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Medizin

Transsexuelle: Genitalangleichende Operation verbessert die Lebensqualität

Mittwoch, 15. November 2017

/taa22, stock.adobe.com

Dresden – Transsexuelle profitieren deutlich von einer besseren Lebensqualität, wenn ihre Transition voranschreitet. Dabei stellt die operative Genitalangleichung für viele einen entscheidenden Schritt dar. Im Vergleich zu nicht transsexuellen Personen schneiden sie aber auch nach der körperlichen Angleichung an die subjektiv erlebte Geschlechtsidentität schlechter ab, berichten Forscher des Universitäts­klinikums Essen beim 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) in Dresden.

Im Rahmen einer noch nicht publizierten Querschnittsstudie befragten die Forscher um Jochen Heß und Sefik Tagay vom Universitätsklinikum Essen 156 Mann-zu-Frau-transidente Personen postalisch. Alle hatten zuvor zwischen 1995 und 2015 eine genitalangleichende Operation (GaOP) in der Klinik für Urologie des Universitäts­klinikums durchlaufen. Die Nachbefragung fand durchschnittlich 6,6 Jahre (4 Monate bis 21 Jahre) nach der Operation statt.

Transition beschreibt den Prozess der Angleichung der körperlichen und sozialen Geschlechterrolle an die subjektiv erlebte Geschlechtsidentität.

Zu den wichtigsten Ressourcen zählen personale (zum Beispiel Selbstwirksamkeit, Offenheit, Flexibiltät, Emotionsregulierung usw.), soziale und strukturelle Ressourcen.

Die Auswertung beruht auf 3 Mess­instrumenten: dem SF-12 zur Erfassung der generischen Lebensqualität (LQ), dem Essener Ressourcen Inventar (ERI) und einem neu validierten Selbst­beurteilungsfragebogen, dem Essener Transidentitäts-Lebensqualitätsinventar (ETLI). In den ERI und ETLI fließen die unterschiedlichen Facetten der Ressour­cenausstattung (personal, sozial und strukturell) sowie die verschiedenen Aspekte der Lebensqualität (körperliche LQ, soziale LQ, psychische LQ oder LQ durch Offenheit) mit ein. Je mehr Ressourcen zur Verfügung stehen und je höher die Lebens­qualität, desto höher fällt der jeweilige Globalscore mit maximal 3 Punkten aus.

ERI und ETLI erfassen die Ressourcenausstattung beziehungsweise die LQ zu 2 unter­schiedlichen Zeitpunkten im Transitions-Prozess einer Person: Während sich die Fragen im ERI auf die beiden Zeitpunkte vor 3 Jahren und die letzten 4 Wochen beziehen, erfasst das ETLI den Zeitpunkt des Coming-out und die letzten 4 Wochen. „Das ermöglicht uns, die Veränderung der Ressourcenausstattung und der trans*spezi­fischen Lebensqualität im zeitlichen Verlauf des einzelnen Individuums einzuschätzen“, sagt Heß. (Durch „*“ werden Transgender, Transidente, Transsexuelle und viele mehr eingeschlossen.)

Als Kontrollgruppe des SF-12 diente eine Normstichprobe von 2.914 nicht transsexuellen Personen, unter ihnen Schüler, Eltern, Medizinstudierende, aber auch Patienten mit Migräne, Bluthochdruck oder Rückenschmerzen. Als Kontrollgruppe des ERI wurde die Gruppe der gesunden Probanden und Probandinnen der ERI-Validierungsstudie heran­gezogen. Diese umfasste 62 gesunde Blutspender und 
Klinikangestellte. Für das ETLI gab es keine Kontrollgruppe.

Psychische Lebensqualität könnte besser sein

Sowohl ERI als auch ETLI zeigten bei den befragten Trans-Frauen eine deutliche Verbesserung aller Subkategorien und des Globalscores im Verlauf der Transition nach der Operation. „Der Globalscore verbesserte sich um insgesamt 47 Prozent von 1,53 auf 2,25 von maxmial 3 Punkten“, sagt Heß.

Trotz der positiven Befunde bleibt ein Wermutstropfen. Trans-Frauen finden sich auch  Jahre nach der GaOP nicht so gut im Leben zurecht wie nicht transsexuelle Frauen. Zwar war die körperliche Lebensqualität, gemessen mit dem SF-12, vergleichbar gut. Die psychische Lebensqualität bewerteten transsexuelle Probandinnen mit 47,79 Punkten im Vergleich zu nicht transsexuellen Menschen mit 52,25 Punkten von maximal 100 Punkten aber auch nach einer Operation noch signifikant schlechter. © gie/aerzteblatt.de

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Practicus
am Freitag, 24. November 2017, 22:10

@Symbia

Wo im Text war denn von intersexuellen Menschen mit nichteindeutigen chromosomalen und phaenotypischen Geschlechtsmerkmalen die Rede? Es geht um das üblicherweise mit dem Wort "Transsexualismus" gemeinte Prozedere, einem Menschen einen dem chromosomalen Geschlecht äußerlich konträren Körper zu verschaffen - nicht um die ganz wenigen Fälle mit Chromosomenaberrationen.
SymbIA
am Freitag, 24. November 2017, 15:43

Der Suizid und die Suizid-"Väter" der "Geschlechts-Umwandlung"

@Practicus: "Leider führt die geschlechtsangleichende Operation nur dazu, daß Betroffene statt im falschen in einem gefälschten Körper leben."
------------------------
Ihre "All-Aussage" ist wissenschaftlich unhaltbar, und sie widerspricht den Biographien vieler ehemals originär transsexueller Menschen (Neuro-Genitales-Syndrom=NGS), die nach erfolgter GaOP im stimmigen Körper leben, und so endlich das ihnen gemäße Leben glücklich und erfolgreich führen können.
Problematisch wird es allerdings immer dann, wenn Menschen mit einem "Gender-Problem" = "Geschlechts-ROLLEN-Problem" meinen, ihre gegengeschlechtliche Lebensweise über eine GaOP optimieren zu können, was einer "Geschlechts-Umwandlung" entspräche. Das Geschlecht kann aber nicht "umgewandelt" werden; deshalb ist nicht nur der Begriff irreführend, sondern auch besagte Vorstellung, seine gegengeschlechtliche Lebensweise durch die GaOP perfektionieren zu können, letzteres mit fatalen Folgen.
Die von Ihnen angeführten hohen Suizidraten dürften zum allergrößten Teil auf diese inhaltlichen und begrifflichen Irrtümer zurückzuführen sein.
Wann werden endlich klare phänomenbezogene Begrifflichkeiten und dementsprechende Behandlungskategorien verwendet und angewendet, die den grundlegend unterschiedlichen Bedürfnissen und Bedarfen gerecht werden?!
Practicus
am Mittwoch, 22. November 2017, 23:28

Leider

führt die geschlechtsangleichende Operation nur dazu, dass Betroffene statt im falschen in einem gefälschten Körper leben. Ohne Operation suizidiert sich jede 6. betroffene Person, aber nach schwedischen Zahlen bleibt die Suizidrate operierter Trans-Menschen um den Faktor 20 erhöht. Die Erwartungshaltung der Betroffenen wird durch die Darstellung in den Medien weit über ein realistisches Maß hinaus befeuert, so dass die Frustration zwangsläufig auf dem Fuß folgt. Auch nach der Operation bleiben oft störungen der sexuellen Identität zurück, viele sind im neuen Geschlecht homosexuell, Drogen- und Alkoholabhängigkeit sind häufig.
SymbIA
am Dienstag, 21. November 2017, 21:56

Fragliche Qualität der Gütekriterien

Die vermischende und verwischende Verwendung sehr unterschiedlicher Begrifflichkeiten für ganz unterschiedliche Phänomenlagen und -Gegebenheiten ist ein gravierendes Gundübel der besagten Querschnittsstudie. Dort ist von "Transgender", "Transsexuellen" und "Transidenten" die Rede. (Wie) läßt/lassen sich diese Begriffsverwirrung und die infolgedessen erhobenen Daten und die gewonnenen Befunde mit den wissenschaftlich gebotenen Gütekriterien vereinbaren?
Zudem ist die Schlußfolgerung einer per se schlechteren sozialen Integration postoperativ genitalangleichend-operierter Menschen gegenüber einer Vergleichsgruppe nicht unproblematisch, legt sie doch implizit nahe, hierfür sei die personale Disposition "Transsexualität" verantwortlich. Erst eingehende Längsschnitt-Untersuchungen zum psychosozialen Lebensalltag der Betroffenen können das Interaktionsgeschehen von personalen Dispositionsfaktoren und sozialen Umgebungsfaktoren angemessen beleuchten, und so zu einer eindeutigen Klärung der aufgeworfenen Frage beitragen.
LenaBalk
am Mittwoch, 15. November 2017, 11:25

Körperliche Aspekte zu wenig gewichtet

Eigentlich wird aus der Studie deutlich, dass eine genitalangleichende Operation oft eine Lebensverbesserung für transsexuelle Menschen bringt. Die Relativierung, indem die operative Maßnahme überwiegend in Bezug zu sozialen und gesellschaftlichen Kriterien und weniger auf die körperlichen Verbesserungen (was für "wirklich" transsexuelle Menschen i.d.R. der primäre Beweggrund für operative Maßnahmen ist) gesetzt wird - lässt die, an sich guten Ergebnisse in einem etwas anderen Licht erscheinen. Studien in dieser Form bergen die Gefahr, dass daraus abgeleitet wird, dass operative Maßnahmen für transsexuelle Menschen nicht sinnvoll erscheinen, weil damit keine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden kann. Meiner Meinung nach muss das persönliche (körperliche) Empfinden einer betroffenen Person der Maßstab sein, ob eine genitalanpassende Operation erfolgreich ist, oder nicht.

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