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Politik

68 Schwerkranke fordern Medikament zur Selbsttötung

Montag, 16. Oktober 2017

/dpa

Hamburg – Das Thema Sterbehilfe wird auch die neue Bundesregierung weiter beschäftigen: 68 Patienten hätten beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizin­produkte (BfArm) einen Antrag zum Erwerb eines todbringenden Medikaments eingereicht, berichtete der Spiegel.

Die Antragsteller berufen sich den Angaben zufolge auf ein Urteil des Bundes­verwaltungsgerichts von Anfang März, nach dem unheilbar Kranke in Ausnahmefällen Anspruch auf eine Substanz zur Selbsttötung haben. In der Begründung der Leipziger Richter hieß es, dass „der Erwerb eines Betäubungsmittels für eine Selbsttötung mit dem Zweck des Gesetzes ausnahmsweise vereinbar ist, wenn sich der suizidwillige Erwerber wegen einer schweren und unheilbaren Erkrankung in einer extremen Notlage befindet“.

In der Politik, bei Ärzten und Patientenschützern war der Richterspruch auf Kritik gestoßen. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) hatte angekündigt, „den Tabubruch staatlicher Selbsttötungshilfe“ verhindern zu wollen. Das Ministerium will zunächst ein Gutachten abwarten, das der Verfassungsexperte Udo Di Fabio im Auftrag des BfArm erstellt. Auch das Gröhe unterstellte Bundesinstitut erklärte, wegen der „besonderen Tragweite des Urteils“ zuvor nicht über die Anträge zu entscheiden.

Erst 2015 hatte der Bundestag eine Verschärfung des geltenden Rechts beschlossen, um die geschäftsmäßige Sterbehilfe unter Strafe zu stellen. © kna/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Montag, 16. Oktober 2017, 23:09

Selbstverschuldetes Dilemma

Ohne Not hat sich der Gesetzgeber hier auf Druck der christlichen Fundamentalisten in der Bundesregierung und unter besonderer Mitwirkung des Präsidenten der Bundesärztekammer in einen Lebensbereich eingemischt, der jahrzehntelang gut ohne staatliche Einmischung funktioniert hat und in dem die Bundesregierung weder die moralische noch die fachliche Kompetenz besitzt: die Selbstbestimmung am Lebensende.

Ich erinnere mich noch an die Diskussionen über den kleinen aber feinen Unterschied zwischen erwerbsmäßiger oder geschäftsmäßiger Suizidbeihilfe. Nun ist genau das eingetreten, was damals zu befürchten war, den wirklich wenigen Menschen, denen die Medizin keine Linderung bringen kann, wird die Umsetzbarkeit ihres Selbstbestimmungsrechts in der Praxis verwehrt. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat das Problem erkannt, auch wenn ich persönlich die Lösung für falsch halte. Statt den Staat zur Beihilfe zu verpflichten gehört das auslösende Gesetz in den Reißwolf. Gegen einen Hirtenbrief, der auf die Konsequenzen einer Selbsttötung für den Gläubigen hinweist, hat sicher niemand etwas einzuwenden. Mit dem aktuellen Gesetz werden aber auch alle anderen Bürger des Staates in die Geiselhaft einer christlichen Ethik genommen.

Der §217 gehört genauso wie der §103 oder der §166 auf den Müllhaufen der Geschichte, hier wird nicht Recht gesprochen sondern eine Ideologie zementiert.
praxis@blumenstein.de
am Montag, 16. Oktober 2017, 21:08

Einmal nachdenken

Ein Neurologe/Psychiater vor Ort wollte nicht eingreifen: Eine fast völlig blinde Patientin, extrem schwerhörig, mit schwersten Arthrosen an Hüft- und Kniegelenken wollte sich im Altenheim vom Balkon stürzen... Sie war nicht psychiatrisch krank, hatte vom Leben nur noch Schmerzen. Es kam ein Kollege. Die Patientin vegetierte noch Jahre vor sich hin.
Wie erbarmungslos sind wir? Wann lohnt es sich, auch agressiv um das Leben zu kämpfen?

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