NewsÄrzteschaftNotfallversorgung: Projekte in Hessen und Thüringen gestartet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Notfallversorgung: Projekte in Hessen und Thüringen gestartet

Freitag, 13. Oktober 2017

/Tyler Olson, stock.adobe.com

Frankfurt am Main – Kurze Wege, engere Zusammenarbeit und passgenauere Versorgung von Notfallpatienten soll ein hessisches Modellprojekt ermöglichen, das am Klinikum Frankfurt Höchst läuft. Auch in Thüringen startet ein Projekt „Ärztliche Notdienstkooperation“.

„Schwerwiegende Notfälle können unmittelbar vom Klinikarzt versorgt werden, während ,Tür an Tür' der ambulante Bereitschaftsdienst die Behandlung leichterer Erkrankungen übernimmt“, beschrieb der hessische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Stefan Grüttner (CDU) heute die Arbeit des neuen integrierten Notfallzentrums am Klinikum Frankfurt Höchst. Das Ministerium fördert das Projekt über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Anzeige

50.000 Patienten

Das gemeinsame Projekt des Ministeriums, der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und des Klinikums wendet sich an Patienten aus dem Frankfurter Westen, die außerhalb der Öffnungszeiten ihrer Arztpraxis dringend medizinische Hilfe benötigen. Es soll laut Grüttner helfen, bestehende Grenzen zwischen den einzelnen Versorgungs­bereichen zu überwinden – nicht zuletzt durch eine gemeinsame Anmeldung für alle Notfallpatienten. Entsprechend des Krankheitsbildes werden Patienten von der Anmeldung entweder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder zur zentralen Notaufnahme des Klinikums weitergeleitet, hieß es. Bisher suchten den Angaben zufolge jährlich rund 50.000 Patienten die Zentrale Notaufnahme des Höchster Klinikums auf.

In Sömmerda, Sondershausen und Bad Frankenhausen in Thüringen organisieren die örtlichen DRK-Klinken und die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen die Versorgung von Notfallpatienten ebenfalls ab sofort gemeinsam. Die neue Kooperationsform wendet sich ebenso an Patienten, die bei akuten Erkrankungen ins Krankenhaus gehen.

Angebote im Bereitschaftsdienst sollen bekannter werden

Berlin – Hausbesuche, Fahrdienst oder die Organisation von Bereitschaftsdienstpraxen: Die 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) in Deutschland haben am „Tag des Bereitschaftsdienstes“ auf ihr Versorgungangebot der Haus- und Fachärzte außerhalb der regulären Sprechzeiten hingewiesen. „Die Versorgung unserer Patienten im Bereitschaftsdienst gehört zum Sicherstellungsauftrag der KVen und sowieso zum

„Diese Patienten erhalten hier zunächst eine Ersteinschätzung“, sagte der Leitende Oberarzt der Zentralen Notaufnahmen der DRK-Krankenhäuser in Thüringen, Axel Pleßmann. Medizinisches Fachpersonal ermittele nach medizinischen Gesichtspunkten, ob es sich wirklich um einen Notfall handele oder einfach um eine akute Erkrankung. „Auf dieser Grundlage können wir dann entscheiden, ob der Patient in der Notauf­nahme behandelt werden muss oder einfach zum Arzt gehen kann bzw., wenn die Praxen gewöhnlich geschlossen sind, zum ärztlichen Notdienst“, sagte er.

Die 1. Vorsitzende des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Annette Rommel, verwies auf die wachsende Zahl an Patienten in Thüringen, die, wenn sie krank sind, nicht zum Arzt, sondern direkt in die Notaufnahme eines Krankenhauses gehen. „Wir wollen dieses Verhalten nicht bewerten. Wir wollen diesen Patienten in ihrer Situation helfen und zwar dort, wo ihnen am besten geholfen werden kann“, sagte sie. Damit solle auch sichergestellt werden, dass sich die Notaufnahmen wieder auf die Fälle konzentrieren könnten, für die sie wirklich da seien. Dies seien Unfälle, lebensbedrohliche Erkrankungen und Patienten, die im Rettungswagen gebracht würden.

Der Gesetzgeber fordert im Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) unter anderem die Kooperation von Kliniken und ambulant tätigen Ärzten bei der ambulanten Versorgung von Notfallpatienten. Er fordert die Einrichtung von Portalpraxen – das sind laut Gesetz Sprechstunden des Ärztlichen Notdienstes der Kassenärztlichen Vereinigungen auf dem Gelände von Krankenhäusern.

Der ärztliche Notdienst in Thüringen versorgt Patienten mit akuten Erkrankungen zu den Zeiten, zu denen die Praxen für gewöhnlich geschlossen sind, also abends, nachts, an Wochenenden, Feiertagen und Brückentagen. Mittwochs und freitags ist der Notdienst bereits ab 13 Uhr eingerichtet. Unter der bundesweiten kostenfreien Rufnummer 116117 erfahren Patienten, wo sie die nächste Notdienst-Sprechstunde finden.

© dpa/may/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. September 2018
Frankfurt am Main – Das im Oktober letzten Jahres gestartete Modellprojekt der koordinierten Inanspruchnahme stationärer und ambulanter Notfallbehandlung am Klinikum Frankfurt-Höchst hat sich aus
Das Triagemodell der Klinik Frankfurt-Höchst bringt deutliche Entlastung
17. August 2018
Bochum – Die Jungen Liberalen (JuLi) setzen sich für eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes ein, sodass die Möglichkeit einer Notfall-SMS für Menschen mit eingeschränkter Sprechfähigkeit
Junge Liberale wollen Notruf per SMS für Menschen mit Sprachbehinderung
10. August 2018
Weimar – Thüringen will die Zahl seiner Rettungsleitstellen deutlich reduzieren. Ein gestern in Weimar vorgestelltes Gutachten im Auftrag des Innenministerium empfiehlt, statt der bisherigen 13 nur
Rettungsleitstellen in Thüringen sollen reduziert werden
7. August 2018
Berlin – Forderungen für eine sinnvolle Digitalisierung der Notfallmedizin in Deutschland haben die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche
Fachgesellschaften legen Fünf-Punkte-Plan für Digitalisierung der Notfallversorgung vor
6. August 2018
Hamburg – Der neue Notfalldienst Arztruf Hamburg 116117 ist in Hamburg im Juni und Juli etwas weniger genutzt worden als beim Start im Mai. Doch das sei normal während des Sommers, erklärte Jochen
Neuer Notfalldienst in Hamburg etwas weniger genutzt
2. August 2018
Delmenhorst – Bei Hausbesuchen von Patienten könnte Telemedizin bald eine größere Rolle spielen. In Delmenhorst, Lemwerder und Ganderkesee in Niedersachsen wird derzeit getestet, ob der
Sanitäter übernehmen Bereitschaftsdienste in Niedersachsen
26. Juli 2018
Berlin – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin will die ambulante Notfallversorgung in der Hauptstadt verbessern. Dreh- und Angelpunkt soll dabei auch künftig die bundesweite Telefonnummer des
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER