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Ärzteschaft

Fachgesellschaft empfiehlt gezielten Muskelaufbau vor Endoprothesen-OP

Donnerstag, 12. Oktober 2017

/dpa

Berlin – Der altersbedingte Abbau von Muskelmasse und -funktion, die Sarkopenie, kann den Erfolg eines neuen Hüft- oder Kniegelenks beeinträchtigen. Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE) empfiehlt Patienten deshalb, im Vorfeld einer Hüft- oder Knieprothesen-Operation gezielt Muskelaufbau zu betreiben und sich protein- und vitaminreich zu ernähren.

„Narkose, Medikamente und Wundheilung fordern den ganzen Patienten“, erläuterte Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE und Chefarzt der orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig. Muskelkraft sei für die Mobilisation nach dem Eingriff nötig, etwa für das Aufsitzen, Aufstehen sowie für sicheres und stabiles Gehen auf Unterarmstützen. Zudem beeinträchtige eine zu geringe Muskelmasse den gesamten Organismus, unter anderem das Herz-Kreislaufsystem und den Stoffwechsel.

„Wir tun in der Orthopädie deshalb alles dafür, dass unsere Patienten keine Muskelmasse durch zu lange Bettlägerigkeit verlieren. So lassen wir sie etwa mit Hilfe eines Physiotherapeuten bereits am Tag der OP zum ersten Mal aufstehen.“ Während einer Woche Bettruhe könnten sonst 1 bis 1,5 Kilogramm Muskelmasse verloren gehen, so Heller.

„Bei Schmerzen durch Arthrose und Gelenkverschleiß führen Schonung und Vermeidungsverhalten zu zusätzlichem Muskelabbau und Funktionsverlust“, betonte Henning Windhagen, Präsident der AE. Es sei aber möglich, mit Hilfe eines Physiotherapeuten oder in qualifizierten Sportstudios Muskulatur gezielt aufzubauen, auch im höheren Alter. So weit möglich sollten die Patienten das Übungsprogramm auch vor Operationen nicht aussetzen, so der Direktor der orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Diakovere Annastift.

Sarkopenie ist auch laut der Deutschen Gesell­schaft für Innere Medizin (DGIM) ein unterschätztes Gesundheitsproblem. Etwa ab dem 30. Lebensjahr beginne ein physiologischer Umbau von Muskulatur in Fettgewebe von 0,3 bis 1,3 Prozent/Jahr. „Unternimmt man nichts dagegen, gehen so rund 30 bis 50 Prozent der Muskelmasse bis zum 80. Lebensjahr schleichend verloren“, warnte Cornel Sieber, Vorsitzender der DGIM 2017/2018, Anfang Oktober. Dennoch sei das Problembewusstsein für Sarkopenie, auch unter uns Ärzten, „bislang eher gering“, so der Geriater.

© hil/aerzteblatt.de

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