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Medizin

PAVK: Neue Leitlinien für Therapie und Sekundär­prophylaxe der Schaufenster­krankheit

Freitag, 13. Oktober 2017

/Bergringfoto, stock.adobe.com

Berlin – Eines der Hauptthemen bei den Herztagen der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Berlin ist die Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), umgangssprachlich als Schaufensterkrankheit bezeichnet. Im September 2017 präsentierte die European Society of Cardiology (ESC) neue Behandlungsleitlinien. 

Zahlen und Fakten zur PAVK

4,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK). Versicherungsdaten aus Deutschland zeigen jährlich 500 bis 600 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Besonders gefährlich ist diese Erkrankung, weil mit ihr auch ein hohes Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle und damit eine hohe Sterblichkeit verbunden ist. Risikofaktoren für eine PAVK sind vor allem Rauchen und Diabetes.

Sie empfehlen für PAVK-Patienten eine lipidsenkende Therapie, in erster Linie mit Cholesterinsenkern vom Typ der Statine. Ein LDL-Cholesterinwert unter 70 mg/dl oder eine Senkung um mindestens 50 Prozent in Relation zum LDL-Ausgangswert soll angestrebt werden. Denn Studiendaten zeigen, dass diese Werte auch die Gehstrecke verbessern. Die Leitlinien gehen zudem ausführlich auf die Mittel zur Antikoagulation ein. „Neu in den europäischen Leitlinien ist, dass diesbezüglich Clopidogrel als besser wirksam angesehen wird als Aspirin, wie die CAPRIE-Studie zeigt“, erklärt Christiane Tiefenbacher (Wesel), Tagungspräsidentin der DGK-Herztage. „Auch wird empfohlen, dass PAVK-Patienten, die Marcumar oder andere Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung bekommen, wegen des erhöhten Blutungsrisikos nicht zusätzlich noch Thrombozytenaggregations-Hemmer einnehmen sollen.“

Als Behandlungsmethode der Halsschlagader wurde die Katheter-gestützte Stent-Implantation gegenüber chirurgischen Eingriffen aufgewertet. So sollte bei asymptomatischen Karotisstenosen (Verengungen der Herzschlagader ohne Beschwerden) ein Stent bevorzugt werden, wenn das Operationsrisiko hoch ist. „Daten zum Langzeitverlauf haben gezeigt, dass zwischen den beiden Methoden kein Unterschied beim Outcome besteht, allerdings ist die Stent-Implantation weit schonender“, erklärt Tiefenbacher die Aufwertung.

Gefäßengstellen an den Beinen sollten nur in Zentren mit Kathetern behandelt werden

Bei der Behandlung der Beine hingegen wird ein differenziertes Vorgehen empfohlen. „Viele Engstellen können mittels moderner Kathetertechnologie für den Patienten schonend behandelt werden. In komplexen Situationen, etwa bei starkem Verkalkungsgrad, sollten aber auch operative Verfahren zum Zuge kommen“, fasst Tiefenbacher die Empfehlungen zusammen. „Mit Katheter sollte nur in Zentren behandelt werden, die über sehr erfahrene Fachleute verfügen. Ist der Zustand der Venen im Unterschenkel gut, kann auch eine Bypassoperation, bei der Venen als Überbrückung der verschlossenen Arterien dienen, durchgeführt werden. Die Ergebnisse sind hier besser geworden.“

Neu ist auch die Empfehlung, dass bei Patienten mit PAVK systematisch darauf geachtet werden sollte, ob Anzeichen für eine koronare Herzerkrankung oder eine Herzinsuffizienz bestehen. Umgekehrt wird empfohlen, bei Patienten mit solchen Herzerkrankungen zu untersuchen, ob auch eine PAVK vorliegt. Die Behandlung erfolgt bestenfalls durch ein „Gefäßteam“ aus Kardiologen, Angiologen und Gefäßchirurgen.

Das nächste Update

Die vollständigen Ergebnisse der COMPASS-Studie konnten bei der aktualisierten Leitlinie noch nicht berücksichtigt werden. In dieser Studie verglichen Forscher eine kombinierte Behandlung mit Rivaroxaban (2x2,5mg/Tag) plus ASS (100 mg/Tag) mit ASS allein bei Patienten mit peripheren arteriellen Erkrankungen (PAD) (n=7410). Die kombinierte Behandlung konnte das Risiko für kardiovaskulärer sowie PAD-spezifischer Ereignisse wie schwere Gliedmaßen-Ischämien und Amputationen dabei deutlich stärker reduzieren.

Kardiologie: Gewohntes häufiger hinterfragen

Eine Anwendungsstudie zum Wert der routinemäßigen Applikation von Sauerstoff bei normoxämischen Patienten mit Verdacht auf Myokardinfarkt sorgte auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Barcelona für Überraschung.

Hohes kardiovaskuläres Risiko bei PAVK

Nicht nur die Anzahl der Fälle sei alarmierend, sagt Tiefenbacher, sondern auch die Tatsache, dass PAVK-Patienten eine hohe Sterblichkeit aufweisen: „Dies ist eine Folge des hohen Risikos, zusätzlich zu PAVK auch kardiovaskuläre Krankheiten zu haben. Bei etwa einem Drittel der PAVK-Patienten besteht eine koronare Herzerkrankung, jeder Dritte hat Veränderungen an der Halsschlagader und somit ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Die Sekundärprophylaxe gewinnt daher immer mehr an Bedeutung, denn es geht bei PAVK nicht nur um die Beine, sondern auch um das Herz und das Gehirn.“ © gie/idw/aerzteblatt.de

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