NewsVermischtesOnline-Tool soll Kinderärzte bei Diagnose des metabolischen Syndroms unterstützen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Online-Tool soll Kinderärzte bei Diagnose des metabolischen Syndroms unterstützen

Donnerstag, 12. Oktober 2017

/Screenshot

Berlin – Übergewicht und Fettleibigkeit im Kindesalter haben im Laufe der vergan­genen Jahrzehnte in Europa und auf der ganzen Welt massiv zugenommen. Das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) hat jetzt ein webbasiertes Online-Tool entwickelt, das Kinder- und Jugendärzte bei der Diagnose des metabolischen Syndroms unterstützen soll.

Die International Diabetes Federation (IDF) definiert das metabolische Syndrom über die vier Hauptsymptome Übergewicht mit abdomineller Fettverteilung, Dyslipidämie, Insulinresistenz und Bluthochdruck. „Überschreiten drei oder gar vier Komponenten bestimmte Grenzwerte, liegt ein metabolisches Syndrom mit entsprechend dringendem Handlungsbedarf vor“, erläutert das BIPS. Allerdings gebe es bei diesen Grenzwerten bislang noch große Unsicherheiten.

Anzeige

Limitierte Übertragbarkeit

Neben der Definition der IDF existierten noch andere, die sich voneinander unter­schieden und somit zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Diagnose des meta­bolischen Syndroms führten. Außerdem leite sich die gängige Definition der IDF von Daten ab, die für Erwachsene erhoben wurden. Diese ließen sich jedoch nicht ohne weiteres auf Kinder herunterrechnen, da sich in der Kindesentwicklung etwa Körpergröße und -proportionen – und damit auch die Fettverteilung – stark veränderten.

Aufgrund der limitierten Übertragbarkeit auf sehr junge Menschen empfiehlt etwa die IDF, dass das metabolische Syndrom nicht bei Kindern unter zehn Jahren diagnostiziert werden sollte. Kinder unter sechs Jahren wurden wegen der unzureichenden Datenlage sogar komplett aus der Definition herausgenommen.

Die Forscher des BIPS haben daher ein völlig neues, flexibles Referenzsystem entwickelt. Basis dafür sind Daten der IDEFICS-Studie. 23 Forschungsinstitute und klein- und mittelständische Unternehmen aus elf verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten haben daran teilgenommen. Das neue Referenzsystem fußt so auf den Daten von mehr als 12.000 Kindern aus acht europäischen Ländern im Alter von drei bis zehn Jahren und ist alters- und geschlechtsspezifisch. 

Damit Kinder- und Jugendärzte diesen diagnostischen Zugang schnell und unkom­pliziert nutzen können, hat das BIPS im Rahmen eines vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekts ein webbasiertes Online-Tool entwickelt.

Dafür erhebt der behandelnde Arzt die folgenden Parameter:

  • den Hüftumfang als Gradmesser für die abdominelle Fettverteilung)
  • Triglyzerid- beziehungsweise HDL-Cholesterinwerte
  • den Nüchternglucosewert
  • den systolischen/diastolischen Blutdruck.

Anschließend trägt der Arzt die Werte der Messungen zusammen mit dem Alter, dem Geschlecht und der Größe des Kindes in die Eingabemaske ein. Bereits während der Eingabe der Daten zeigen verschiedene Grafiken, inwieweit sich die Messwerte des Kindes von denen seiner Altersgenossen unterscheiden.

Liegen diese Messwerte bei mindestens drei der vier Hauptsymptome oberhalb des 90-Prozent-Perzentils, empfiehlt das Online-Tool, die Entwicklung des Kindes aufmerksam weiterzuverfolgen (Monitoring Level). Bei noch deutlicherer Abweichung von der Norm (oberhalb des 95-Prozent-Perzentils) wird eine pädiatrische Intervention empfohlen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

11. Dezember 2019
St. Louis/Missouri – Die bevorzugte Verwendung von „frischen“ Blutspenden mit einer Lagerzeit von weniger als 7 Tagen hat in einer randomisierten Studie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2019; 322:
„Frische“ Erythrozytenkonzentrate könnten auch bei Kindern ohne Vorteile sein
11. Dezember 2019
Berlin – Das Kinderkrebszentrum der Charité nimmt wegen fehlender Pflegekräfte derzeit keine neuen Patienten auf. Derzeit ist nach Angaben von Charité-Vorstand Ulrich Frei jede fünfte Stelle in der
Personalmangel am Kinderkrebszentrum der Charité
10. Dezember 2019
Berlin – Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey will im kommenden Frühjahr ein Gesetz zur Reform der Kinder- und Jugendhilfe vorlegen. Das kündigte die SPD-Politikerin heute in Berlin an. Es geht
Giffey plant Reform der Kinder- und Jugendhilfe
5. Dezember 2019
Magdeburg – Mehr als ein Viertel der Schulkinder in Sachsen-Anhalt zeigt einer Studie zufolge psychische Auffälligkeiten. Bei etwa zwei Prozent der Jungen und Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren in
Zwei Prozent der Schüler in Sachsen-Anhalt mit diagnostizierter Depression
4. Dezember 2019
Berlin – Die Rechte von Kindern werden in den Bundesländern in sehr unterschiedlichem Umfang gesichert. „30 Jahre nach Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention stehen wir in Deutschland
Kinderhilfswerk sieht föderalen Flickenteppich bei Kinderrechten
28. November 2019
Brüssel – Zum Beginn der Vorweihnachtszeit haben Umwelt- und Verbraucherschützer vor gefährlichem Kinderspielzeug gewarnt. „Die problematischsten Spielzeuge sind die aus Plastik“, sagte Tatiana Santos
Experten warnen vor gefährlichem Spielzeug
27. November 2019
Mainz – Die rheinland-pfälzische Landesregierung will die Gesundheitsgefahren von E-Zigaretten und auch von Shishas in die Prävention an Schulen und der Landeszentrale für Gesund­heits­förder­ung (LZG)
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER