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Bluttransfusion: Verwechslungsgefahr größer als Infektionsrisiko

Dienstag, 10. Oktober 2017

/dpa

Köln – Immer mehr Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen führen elektronische Identifikationssysteme ein, um Blutentnahmen sicherer zu machen und Verwechselungen vorzubeugen. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie hingewiesen.

„Studien zeigen, dass eine von 2.000 Blutproben fehlerhaft ist, also ‚falsches Blut‘ enthält“, erläuterte Richard Max Kaufman, Pathologe am Brigham and Women's Hospital in Boston, im Vorfeld der 50. Jahrestagung der Fachgesellschaft vom 24. bis 27. Oktober 2017 in Köln. „Zum Vergleich: Das Risiko für eine Infektionsübertragung liegt in entwickelten Ländern bei weniger als eins zu einer Million. Wir sind bestrebt, auch das Risiko für fehlerhafte Blutproben weiter zu minimieren“, so Kaufmann.

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Elektronische Identifikationssysteme sollen helfen

„Medizinisches Personal ist dafür geschult, die Identität der Patienten zu bestätigen und die Probenröhrchen entsprechend zu beschriften“, erläuterte Birgit Gathof, Tagungspräsidentin und Leiterin der Abteilung Transfusionsmedizin am Universitäts­klinikum Köln. In Deutschland helfe unter anderem der „Bedside Test“, die Blut­gruppenbestimmung unmittelbar vor der Bluttransfusion, Verwechselungen aufzudecken und Fehltransfusionen zu vermeiden.

„Trotzdem können Fehler passieren. Um Verwechslungen in der Zukunft noch sicherer ausschließen zu können, bemühen wir uns in der Transfusionsmedizin und Klinik stetig, unsere Abläufe zu überprüfen und weiterzuentwickeln“, so die Transfu­sionsmedizinerin.

Teil davon sind neue elektronische Identifikationssysteme, die direkt vor Ort am Patienten beziehungsweise Spender angewendet werden. Am Beginn der Blutentnahme steht die Identifikation. Dazu wird eine ID auf dem Identifikati­onsarmband des Patienten gescannt. Die Proberöhrchen werden über das System mit einem Barcode versehen, die Beschriftung der Röhrchen per Hand entfällt.

Aber senkt dieses Vorgehen die Verwechslungsrate? Um den Einfluss der elektro­nischen Identifikationssysteme auf die Patientensicherheit zu bewerten, hat die Biomedical Excellence for Safer Transfusion (BEST) Collaborative die internationale Studie “TUBE” (Testing the Utility of Collecting Blood Samples Electronically) gestartet.

„Im Rahmen der Studie erfassen die teilnehmenden Krankenhäuser Daten zum Vorkommen von ‚falschem Blut‘ in deren Blutbanken“, erklärte Kaufman. So soll geprüft werden, ob Einrichtungen, die ein Barcode-Scan-System bei der Blutentnahme nutzen, weniger Verwechslungen unterlaufen als Einrichtungen, die das manuelle Etikettier-System nutzen. © hil/aerzteblatt.de

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