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Medizin

Nocebo-Effekt bei teuren Scheinmedikamenten größer

Donnerstag, 12. Oktober 2017

/dpa

Hamburg – Der Nocebo-Effekt ist stärker, wenn die Patienten davon ausgehen, dass das erhaltene Medikament teuer ist. Gehen sie davon aus, dass das Präparat billig war, ist der Effekt weniger stark ausgeprägt. Das berichten Wissenschaftler des Universitäts­klinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in der Fachzeitschrift Science (doi 10.1126/science.aan1221).

Bekanntlich kann ein Scheinmedikament nicht nur zur Besserung der Symptome beitragen (Placebo-Effekt), sondern auch die Nebenwirkungen des eigentlichen Medikaments hervorrufen (Nocebo-Effekt). „In unserer Studie haben wir untersucht, wie sich Wertinformationen über ein Medikament auf den Nocebo-Effekt auswirken“, erläuterte Alexandra Tinnermann, Wissenschaftlerin im Institut für systemische Neurowissenschaften des UKE.

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Höheres Schmerzempfinden

Dazu erhielten die Probanden ein Scheinmedikament ohne medizinischen Wirkstoff. Um eine negative Erwartung zu wecken, wurde den Probanden mitgeteilt, dass das Medikament Nebenwirkungen hervorrufen kann, die zu einem erhöhten Schmerzempfinden führen. Zusätzlich zu dieser negativen Erwartung wurde eine Hälfte der Probanden darüber informiert, dass das Medikament günstig sei, die andere Hälfte, dass es teuer sei.

Die Gruppe, die das angeblich teure Scheinmedikament erhalten hat, zeigte einen größeren Nocebo-Effekt – also ein höheres Schmerzempfinden – als die Gruppe, die das günstige Präparat erhalten hatte. „Die Ergebnisse zeigen, dass der Wert eines Medikaments zusätzlich zu den negativen Erwartungen das Schmerzempfinden beeinflussen kann“, so das Fazit der Wissenschaftler.

Zurückzuführen lässt sich der Nocebo-Effekt auf die Erwartungshaltung der Patienten, die sich mit bildgebenden Verfahren sogar darstellen lässt. „Bei Erwartungseffekten ist das modulierende Schmerzsystem von großer Bedeutung. Erwartungen, die im Frontalhirn entstehen, können über das modulierende Schmerzsystem die Verarbeitung von schmerzhaften Reizen in tieferen Regionen des Nervensystems wie dem Hirnstamm oder dem Rückenmark beeinflussen“, so Tinnermann. 

Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie konnten die Forscher zeigen, dass negative Erwartungen Auswirkungen auf drei wichtige Areale des modulierenden Schmerzsystems haben: auf Frontalhirn, Hirnstamm und Rückenmark. © hil/aerzteblatt.de

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