Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Schmerzmediziner setzen auf Therapie­entscheidungen von Arzt und Patient

Montag, 9. Oktober 2017

Mannheim – Auf die Bedeutung des „Shared Decision Making“ (SDM) in der Schmerz­medizin haben Deutsche Schmerzgesellschaft und Deutsche Migräne- und Kopf­schmerzgesellschaft hingewiesen. „Ein Patient, der mitentscheidet, ist zuver­sichtlicher in Bezug auf den Therapieerfolg und motivierter, an der Therapie aktiv teilzunehmen“, erläuterte Matthias Keidel, Chefarzt der neurologischen Klinik am Campus Bad Neustadt/Saale und Kongresspräsident des diesjährigen Deutschen Schmerzkon­gresses. Dieser steht unter dem Leitspruch „Gemeinsam entscheiden“.

SDM sei beispielsweise dann besonders sinnvoll, wenn verschiedene evidenzbasierte Behandlungsmethoden zur Wahl stünden, die in ihrer Wirksamkeit als gleichwertig gelten. „Die möglichen Nebenwirkungen einer Therapie können für den Patienten – in Abhängigkeit von seinen Wertvorstellungen und Begleiterkrankungen – jedoch von unterschiedlicher Bedeutung sein“, so Keidel.

Allerdings seien mitunter neue Wege nötig, um ein SDM in der Schmerzmedizin zu implementieren und den Patienten zu einem gleichberechtigten Partner im medizi­nischen Entscheidungsprozess zu machen. „Dazu gehört, dass Informationen für den Patienten verständlich formuliert werden und der Arzt die Erwartungen, Wünsche, Sorgen und Ideen des Patienten erfragt und ihn darin unterstützt, die eigenen Präferenzen herauszufinden und zu gewichten“, erläuterte Winfried Häuser von der Klinik Innere Medizin I des Klinikums Saarbrücken.

Weiterhin sei es auch Aufgabe des Arztes, darüber zu informieren, wie der weitere Krankheitsverlauf vermutlich sein werde, wenn keine Therapie, beispielsweise mit Medikamenten, durchgeführt werde, so der Schmerzexperte.

Allerdings gebe es auch Patienten, die medizinische Entscheidungen lieber allein dem Arzt überlassen möchten. „Gerade diese Patienten profitieren davon, einbezogen zu werden. Ihre passive Haltung ist kein Desinteresse, sondern eher ein Mangel an Selbstwirksamkeitserwartungen“, hieß es aus der Fachgesellschaft. Möglicherweise kommuniziere der Arzt auch zu unverständlich mit dem Patienten.

Eine wesentlich Barriere zur Umsetzung von SDM ist laut den beiden Fachgesell­schaften die aktuelle Vergütungssystematik. „Ein ambulant tätiger Neurologe bekommt je Patient im Quartal je nach Bundesland circa 45 Euro pro Patient. Umgerechnet bedeuten 45 Euro etwa 15 Minuten Zeit im Quartal. Eine Viertelstunde sind für Diagnostik und eine umfassende Aufklärung oft nicht ausreichend“, erklärte Andreas Straube, Vizepräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft und Oberarzt an der neurologischen Klinik der Universität München, Klinikum Großhadern. © hil/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

11.01.18
Paracetamol in der Schwangerschaft könnte die Sprachentwicklung beeinträchtigen
Karlstad/New York – Nehmen Frauen Paracetamol in der Schwangerschaft, könnte das die Sprachentwicklung des Kindes beeinträchtigen – jedoch nur bei Mädchen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der......
08.01.18
Studie: Paracetamol könnte Fertilität der Töchter vermindern
Kopenhagen – Die Einnahme von Paracetamol, ein bisher in der Schwangerschaft als sicher eingestuftes und häufig verordnetes Schmerzmittel, hat in drei tierexperimentellen Studien die Oozytenreserve......
20.12.17
USA: Impfstoff gegen Opiate soll Drogenkrise bekämpfen
Bethesda/Maryland – US-Forscher haben einen Impfstoff entwickelt, der Antikörper gegen Heroin und andere Opiate induziert, die die suchterregenden Substanzen abfangen, bevor sie das Gehirn erreichen.......
18.12.17
„Marsili-Syndrom“: Gendefekt macht Familie schmerzlos
London – Eine Punktmutation in einem Gen auf dem Chromosom 14 ist dafür verantwortlich, dass eine Familie aus Italien keinen Schmerz spürt. Die Forscher hoffen in Brain (2017; doi:......
15.12.17
Neuer Begutachtungs­leitfaden zur multimodalen Schmerztherapie
Berlin – Der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD) und der Medizinischen Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung haben den......
11.12.17
Diskussion um Lancetstudie zu Schulteroperationen entbrannt
Berlin – Fach- und Berufsverbände aus Orthopädie, Unfallchirurgie und Chirurgie haben davor gewarnt, Studienergebnisse zu Schulteroperationen, die jüngst im Lancet publiziert wurden (doi......
01.12.17
Interesse an Cannabis als Schmerzmittel flaut ab
Weimar – Nach der zunächst großen Nachfrage nach Cannabis als Medikament verzeichnen Schmerzmediziner inzwischen weniger Patientenanfragen. „Das hat sich wieder relativiert“, sagte der......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige