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Medizin

Studie: Periduralanästhesie verlängert Geburt nicht

Donnerstag, 12. Oktober 2017

samrith - stock.adobe.com

Boston – Die Befürchtung, dass eine Periduralanästhesie die Austreibungsphase verlängert und dadurch die Geburt kompliziert, hat sich in einer randomisierten Studie in Obstetrics & Gynecology (2017; doi: 10.1097/AOG.0000000000002306) nicht bestätigt.

Die aktive Mitarbeit der Gebärenden ist in der Austreibungsphase besonders wichtig. Die Presswehen, die nach dem Eintritt des Kopfes in den Geburtskanal einsetzen, beschleunigen die Geburt. Viele Geburtshelfer befürchten, dass die Periduralanästhesie in dieser Phase den Pressdrang abschwächt. An vielen Kliniken wird deshalb die Periduralanästhesie in der Austreibungsphase vermindert oder ganz unterbrochen. Geburtshelfer des Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) in Boston bezweifeln, dass dies notwendig ist. Zusammen mit chinesischen Medizinern haben sie hierzu eine randomisierte kontrollierte Studie durchgeführt.

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An der Studie nahmen 400 Erstgebärende teil, die ihr Kind an der Universitätsklinik in Nanjing zur Welt brachten. Vor der Geburt wurden sie auf zwei Gruppen randomisiert. In beiden Gruppen wurde auf Wunsch der Frauen zu Beginn der Geburt mit einer Periduralanästhesie mit 0,08 Prozent Ropivacain plus 0,4 µg/ml Sufentanil begonnen. In der ersten Gruppe wurde die Periduralanästhesie bis zum Abschluss der Geburt fortgesetzt. In der zweiten Gruppe erhielten die Frauen ab dem Beginn der Austrei­bungsphase nur noch Kochsalz über den Periduralkatheter.

Wie das Team um Philip Hess vom BIDMC berichtet, hat die Periduralanästhesie die Austreibungsphase nicht verlängert. Sie dauerte im Durchschnitt 52 Minuten gegen­über 51 Minuten in der Placebogruppe: Ein klinisch irrelevanter Unterschied, der in der statistischen Auswertung nicht signifikant war. Die Zahl der Frauen, bei denen die Geburtshelfer – sie waren über die Zuteilung der Frauen nicht informiert – wegen eines fehlenden Fortschrittes in der Geburt den Abbruch der Periduralanästhesie forderten, war etwa gleich: 17 Mal in der Placebogruppe und 21 Mal unter einer tatsächlichen Periduralanästhesie. Auch dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant.

Die Periduralanästhesie hat den Abschluss der vaginalen Entbindung nicht verhindert: 193 von 200 Frauen (96,5 Prozent) brachten ihr Kind auf natürliche Weise zur Welt. In der Placebogruppe waren es 198 von 200 Frauen (99 Prozent). Der Unterschied war erneut nicht signifikant. Es gab auch keine Unterschiede in der Häufigkeit der Episiotomie. Apgar-Score und pH-Wert im Nabelschnurblut waren ebenfalls gleich, so dass die fortgesetzte Periduralanästhesie für das Kind offenbar keine Nachteile hatte.

Interessanterweise gaben die Frauen, bei denen die Periduralanästhesie abgebrochen wurde, während der Austreibungsphase keine erhöhten Schmerzwerte an. Später waren jedoch 61 von 200 Frauen in der Placebogruppe (30,5 Prozent) mit dem Verlauf der Geburt eher unzufrieden (8 oder weniger Punkte in einem Fragebogen zur Zufriedenheit), während in der Gruppe mit fortgesetzter Periduralanästhesie nur 32 von 200 Frauen (16 Prozent) unzufrieden waren.

Ingesamt sprechen die Ergebnisse gegen einen frühzeitigen Abbruch der Peridural­anästhesie. Allerdings ist zu bedenken, dass die Studie an einer einzelnen Klinik im Ausland durchgeführt wurde. Ob die Ergebnisse auf die USA oder auch auf Deutschland übertragen werden können, bleibt fraglich. Hess plädiert für weitere Studien in dieser Frage. © rme/aerzteblatt.de

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