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Medizin

NFAT2 bedeutender Faktor für Verlauf der chronisch lymphatischen Leukämie

Dienstag, 10. Oktober 2017

/petrabarz, stock.adobe.com

Tübingen – Ein Protein namens NFAT2 ist offenbar entscheidend am Verlauf einer chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) beteiligt. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Martin Müller von der Abteilung Innere Medizin II am Universitätsklinikum Tübingen im Fachjournal Nature Communications (doi 10.1038/s41467-017-00830-y).

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) liegt die Inzidenz der CLL in Deutschland bei etwa 5.000 Personen pro Jahr. Meistens verläuft die Krankheit sehr langsam, chronisch und über viele Jahre ist keine Therapie nötig. Bis zu zehn Prozent der CLL-Patienten entwickeln aber im Verlauf ihrer Erkrankung ein Richter-Syndrom, bei dem aus der niedrigmalignen CLL ein hochmalignes Lymphom entsteht. Diese Patienten haben eine besonders schlechte Prognose.

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Große Mengen NFAT2 bei einem langsamen Verlauf

Die Wissenschaftler stellten an einem Mausmodell zunächst fest: Das Ausschalten von NFAT2 in den Leukämiezellen der Maus führt zu einem deutlich beschleunigten Krankheitsverlauf mit wichtigen Merkmalen des Richter-Syndroms beim Menschen. Die Tiere entwickeln ein aggressives Lymphom und zeigen eine deutlich kürzere Lebenserwartung.

Gleichzeitig konnte die Arbeitsgruppe nachweisen, dass Leukämiezellen von Patienten mit einem langsamen klinischen Verlauf eine große Menge des Proteins NFAT2 aufweisen, während die Produktion bei Patienten mit aggressiver Verlaufsform erheblich reduziert ist. Beim Richter-Syndrom kommt die Produktion von NFAT2 in den Tumorzellen sogar völlig zum Erliegen.

Das Protein NFAT2 ist in den Leukämiezellen also für einen Ruhezustand verantwortlich, folgerten die Forscher. Der Verlust dieses Ruhezustandes führt zu einem aggressiveren Verlauf der Leukämie und zu einer deutlich schlechteren Prognose. Müller und seine Mitarbeiter sind überzeugt, dass der entdeckte Mechanismus in absehbarer Zukunft auch therapeutisch genutzt werden könnte. „Insbesondere für Patienten mit Richter-Syndrom, für die es bislang nur wenig effektive  Behandlungsmöglichkeiten gibt, birgt dieser Ansatz erhebliches Potenzial“, so die Wissenschaftler.

© hil/aerzteblatt.de

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