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Medizin

Studie: Cannabiskonsum fördert aggressives Verhalten

Montag, 9. Oktober 2017

/Richard-Villalon, stock.adobe.com

Montreal – Cannabis-Konsumenten sind möglicherweise nicht so friedfertig wie vielfach angenommen. Eine Studie an psychiatrischen Patienten in Frontiers in Psychiatry (2017; doi: 10.3389/fpsyt.2017.00176) ergab, dass sie häufiger zu gewalttätigem Verhalten neigen als Alkohol- oder Kokainkonsumenten.

Cannabis war lange die Droge von Hippies und Aussteigern. Die Konsumenten galten früher als verträumte Außenseiter, die sich mehr für die freie Liebe als für den Wehrdienst interessierten und deren Charakter eher durch friedvolle Passivität als durch Aggressionen gegenüber ihren Mitmenschen geprägt war.  

Ein völlig anderes Bild zeichnet jetzt eine Langzeituntersuchung von psychiatrischen Patienten, die im Jahr nach ihrer Entlassung aus der Klinik mehrmals nach ihrem aktuellen Drogenkonsum und zu Gewalttätigkeit im Alltag befragt wurden. Dabei fiel auf, dass fortgesetzte Cannabiskonsumenten häufiger angaben, in den vergangenen Tagen in tätliche Auseinandersetzungen verwickelt gewesen zu sein.

Das Team um Alexandre Dumais von der Universität Montreal hat die Daten der MacArthur Risk Assessment Study ausgewertet. Es handelt sich um 1.136 jüngere Erwachsene (Durchschnittsalter 30 Jahre), die in drei psychiatrischen Einrichtungen in den USA behandelt worden waren. Bei ihrer Entlassung und an vier weiteren Terminen vom Folgejahr hatten die Patienten Fragebögen zu ihrem aktuellen Konsum von Alkohol und Drogen sowie zur Gewalttätigkeit ausgefüllt. 

Ergebnis: Je häufiger die Teilnehmer einen Cannabiskonsum angegeben hatten, desto häufiger waren sie in Konflikte verwickelt. Patienten, die bei zwei Nachuntersuchungen einen Cannabiskonsum angegeben hatten, neigten zu 71 Prozent häufiger zu Gewalt­tätigkeiten (Odds Ratio 1,71; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,08–2,70). Bei einem Cannabiskonsum bei drei Nachuntersuchungen stieg die Odds Ratio auf 2,08 (1,16-3,74) und bei allen vier Nachuntersuchungen auf 2,44 (1,06-5,63).

Für Alkohol wurde eine signifikante Assoziation mit Gewalttaten nur für Patienten gefunden, die bei allen Befragungen angegeben hatten, dass sie regelmäßig Alkohol trinken (Odds Ratio 2,32; 1,25-4,28). Der Konsum von Kokain, eigentlich eine Droge, die die Impulsivität stark fördert, war nicht mit vermehrten Konflikten assoziiert. 

Zweifel an den Ergebnissen der Studie sind möglich, da der Alkohol- und Drogen­konsum nicht durch Blut- oder Urinuntersuchungen bestätigt wurde und die Angaben zu Konflikten nicht überprüft wurden (etwa durch Nachfrage bei der Polizei). Laut Dumais ist es jedoch nicht die erste Studie, die die Gewaltbereitschaft von Psychiatrie-Patienten mit dem in dieser Gruppe häufigen Cannabis-Konsum in Verbindung bringt.

Bildgebende Verfahren hätten zudem gezeigt, dass Cannabiskonsumenten häufiger strukturelle und funktionelle Defizite im präfrontalen Cortex aufweisen, der beim Menschen für die Kontrolle von Impulsivität und Instinkten zuständig ist, schreibt Dumais. © rme/aerzteblatt.de

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woewe
am Samstag, 2. Dezember 2017, 22:49

Alkohol und Drogen?

"zu ihrem aktuellen Konsum von Alkohol und Drogen" - bitte gerade als Ärzteblatt wahrnehmen und entsprechend kommunizieren, dass Alkohol ebenso eine Droge ist, die Droge mit dem nach Nutt et al. 2010 oder van Amsterdam et al. 2015 mit Abstand höchsten Fremdschädigungspotential (Unfälle, Gewalt, ...).
Syntaxie
am Mittwoch, 11. Oktober 2017, 20:13

Raffiniert ausgeblendet ..

..wird, daß Gewaltopfer mehr Probleme mit Gewalt haben als die Täter.
Kiffer sind noch immer Freiwild, wie die durch §175 Geschädigten, die Opfer des Hitlerregimes und auch der Hexenverfolgung vor Jahrhunderten. Zur Zielscheibe erklärt von und für Übelwillige.
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für noch aggressivere und menschenverachtender Strafverfolgung.
>>Der Konsum von Kokain, eigentlich eine Droge, die die Impulsivität stark fördert, war nicht mit vermehrten Konflikten assoziiert. <<
Klar, weil dabei vermutlich eher das Motto "schlag drauf und Schluß" begünstigt wird. Täter haben eben praktisch keine Probleme mit Gewaltausübung, während man Opfern gerne zusätzlich unterstellt selber schuld zu sein, was daraus:
>>Bildgebende Verfahren hätten zudem gezeigt, dass Cannabiskonsumenten häufiger strukturelle und funktionelle Defizite im präfrontalen Cortex aufweisen, der beim Menschen für die Kontrolle von Impulsivität und Instinkten zuständig ist, schreibt Dumais.<< auch mal wieder hervorsticht!
Practicus
am Montag, 9. Oktober 2017, 23:37

Ja klar

Cannabiskonsumenten sind ja alles Psychiatriepatienten... weswegen waren diese Menschen in der Psychiatrie? Schizophrenie? Borderline? Bipolarstörung? affektive Psychosen? Sonstiger Drogenkonsum?
Dass Cannabis bei Psychotikern oft paradox wirkt, ist nichts neues... trotzdem setzen viele ihren Konsum fort. Viele Heroin- Kokain- und Amphetaminkonsumenten konsumieren AUCH Cannabis... unter meinen Substitutionspatientn konsumieren etwa 80% Cannabis, 60% haben immer wieder Beikonsum von Heroin, Kokain, Amphetaminen, Alkohol und Halluzinogenen... etwa ein Drittel leidet an Psychosen und/oder Persönichkeitsstörungen - ich würde niemals wagen, in diesem Durcheinander einer einzigen Substanz Gewalttätigkeit zuzuschreiben.
Ich sehe diese "Studie" in direkter Nachfolge der "anti-Marihuana-Kampagne" der Hearst-Presse in den 1930er Jahren.
Immer wieder werden solche sonderbaren Studien gezielt lanciert... dafür sitzen Forschungsgelder viel lockerer als für eine ergebnisoffene Sucht- und Drogenforschung. Auch bei uns gibt es gut bezahlte "Vortragsreisende", die ihren hochselektiven Blick auf die Situation verallgemeinern... Professor Thomasius aus Hamburg hat sich lange so betätigt

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