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Medizin

Jüngere Schüler erhalten häufiger die Diagnose ADHS

Dienstag, 10. Oktober 2017

/Christian Schwier, adobe.stock.com

Nottingham – Die jüngsten Kinder einer Jahrgangsstufe werden häufiger mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) diagnostiziert als ihre älteren Klassenkameraden. Dieser Zusammenhang habe sich in den letzten Jahren sogar noch verstärkt, teilen Forscher von der University of Nottingham mit. Die Ergebnisse aus finnischen Bevölkerungsregisterdaten wurden in Lancet Psychiatry publiziert (2017; doi: 10.1016/S2215-0366(17)30394-2).

Es werden international Prävalenzraten von etwa 9,2 Prozent für Jungen und etwa 2,9 Prozent für Mädchen berichtet.

In Deutschland werden Prävalenzraten von etwa fünf bis sechs Prozent der Kinder angegeben.

Quelle: ADHS Deutschland

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Die Inzidenz von ADHS variiert zwischen verschiedenen Ländern. Frühere Studien hatten den hier beschriebenen Zusammenhang zwischen relativem Alter und ADHS-Diagnose bereits für Länder nachge­wiesen, in denen vergleichsweise viele Kinder mit ADHS neu diagnostiziert werden (beispielsweise Canada, Island, Israel und USA; Pediatrics 2012). Erstmals wurde nun auch für ein Land wie Finnland mit geringen ADHS-Neudiagnose­raten im Kindesalter nachgewiesen, dass die Altersdifferenz innerhalb eines Jahrgangs sich auf die Diagnosehäufigkeit auswirkt.

Die finnischen Registerdaten verglichen eine Kohorte von ADHS-Kindern, die zwischen 1991 und 2004 geboren wurden mit Kinder der Jahrgänge 2004 bis 2011. Zudem wurden die Altersklassen innerhalb eines Jahrgangs untereinander verglichen: Kinder in einer Schulklasse liegen im Alter bis zu maximal zwölf Monaten auseinander. Die ältesten sind zwischen den Monaten Januar und April geboren, die jüngsten in einem Schuljahrgang zwischen September und Dezember.

Immer mehr ADHS-Neudiagnosen bei den jüngsten der Jahrgangsstufe

In den Geburtsjahrgängen 1991 bis 2004 erhielten die jüngsten Jungs eines Jahrgangs 26 Prozent häufiger eine ADHS-Diagnose, bei den Mädchen waren es sogar 31 Prozent mehr im Vergleich zu den etwas älteren Januar/April-Kindern. Noch deutlicher kam der Zusammenhang bei den Geburtsjahrgängen 2004 bis 2011 zur Geltung: Kinder, die in den Monaten Mai bis August zur Welt kamen, hatten ein um 37 Prozent höheres Risiko für eine ADHS-Diagnose als die Kinder, die zwischen Januar und April geboren wurden. Bei September- bis Dezember-Kindern stieg der Unterschied zu den älteren Klassenkameraden sogar auf 64 Prozent.

Die Studienautoren warnen: Lehrer und Eltern könnten Anzeichen für ADHS fälschlicherweise mit Unreife gegenüber den etwas älteren Klassenkameraden verwechseln. Die Forscher plädieren daher für ein flexibleres Einschulungsalter, das unreifen Kindern einen späteren Schulanfang ermöglicht. © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #732119
pietvanwithecreek
am Mittwoch, 11. Oktober 2017, 09:29

Gedanken zum Text

Verwunderlich ist das wohl kaum. Kindern wird im Namen des Fortschritts dieselbe Belastungsdosis durch Medien zugemutet. Kaum ein Erwachsener kann den Beschuss unbeschadet verkraften. Die Großen reagieren irgendwann mit verschieden hohen BurnOut Reaktionen. Das zappelige können Erwachsene wohl besser überspielen. Neulich las ich über die unbedenkliche, ja empfohlene Digitalisierung im Umgang mit Kleinkindern. Obwohl solche Ansinnen (und jede andere Art von Ansichten auch) über wissenschaftliche Studien abgesichert werden, darf man schon mal fragen: "Was lassen wir uns eigentlich noch alles verkaufen?". Die Menge unseres Wissens setzt ein Vertrauen in DEN voraus, der uns Fakten vermittelt. Schon lange wird dieses Vertrauen auf das Schändlichste missbraucht. So etwas wie eine Schuld kann es dabei nicht geben. Zappelige und dicke Kinder haben wir als Ergebnis unserer eigenen Bequemlichkeit und Ungeduld.
Avatar #110369
jpink
am Mittwoch, 11. Oktober 2017, 07:24

Woher kommt das auf einmal?

Warum gibt es jetzt 5-6 dicke Kinder pro Schulklasse? in meiner Zeit gab es den einen Klassendicken/In. Warum schnellen die Zahlen für Erwerbsunfähigkeit aufgrund von "burnout" in die Höhe?


Ich glaube, es sind sehr tiefe Probleme, die man nicht an der Oberfläche angehen kann, sondern mit der Wurzel entfernen muß. Hier möchte ich anfangen:
https://www.youtube.com/watch?v=nF1qHrmeHuI

Ich will diese angelsächsische Welt nicht, sie ist mir wesensfremd. Vor allem die Überfallskriege und Kolonisierung, die damit einhergehen, kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, allemal nicht, wenn sie von meinem Indigenat ausgehen. Es ist alles Geschäft geworden, Ausbeutung. Es ist ein Krieg gegen das Gesunde.
Avatar #107994
Adolar
am Dienstag, 10. Oktober 2017, 21:30

Ich verstehe nicht,

wie das zu einer Zeit zuging,als diese Krankheit noch nicht erfunden war. Waren da irgendwie die Eltern oder/und die Lehrer besser? An den Kindern kann es ja eigentlich nicht liegen.
LNS

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