NewsMedizinErnährung: Linolsäure aus pflanzlichen Ölen könnte Typ-2-Diabetes vorbeugen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ernährung: Linolsäure aus pflanzlichen Ölen könnte Typ-2-Diabetes vorbeugen

Freitag, 13. Oktober 2017

Viele Öle enthalten Linolsäure /dpa

Sydney – Eine Diät mit einem hohen Gehalt an Linolsäure, die als Omega-6-Fettsäure vor allem in pflanzlichen Ölen enthalten ist, könnte vor einem Typ-2-Diabetes schützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in Lancet Diabetes & Endocrinology (2017; doi: 10.1016/S2213-8587(17)30307-8), die gleichzeitig keine Hinweise für eine schädlichen Einfluss der Arachidonsäure fand, die im Körper aus Linolsäure gebildet wird.

Linolsäure gehört zu den häufigsten pflanzlichen Fetten. In vielen Speiseölen liegt der Anteil bei mehr als 50 Prozent. Die Zufuhr über die Nahrung ist wichtig, weil der Körper Linolsäure nicht selbst synthetisieren kann, es aber für die Produktion wichtiger Substanzen wie etwa der Arachidonsäure benötigt.

Anzeige

Da Linolsäure den Cholesterinwert senkt, wird vor allem von Seiten der Kardiologen zu einer hohen Zufuhr geraten. Die meisten Leitlinien empfehlen der Bevölkerung, zwischen 5 und 10 Prozent der Kalorien über Linolsäure aufzunehmen.

Es gibt jedoch kritische Stimmen, die vor Linolsäure warnen. Die vermehrte Bildung von Arachidonsäure könnte Entzündungsreaktionen im Körper anfeuern und dadurch die Atherosklerose fördern.

Dieses Für und Wider betrifft auch den Einfluss von Linolsäure auf die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Zum einen könnte Linolsäure, das in die Zellmembranen eingebaut wird, den insulinabhängigen Transport von Glukose fördern. In Studien wurden günstige Auswirkungen auf den Blutzucker gefunden. Ob dies aber langfristig vor einem Typ-2-Diabetes schützt, ist bisher nicht belegt. Zum anderen könnte sich auch hier der zusätzliche Anfall von Arachidonsäure negativ auswirken. 

Idealerweise würde die Frage durch randomisierte kontrollierte Studien geklärt. Solche Unternehmungen sind im Bereich der Ernährung jedoch selten. Immerhin konnte einer der wenigen Projekte, die PREDIMED-Studie, zeigen, dass eine mediterrane Diät, die einen hohen Gehalt von ungesättigten Fettsäuren hat, das Erkrankungsrisiko am Typ-2-Diabetes deutlich senken kann. 

Welchen Anteil Linolsäure daran hat, ist jedoch unklar (das in der mediterranen Küche bevorzugte Olivenöl hat einen relativ geringen Gehalt an Linolsäure).

Jason Wu vom George Institute for Global Health in Sydney und Mitarbeiter haben jetzt in einer Meta-Analyse die Daten von 20 prospektiven Kohortenstudien aus zehn Ländern (darunter Deutschland) ausgewertet, in denen Biomarker von Linolsäure und Arachidonsäure mit späteren Neuerkrankungen am Typ-2-Diabetes in Beziehung gesetzt wurden.

Von den 39.740 Teilnehmern – Erwachsene im Alter zwischen 49 und 76 Jahren mit einem Body-Mass-Index zwischen 23,3 und 28,4 kg/m2 – erkrankten in 366.073 Personenjahren 4.347 an einem Typ-2-Diabetes. Aufgrund dieser großen Zahlenbasis konnte Wu für beide Fettsäuren signifikante Assoziationen ermitteln.

Teilnehmer im Quintil mit der höchsten Konzentration der Linolsäure-Biomarker erkrankten zu 35 Prozent seltener an einem Typ-2-Diabetes als Teilnehmer im unteren Quintil. Die Risk Ratio 0,65 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,60 bis 0,72 hoch signifikant. Das ist für Gabriele Riccardi von der Universität Federico II in Neapel ein eindeutiges Ergebnis, das auf eine ausgeprägte Schutzwirkung von Linolsäure hinweist.

Die Ernährungsexpertin schätzt, dass eine Portion Nüsse oder ein Löffel Sonnen­blumen- oder Maisöl pro Tag ausreichen könnten, um diese Schutzwirkung zu erzielen. Dies sollte jetzt in einer randomisierten kontrollierten Interventionsstudie untersucht werden, fordert die Editorialistin. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, dann wäre Linolsäure eine der wenigen Substanzen, die – neben oder zusätzlich zu einer gesunden Ernährung – die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes verhindern könnten.

Ob die Therapie verträglich und ohne Risiken wäre, müsste ebenfalls in einer Interventionsstudie geklärt werden. Die Meta-Analyse von Wu liefert keine Hinweise, dass die vermehrte Bildung von Arachidonsäure die protektive Wirkung gefährden könnte. Die Konzentration der Arachidonsäure-Biomarker war nicht mit dem Typ-2-Diabetes-Risiko assoziiert. Die Risk Ratio von 0,96 für das obere Quartil war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,88 bis 1,05 nicht signifikant, was weitgehend ausschließt, dass ein Risiko übersehen wurde. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2018
Berlin – Mehr als jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ ist überzuckert – obwohl viele Hersteller und Händler angekündigt haben, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken. Das ist das Ergebnis einer
Marktstudie: Anteil überzuckerter Getränke trotz Herstellerankündigungen unverändert hoch
21. September 2018
Paris – Für die Lebensmittelkennzeichnung auf der Vorderseite der Packung gibt es verschiedene Modelle. Forscher aus Frankreich haben vier davon verglichen. Am besten konnten Verbraucher die
Nutriscore sorgt für gesündere Kaufentscheidung als Ampelkennzeichnung
20. September 2018
Kopenhagen – Ein hoher Glutengehalt der Nahrung von Frauen während der Schwangerschaft war in einer prospektiven Kohortenstudie mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko des Kindes an einem Typ-1-Diabetes
Glutenhaltige Kost in der Schwangerschaft könnte Typ-1-Diabetes beim Kind fördern
19. September 2018
Athen – Griechische Senioren, die sich an die klassische mediterrane Kost hielten, waren in einer Querschnittstudie in Geriatrics and Gerontology International (2018; doi: 10.1111/ggi.13521)
Mediterrane Diät kann den Schlaf verbessern
18. September 2018
Berlin – Gleich drei Verbände verkündeten heute in Berlin ihren Ausstieg aus der Plattform Ernährung und Bewegung (PEB). Zu groß war die Differenz der Interessen, die Verbände und Industrie im
Mehrere Verbände beenden Mitgliedschaft in der Plattform Ernährung und Bewegung
13. September 2018
Berlin – Ein neues Zentrum zum Thema „weltweite Gesundheitsversorgung“ hat die Charité – Universitätsmedizin Berlin gegründet. „Mit ‚Charité Global Health‘ bauen wir unsere internationale Expertise
Neues Zentrum für globale Gesundheit in Berlin
12. September 2018
Chicago – Ein unbehandelter Gestationsdiabetes gefährdet die Gesundheit von Mutter und Kind nicht nur während der Schwangerschaft. Eine Langzeituntersuchung im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018;
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER