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Ärzteschaft

Pathologen kritisieren Regelung für DRG-Zuschlag von Obduktionen

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Berlin – Kritik an einem sogenannten Umsetzungsvertrag, der eigentlich den Weg für eine bessere Vergütung von Obduktionen frei machen soll, üben der Bundesverband Deutscher Pathologen und die Deutsche Gesellschaft für Pathologie. Statt die Details zu regeln, behindere der Vertrag die Umsetzung, so der Vorwurf.

„Rückwirkend ab 1. Januar 2017 könnten Krankenhäuser zur Qualitätssicherung durch Obduktionen einen Zuschlag zu ihren Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRGs) erhalten. Damit hat der Gesetzgeber die Obduktion erstmals als Instrument der Qualitätssicherung im Krankenhaus anerkannt und für eine gesonderte Vergütung gesorgt“, erläutern die Verbände die Hintergründe. Dies sei „außerordentlich begrüßenswert und nimmt eine langjährige Forderung der Ärzteschaft auf“, so Bundesverband und Fachgesellschaft.

Quoten festgelegt

Der Umsetzungsvertrag zwischen GKV-Spitzenverband und Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) behindere jedoch die Umsetzung der Regelung. „Leider ist der krankenhausindividuelle DRG-Zuschlag abhängig vom sofortigen Erreichen einer völlig überhöhten indikationsbezogenen Obduktionsquote von zunächst 7,5 Prozent für 2017“, kritisieren die Pathologie-Verbände. Im Augenblick liege die durchschnittliche Obduktionsquote in Deutschland bei etwa vier Prozent.

Die Verbände kritisieren des Weiteren, dass eine restriktive Indikationsliste als Bestandteil des Vertrags nach ersten Schätzungen 50 bis 70 Prozent der Obduktionen von derzeit im Krankenhaus Verstorbenen von vornherein von der Berechnung des Zuschlags ausnähmen. „Rechnet man die ausufernden bürokratischen Bestimmungen dazu, wird sehr schnell die Zahlungsvermeidungsstrategie des Spitzenverbandes der Kassen deutlich“, so die Verbände. 

„Obduktionen sollen gemäß Krankenhausstrukturgesetz als wertvolles Instrument der medizinischen Qualitätssicherung unter bestimmten Voraussetzungen durch Zuschläge finanziell gefördert werden. Ziel ist es, die Obduktionsrate zu erhöhen, damit Ärzte im Krankenhaus aus den Erkenntnissen, die aus Obduktionen gewonnen werden, kontinuierlich lernen können“, heißt es dagegen in dem Vertrag zwischen dem GKV-Spitzenverband, dem Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung und der DKG.

„Für das Jahr 2017 wird auf Bundesebene eine indikationsbezogene Obduktionsrate von 7,5 Prozent festgelegt. Für das Jahr 2018 wird auf Bundesebene eine indikationsbezogene Obduktionsrate von 10 Prozent festgelegt. Ab dem Jahr 2019 wird auf Bundesebene eine indikationsbezogene Obduktionsrate von 12,5 Prozent festgelegt“, heißt es dort weiter.

Der Bundesverband Deutscher Pathologen und die Deutsche Gesellschaft für Pathologie fordern von den Verhandlungspartnern die Obduktionsquote niedriger anzusetzen und langsamer zu steigern. „Die teilweise in der Vergangenheit zurückgefahrenen Strukturen des Obduktionswesens müssen wieder aufgebaut werden. Das würde auch gerade kleineren Krankenhäusern einen Zugang zu dieser Qualitätssicherung ermöglichen“, plädieren die Verbände.

© hil/aerzteblatt.de

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Jan Sulik
am Samstag, 14. Oktober 2017, 21:04

Obduktionsvermeidungsvertrag

Der zu recht kritisierte Umsetzungsvertrag dürfte in der jetzigen Form dafür sorgen, dass selbst diejenigen Krankenhäuser resignieren, die sich bislang noch um klinische Obduktionen bemüht haben. Dabei geht es weniger um "völlig überhöhte" Sektionsquoten, die (nach herkömmlicher Berechnungsmethode) mit etwas gutem Willen sicherlich erreicht werden könnten. Zwei Haupthindernisse stehen dem eigentlich angestrebten Ziel im Weg: 1. Die Indikationsliste, die DRG-bürokratisch exakt festschreibt, welche Todesfälle im Krankenhaus eine Obduktion überhaupt rechtfertigen. Nur "passende" Obduktionen werden am Ende vergütet, alle anderen wie bisher nicht. Diese Regelung läuft dem Zufallsprinzip einer jeden Qualitätssicherung zuwider. Überraschungsbefunde, die im Seziersaal auch bei klinisch scheinbar "klaren" Fällen (die in Zukunft nicht obduktionswürdig sind)immer wieder aufgedeckt werden, dürften damit noch seltener werden. Durch die festgelegte Vorselektion potentiell obduktionswürdiger Fälle nach bestimmten Kriterien wird die Ökonomisierung der Medizin konsequent auf die Qualitätssicherung übertragen. 2. Die Erfüllung der im Vertrag vorgeschriebenen Anforderungen an die klinischen Obduktionen ist mit enormem Organisations- und Dokumentationsaufwand verbunden, welcher in einem Routineinstitut für Pathologie personell derzeit kaum zu leisten ist. Die vertragsgemäße Umsetzung all dieser Bestimmungen erhöht wiederum die Kosten für die klinischen Obduktionen, die dem Krankenhaus jedoch nur beim Erreichen der indikationsbezogenen Obduktionsrate erstattet werden.
Sicher muss rund um die klinische Obduktion vieles verbessert und geregelt werden, wenn sie künftig von den Kassen finanziert wird, wie z.B. die Berichtsfrist, Dokumentationsstandards etc. Mit diesem Vertrag sind die Beteiligten jedoch weit über das Ziel hinausgeschossen. Vor allem mittelgroße und kleine Krankenhäuser werden Aufwand und Nutzen gründlich abwägen.

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