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Sexualstörung: Wenig Sport und sozialer Druck können vorzeitigen Samenerguss fördern

Montag, 23. Oktober 2017

/ Photographee.eu, stock.adobe.com

Dresden/München – Auf der Suche nach den Ursachen der Ejaculatio praecox (EP) haben Forscher von der Klinik für Urologie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München betroffene Männer befragt. Unter den Lebensstilfaktoren konnten sie ausschließlich sportliche Aktivität als relevanten Faktor für einen vorzeitigen Samenerguss ausmachen. Starke Assoziationen kamen darüber hinaus bei psycho­sozialen Faktoren und gefühltem sozialen Druck zutage. Die Ergebnisse ihrer Umfrage stellten sie beim 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Dresden vor.

Unterformen der Ejaculatio Präcox (EP)

  • lebenslange EP
  • erworbene EP
  • variierende EP
  • subjektive EP
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Im Rahmen der German Male Sex-Study (GMS-Study) befragte das Urologenteam mehr als 11.000 Männer im Alter von 45 Jahren zu sozio­demografischen Daten, Lebensstil und Sexualverhalten. Gute 5 Prozent berichteten von einer lebenslangen oder erworbenen EP, bei der es dauerhaft zu intravaginalen Ejakulationslatenzzeiten von unter 2 Minuten kommt. Die geschätzte Prävalenz in der Bevölkerung, die auch eine variierende und subjektive EP einschließt, liegt bei etwa 20 Prozent. „Die Gesamtprävalenz aller vier Unterformen, von denen in den meisten Studien die Rede ist, lag bei unserem Kollektiv mit etwa 15 Prozent leicht darunter“, sagt Kathleen Herkommer, Studienleiterin von der Klinik und Poliklinik für Urologie der TU München.

Vier Fragen, mit denen die Autoren den sozialen Druck einordnen:

  • Beim Sex bekomme ich häufig Panik, meinen Mann zu stehen.
  • Ich habe den Eindruck, dass heutzu­tage von Männern beim Sex zu viel erwartet wird.
  • Ich fühle mich sexuell unter Druck gesetzt.
  • Ich mache mir Sorgen, ob ich dem öffentlichen Bild eines „echten Mannes“ entsprechen kann.

Probanden mit lebenslanger oder erworbener EP litten deutlich häufiger als Männer ohne EP an einer erektilen Dysfunktion (ED), benignem Prostata­syndrom und Libidostörungen. Sie berichteten zudem öfter über Ängste, sexuell zu versagen („sexual perfor­mance anxiety“). In der EP-Gruppe ist zudem ein höheres Maß an gefühltem sozialem Druck erkennbar (siehe Kasten). Ein signifikanter Zusammen­hang mit einer EP zeigte sich auch für sexuelle Unzufriedenheit, einen allgemein schlechten Gesundheitszustand, geringe sexuelle Aktivität, eine feste Partner­schaft, weniger Geschlechtspartner und einen geringen Bildungsstand (p < 0,001). Ob es sich bei diesen Faktoren um Ursache oder Wirkung handle, könne man allerdings nicht sagen, erklärte der Erstautor Viktor Zehe von der TU München, der die Daten beim DGU Kongress vorstellte.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Einnahme antidepressiver Medikation signifikant mit einer EP assoziiert war. Kathleen Herkommer, Klinik und Poliklinik für Urologie der TU München

Keinen signifikanten Zusammenhang fanden die Forscher um Zehe und Studienleiterin Herkommer hingegen für den Body Mass Index, Rauchen, Alkoholkonsum, Mastur­bations­häufigkeit, Zirkumzision, arterielle Hypertonie, Diabetes, Hyper-/Hypothyreose, Varikozele und chronische Prostatitis. „Der einzige Lebensstilfaktor, der in unserem Patientenkollektiv einen deutlichen Einfluss auf vorzeitige Samenergüsse zu haben schien, war Sport“, sagt der Doktorand Zehe. Wer sich weniger als eine halbe Stunde pro Woche sportlich betätigte, hatte ein deutlich höheres Risiko für eine EP. Die Autoren hatten die Messlatte für Sport dabei sehr niedrig gehängt. Selbst spazieren gehen zählte als sportliche Aktivität.

Einführung in die Diagnostik und Therapie der Ejaculatio praecox

Zusammenfassung Einleitung: Die Ejaculatio praecox (EP) ist durch den Verlust einer willentlichen Ejakulationskontrolle gekennzeichnet. Dies lässt sich durch eine verkürzte intravaginale Latenzzeit bis zur Ejakulation objektivieren. Die durchschnittliche Prävalenz beträgt etwa 25 %. Bisher gibt es keine kausale Therapie, weil die genaue Ätiologie noch ungeklärt ist. Zunehmend wird die Rolle von

„Zum größten Teil stimmten die entdeckten Zusammenhänge mit anderen Studien überein“, sagt Zehe. Allerdings wären Hypertonie und Diabetes mellitus nicht signifi­kant mit einer EP assoziiert gewesen, anders als in anderen Studien. „Das könnte an dem relativ jungen Alter der untersuchten Männer von nur 45 Jahren liegen.“ Spät­folgen der Erkrankungen seien zu diesem Zeitpunkt noch eher selten. „Besonders bemerkenswert ist, dass die Einnahme antidepressiver Medikation signifikant mit einer EP assoziiert war“, ergänzt die Studienleiterin und Initiatorin der GMS-Study. Dies sei überraschend, da solche Medikamente oft zur Behandlung einer EP verwendet würden.

Die Ejaculatio praecox zählt neben der erektilen Dysfunktion zu den häufigsten männlichen Sexual­störungen. Rund 20 Prozent der 30- bis 70-jährigen Männer sind von der ED betroffen, weitere 20 Prozent vom vorzeitigen Samenerguss. © gie/aerzteblatt.de

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