Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Stiftung verlangt bessere Sterbebegleitung

Freitag, 13. Oktober 2017

Berlin – Deutschland braucht nach Ansicht der Deutschen Stiftung Patientenschutz dringend mehr professionelle und mobile Teams für die Sterbebegleitung. Bisher gebe es kein Konzept, „jedem Sterbenden die Fürsorge zu garantieren, die er benötigt“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch aus Anlass des morgigen Welthospiztages. „In den Koalitionsverhandlungen wird es darauf ankommen, die palliative und hospizliche Versorgung für jährlich eine halbe Million sterbender Menschen zu sichern.“

Der Welthospiztag sei ein Appell, sich die Sorgen und Nöte der Sterbenden bewusst zu machen. „Jährlich sterben hierzulande rund 925.000 Menschen. Aber nur 30.000 Schwerstkranke haben die Chance, in einem der 236 stationären Hospize zu sterben“, wo sie von spezialisierten Pflegekräften, niedergelassenen Palliativärzten und ehrenamtlichen Hospizhelfern umsorgt würden, so Brysch.

Rund 430.000 Patienten erlebten ihre letzten Tage im Krankenhaus. Auf einer Palliativstation mit entsprechenden Fachkräften sterben laut Brysch aber nur 17.000 Menschen. Für 96 Prozent der Sterbenden in einer Klinik gebe es also keine Gewähr, dass in den Sterbestunden eine Fachkraft zur Seite stehe. „Gerade zur Nachtzeit kümmert sich ein Pfleger nicht selten um mehr als 25 Patienten. Da ist eine würdevolle Begleitung nicht möglich.“

Noch dramatischer sei die Situation für die 345.000 Sterbenden in Pflegeheimen, so Brysch. Denn hier sei das Missverhältnis von Pflegekraft zu Bewohnern noch größer. An der Hand eines Menschen zu sterben und Hospizarbeit zu erleben, sei für die meisten Heimbewohner Illusion.

Der Gesetzgeber setze darauf, viele Lücken durch Ehrenamtliche zu schließen. Wie das mit rund 40.000 freiwilligen Helfern möglich sein soll, sage er aber nicht. Aktuell leisteten sie bereits 50.000 Sterbebegleitungen im Jahr. Das sei eine wertvolle Hilfe für die 5,4 Prozent der Sterbenden und ihre Angehörigen, die damit erreicht würden. Und „es ist gut, dass jetzt jeder ehrenamtliche Hospizdienst je Sterbebegleitung bis zu 2100 Euro erhält“, unterstrich Brysch.

© dpa/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Seelenlang
am Sonntag, 22. Oktober 2017, 12:32

Es wird Zeit

Offenbar will unser Staat für seine sterbenden Bürger, die ihn mit aufgebaut haben, nicht mehr Geld zur Verfügung stellen. Sich einerseits auf das Ehrenamt zu verlassen, andererseits Defizite bewusst in Kauf zu nehmen, ist heuchlerisch. Wo bleiben die so oft herbei geredeten Werte? Es mangelt den gesetzgeberisch und finanziell Verantwortlichen an Empathie und an Nächstenliebe. Wenn sie sich doch in die Sterbenden hinein versetzen könnten ... Wie kann man seine (Groß)Elterngeneration so im Stich lassen? Als selbständiger Senioren- und Sterbebegleiter weiß ich aus eigener Erfahrung um die Probleme. Selbstverständlich sind viel mehr professionelle Sterbebegleitungsteams nötig. Natürlich müssen in den Pflegeheimen Bedingungen der Ruhe in vom Heimalltag abgeschirmten Bereichen, des schnellen Reagierenkönnens und Zeithabens für die sterbenden Menschen geschaffen werden. Es wird Zeit, dass die Stimmen, welche sich für ein würdevolles Sterben einsetzen, noch lauter werden. Herzlichst Uwe Ewald | www.seelenlang.de

Nachrichten zum Thema

05.12.17
Gesellschaft ist auf Ehrenamtler angewiesen
Olpe – Ehrenamtler erfüllen in Deutschland für die Gesellschaft wichtige Aufgaben. Das haben Bundesinnenministerium und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) anlässlich des heutigen „Internationalen Tags......
01.12.17
Symptomkontrolle bei Sterbenden ab sofort verordnungsfähig
Berlin – Um die pflegerische Versorgung sterbender Menschen in ihrer häuslichen Umgebung zu verbessern, dürfen Vertragsärzte für Palliativpatienten jetzt Symptomkontrollen verordnen. Darauf hat die......
17.11.17
Stationäres Kinder- und Jugendhospiz im Südwesten eröffnet
Stuttgart – Familien schwerst kranker Kinder haben eine neue Anlaufstelle: In Stuttgart öffnet das erste stationäre Kinder- und Jugendhospiz Baden-Württembergs. „Für Familien ist es ein Ort zum Atem......
02.11.17
Berufliche Sterbebegleitung belastet
Gießen – Die Betreuung und Begleitung Sterbender ist enorm belastend, bietet aber auch Chancen zur individuellen Entwicklung. Das ist das Ergebnis einer Studie der TransMIT-Versorgungsforschung in......
30.10.17
Hartmannbund sieht Palliativversorgung in Westfalen-Lippe als Vorreiter
Berlin – Der Landesverband Westfalen-Lippe des Hartmannbundes (HB) hat die patientennahe Palliativversorgung in Westfalen-Lippe gelobt. Hintergrund ist ein Palliativvertrag, den die Kassenärztliche......
16.10.17
Mehr Aufklärung über Hospizangebote notwendig
Dresden – Sterben und Tod dürfen nach Ansicht von Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) nicht länger Tabuthemen sein. Darüber müsse gesprochen, aufgeklärt und die Angebote der Hospizarbeit......
16.10.17
Empfehlungen zum Umgang mit implantierbaren Kardiovertern und Defibrillatoren am Lebensende
Berlin – Patienten mit Herzrhythmusstörungen können von implantierbaren Kardiovertern/Defibrillatoren (ICDs) profitieren. Die Geräte bieten die Chance auf zusätzliche Lebensjahre und mehr......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige