomwaffen in der Rhetorik führender Staatsmänner wieder eine immer größere Rolle spielen. Die Gefahr eines Atomkrieges ist so groß wie lange nicht mehr“, sagten die Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter sowie die Parteivorsitzenden Cem Özdemir und Simone Peter per Mitteilung.

Die Jury wählte den Friedensnobelpreisträger aus 215 nominierten Personen und 103 Organisationen aus. Öffentlich gemacht wird die Liste erst in 50 Jahren. Bekannt ist, dass auch Papst Franziskus, die syrischen Weißhelme und die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas sowie Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin darauf standen.

Bemühungen für eine Welt ohne Atomwaffen

Der mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940.000 Euro) dotierte Friedens­nobelpreis wird als einzige der renommierten Auszeichnungen nicht in Stockholm, sondern in Norwegens Hauptstadt Oslo vergeben. Der Preis wird am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel, verliehen.

Der Dynamit-Erfinder hatte festgelegt, dass derjenige geehrt werden solle, der „am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen“ gewirkt hat. Diese Kriterien erfülle Ican, erklärte die Nobel-Jury. „Es ist die feste Überzeugung des norwegischen Nobel-Komitees, dass Ican im vergangenen Jahr, mehr als irgendjemand sonst, den Bemühungen für eine Welt ohne Atomwaffen eine neue Richtung und neue Kraft gegeben hat.“

© dpa/may/aerzteblatt.de

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jpink
am Samstag, 7. Oktober 2017, 07:51

Blödsinnige Angstmache...

...das typische Spiel der Machtelite. Die wird gar nichts tun, was die selbst gefährdet.

Die Gefahren liegen woanders. Das angelsächsische Ponzikreditwesen ist die Mutter aller Waffen gegen das Lebendige. Aber für das Teilen dieser weisen Erkenntnis bekomme ich keinen Nobelpreis. Aber soweit kommt man noch, daß man mich in einen Topf mit dem gewaltlüsternen und aggressiven Kriegstreiber Obama wirft. Satirisch gesagt.

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