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Medizin

Welche Gene (und welcher Lebensstil) die Lebensdauer bestimmen

Montag, 16. Oktober 2017

/dpa

Edinburgh – Eine genomweite Assoziationsstudie findet Varianten in sieben Genen, die die Lebenserwartung des Menschen beeinflussen. Größere Auswirkungen hatten laut der Publikation in Nature Communications (2017; doi: 10.1038/s41467-017-00934-5) jedoch modifizierbare Risikofaktoren wie Rauchen, Blutdruck oder Übergewicht. Auch Bildung kann zu einem längerem Leben verhelfen.

Forscher schätzen, dass etwa ein Viertel der Lebenserwartung in den Genen festgelegt ist. Bislang wurden jedoch erst wenige Gene identifiziert, die die Lebensspanne beein­flussen. Ein Team um Peter Joshi vom Usher Institute an der Universität Edinburgh hat jetzt in einer genomweiten Assoziationsstudie nach weiteren Risikogenen gesucht. Sein Ausgangsmaterial lieferte die UK Biobank, die das Erbgut von mehr als einer halben Million Briten mit Microassays gescannt hat.

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Da die Nachbeobachtungszeit der Teilnehmer noch relativ gering ist, konnte Joshi den Einfluss der Gene auf die Lebenserwartung nicht direkt untersuchen. Ein Vergleich der Gene mit der Lebenserwartung der Eltern erlaubt jedoch eine erste Annäherung.

Die Forscher fanden bei der ersten Auswertung Varianten in vier Genen, die die Lebensspanne (eines Elternteils) beeinflussten. Dies waren HLA-DQA1/DRB1, LPA, APOE und CHRNA3/5.

Die Variante rs34831921 in HLA-DQA1/DRB1 verlängerte das Leben um um etwa sieben Monate. HLA-DQA1/DRB1 kodiert Proteine, die für die Antigen-Präsentation durch das Immunsystem benötigt werden. Varianten haben vor allem Einfluss auf die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis, rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose und Typ 1-Diabetes. Die Variante rs34831921 scheint hier eine gewisse Schutzfunktion zu haben, vielleicht weil sie die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen vermeidet.

LPA enthält die Information für das Lipoprotein A, das Cholesterin und Triglyzeride im Blut transportiert. Die Variante rs55730499, die das Leben um achteinhalb Monate verkürzt, könnte die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern.

Ähnliches gilt auch für die Variante rs429358, die sich im Gen APOE befindet. APOE kodiert das Apolipoprotein E (ApoE), das als Bestandteil von Lipoproteinen eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel hat. Die Variante rs429358 verkürzt das Leben um 11 Monate.

CHRNA3/5 kodiert Teile des nikotinergen Acetylcholinrezeptors. Die Variante „rs8042849“ könnte Menschen anfälliger für eine Tabaksucht machen. Tatsächlich fanden die Forscher eine Assoziation mit dem Rauchverhalten, Lungenkrebs, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung („Raucherhusten“) und interessanterweise der Schizophrenie (deren Patienten häufig zu den starken Rauchern gehören).

Im nächsten Schritt haben die Forscher versucht, elf in früheren Studien gefundene Risikogene zu bestätigen. Dies gelang in drei Fällen: CDKN2A/B, SH2B3 und FOXO3A.

CDKN2A/B enthält die Informationen für ein Protein, das den Zellzyklus steuert. Varianten wurden mit Krebserkrankungen, aber auch mit der Entwicklung einer Koronaren Herzkrankheit in Verbindung gebracht. 

Das Gen SH2B3 wird vor allem im blutbildenden Gewebe im Knochenmark exprimiert. Es könnte über eine gesteigerte Thrombose-Neigung die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen. 

FOXO3A ist ein Transkriptionsfaktor, der in früheren Untersuchungen mit einer extrem langen Lebenserwartung in Verbindung gebracht wurde. Die Variante rs3800231 war denn auch in der aktuellen Studie nur bei älteren Menschen (über 75 Jahre) mit einer höheren Lebenserwartung assoziiert. Bei jüngeren Menschen scheint der Einfluss neutral, wenn nicht sogar negativ zu sein.

Während die genetischen Risiken die Lebenserwartung in der Regel nur um wenige Monate veränderten, war der Einfluss des Lebensstils sehr viel größer: Ein Wechsel von der 25. auf die 75. Perzentile war bei den gerauchten Zigaretten mit einem Rückgang der Lebenserwartung um 5,3 Jahre verbunden. Beim systolischen Blutdruck betrug der Verlust 5,2 Jahre, beim Nüchtern-Insulin (sprich Blutzucker) 4,1 Jahre und beim Body-Mass-Index 3,8 Jahre. Für das Körpergewicht bedeutet dies: Jedes Kilo weniger bringt zwei zusätzliche Lebensmonate. Beim Rauchen raubt jede Packung am Tag über die Jahre etwa 7 Jahre Lebenszeit.

Auch Bildung zählt: Jedes zusätzliche Jahr an der Universität wurde mit elf Monaten länger in Rente belohnt, wobei nicht das Wissen an sich das Leben verlängert, sondern vermutlich die damit verbundene gesündere Lebensweise. Möglich bleibt natürlich auch, dass Menschen mit einem besseren genetischen Background es eher bis zur Uni schaffen. © rme/aerzteblatt.de

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