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Politik

Nutzung von Sekundärdaten ab 2018 möglich

Dienstag, 10. Oktober 2017

/dpa

Berlin – Seit Mitte 2006 liefern alle Dialysezentren in Deutschland Daten zur Ergebnisqualität ihrer Arbeit an den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA). Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) bemüht sich seitdem, die Daten für wissenschaftliche Analysen zu erhalten. Doch bislang ohne Ergebnis. Nun hat die DGfN ihre Kritik erneuert. Der G-BA verweist auf die aktuelle Gesetzeslage und stellt einen konkreten Zeitplan in Aussicht.

„Ohne valide epidemiologischen Daten lassen sich weder belastbare Aussagen zur Qualität der Behandlung noch zu Ursachen, Entwicklung und Langzeitergebnissen der chronischen Nierenerkrankung und ihrer Therapie auf nationaler Ebene und im internationalen Vergleich treffen“, kritisierte DGfN-Präsident Mark Dominik Alscher bereits im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift Nephro-News 1/2016.

Qualitätssicherungs-Richtlinie Dialyse

Am 24. Juni 2006 ist die Qualitätssicherungs-Richtlinie Dialyse ist in Kraft getreten. Die Daten müssen seitdem zur Qualitätskontrolle von allen Dialyseeinrichtungen an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gemeldet werden. Dort wird anhand bestimmter Parameter wie der Clearance-Rate, dem Serumalbumin, Parametern des Knochenstoffwechsels, Hygieneparameter und anderem die Ergebnisqualität erhoben.

Die Fachgesellschaft erneuert jetzt ihre Forderung, die Sekundärdatennutzung endlich möglich zu machen. Die Nephro­logen hätten damals die Kopplung der Ergebnisqualität an die Abrechnung aktiv mitgetragen, begründete Alscher auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes (DÄ). Ein Grund sei gewesen, dass die Einrichtungen für eine hohe Behandlungsqualität und Transparenz einstünden und bereit seien, sich dafür einer Kontrolle ihrer Arbeit zu unterziehen.

„Eine weitere Motivation für die hohe Kooperationsbereitschaft der Nephrologen war allerdings auch, dass es seinerzeit hieß, die erhobenen Daten könnten von der Fachgesellschaft wissenschaftlich ausgewertet werden“, betonte Alscher. Diese Sekundärdatennutzung sei der Fachgesellschaft allerdings bisher immer nur zugesagt worden, in den vergangenen elf Jahren aber nie zu Stande gekommen. Man verliere „langsam den Glauben, dass wirklich etwas passiert“, sagte Alscher dem .

Die Folgen der fehlenden Sekundärdatennutzung für wissenschaftliche Zwecke sind laut DGfN für Patienten, für das Fach und die Weiterentwicklung der Versorgungs­strukturen weitreichend. Beispielsweise empfehle die nationale Versorgungsleitlinie „Nierenerkrankungen bei Diabetes im Erwachsenenalter in Deutschland“, bei den Nierenersatztherapien die Peritonealdialyse als Einstiegsbehandlung zu favorisieren. Allerdings fehle in Deutschland wegen der fehlenden Datenauswertung eine Übersicht darüber, welche Verfahren bei Patienten in verschiedenen Krankheitsstadien zum Einsatz kämen, ganz zu schweigen von Aussagen zur regionalen Verteilung.

Der G-BA bestätigte auf Nachfrage des , dass sich Geschäftsstelle und DGfN „seit längerem in Korrespondenz hinsichtlich einer möglichen Nutzung von Daten aus der QSD-RL sowie des Leistungsbereichs Transplantation Niere (QSKH-RL)“ befinden. „Dem Anliegen der DGfN zur Nutzung von Daten konnte bisher wegen der offenen Regelung zur Nutzung von Sekundärdaten nicht nachgekommen werden“, erklärte eine G-BA-Sprecherin. Sie kündigte zugleich an, dass die Nutzung der Sekundärdaten nun weitgehend innerhalb einer neuen Verfahrensordnung des G-BA geklärt sei.

Die Geschäftsstelle des G-BA gehe davon aus, dass nach Inkrafttreten der Verfahrens­ordnungsregelungen eine Antragstellung zur Nutzung voraussichtlich im ersten Quartal 2018 möglich sein wird, teilte die Sprecherin mit. Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) bereite derzeit parallel das Vorgehen zur Umsetzung der sekundären Datennutzung vor, erklärte sie weiter.

Die Sprecherin wies aber auch auf Einschränkungen hin. „Zu betonen ist hinsichtlich der anstehenden Möglichkeit der sekundären Datennutzung, dass nur eine Nutzung von anonymisierten, aggregierten Daten vorgesehen ist“, sagte sie. Eine Datennutzung, die eine Verknüpfung von Daten aus verschiedenen Regelungskreisen erforderlich machen würde, wäre hingegen nur über die Nutzung eines identischen Patienten­pseudonyms möglich, welches derzeit aber nicht erhoben werde.

© hil/may/aerzteblatt.de

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