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Ärzteschaft

Inklusive Konzepte in Afrika eröffnen Perspektiven für die Versorgung

Dienstag, 10. Oktober 2017

Berlin – Psychische Erkrankungen belasten Menschen weltweit, die jeweiligen Lebensbedingungen und Gesundheitssysteme sind aber ausgesprochen unter­schiedlich. Anlässlich des Weltkongresses für Psychiatrie, der gerade in Berlin stattfindet, stellte Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin, heute zwei seiner Ansicht nach besonders gelungene Beispiele für einen medizinisch wie sozial verantwortlich und gesellschaftlich inkludierenden Umgang mit psychisch erkrankten Menschen in Bamako (Mali) und Kabul (Afghanistan) vor.

Im Universitätskrankenhaus Point G in Bamako lebten Patienten und ihre Angehörigen in einer Art therapeutischem Dorf, und alle Visiten verlaufen unter Einschluss der Betroffenen und ihrer Familien, berichtete Heinz, der auch der nächste Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nerven­heilkunde (DGPPN) sein wird, die den Weltkongress für Deutschland ausrichtet.  

Kooperation mit traditionellen Heilern in Mali

Ein wichtiger Therapiebestandteil sei ein von Patienten veranstaltetes Theaterspiel, in dem typische familiäre und soziale Konflikte und Probleme inszeniert werden. „Die Familie begleitet den psychisch Kranken immer in die Klinik und bleibt auch dort“, sagte Heinz. Das Universitätskrankenhaus kooperiere darüber hinaus mit traditionellen Heilern, um über die sehr begrenzte Zahl von Ärzten hinaus die Versorgung psychisch kranker Personen zu verbessern.

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In Kabul werden Krankenschwestern und Pfleger und ähnliche Berufsgruppen als psychosoziale Berater ausgebildet, um den großen Bedarf an therapeutischer Hilfe für traumatisierte und andere psychisch belastete Personen zu gewährleisten. „Es gibt für rund fünf Millionen Einwohner in Kabul gerade rund 20 Ärzte, die sich in Kranken­häusern und deren Ambulanzen um solche Patienten kümmern“, berichtete Heinz. Dabei habe ein Großteil der Bevölkerung traumatisierende Erfahrungen im Bürgerkrieg gemacht. Zudem seien viele Einwohner Kabuls drogenabhängig, der Psychiater schätzt deren Zahl auf eine Million.

„Deshalb ist psychosoziale Beratung so wichtig und sollte im ganzen Land in lokalen Gesundheitsstützpunkten und kleinen Krankenhäusern angeboten werden. Erste Evaluationen waren sehr positiv“, sagte Heinz. Leider schränke der fortgesetzte Bürgerkrieg die Umsetzung außerhalb einzelner Regionen stark ein. „Man kann sehr viel machen, doch es braucht wie immer Zeit und Geld“, betonte der President elect der DGPPN.

Austausch von Expertise weltweit

Die Plattform „Initiativen Global Mental Health“ will einen Überblick zu Initiativen aus dem deutschsprachigen Raum geben, die sich in Entwicklungsländern engagieren. Durch eine stärkere Vernetzung soll der Austausch von Expertise gefördert und gemeinsam weiterentwickelt werden. Die Plattform ist ein Kooperationsprojekt der Charité Universitätsmedizin Berlin, des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung und der Humboldt-Universität. Existierende Projekte können auf www.initiativen-gmh.de eingetragen werden. © pb/aerzteblatt.de

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