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Medizin

Entzündliche Darm­er­krank­ungen in Schwellenländern immer häufiger

Dienstag, 17. Oktober 2017

/Juan Gärtner, stock.adobe.com

Hongkong – Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, die lange Zeit als rein „westliche“ Erkrankungen betrachtet wurden, sind in den vergangenen Jahren in neu industrialisierten Ländern deutlich häufiger geworden, wie eine Untersuchung im Lancet (doi: 10.1016/S0140-6736(17)32448-0) zeigt.

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind relativ neue Erkrankungen. Die Colitis ulcerosa wurde erstmals 1875 beschrieben. Die erste Studie zum Morbus Crohn datiert aus dem Jahr 1932. In der Nachkriegszeit sind beide Erkrankung vor allem in den hochentwickelten Ländern Europas und in Nordamerika häufig geworden.

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Viele weiße Flecken

Die höchste Prävalenz der Colitis ulcerosa hat Norwegen. Dort kommen auf 100.000 Einwohner 505 Erkrankungen. Morbus Crohn ist in Deutschland mit 322 Erkrankungen auf 100.000 Einwohner am häufigsten. In Nordamerika erkranken in den USA mit 286 Menschen auf 100.000 Einwohnern mehr Menschen an einer Colitis ulcerosa als in Kanada. Dort ist der Morbus Crohn mit 319 Erkrankungen auf 100.000 häufiger. 

Diese Zahlen haben Siew Ng von der Universität Hongkong und Mitarbeiter zusammengetragen. Das Team stellt erstmals eine Weltkarte der entzündlichen Darm­er­krank­ungen vor, in der allerdings die weißen Flecken noch überwiegen.

Nicht nur in Afrika, sondern auch in Zentralasien und Lateinamerika ist wenig über Inzidenz und Prävalenz entzündlicher Darm­er­krank­ungen bekannt. Dies kann, muss aber nicht daran liegen, dass in ärmeren Ländern nur wenige Menschen an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa leiden. Die fehlende Erfassung der Erkrankung, aber auch mangelnde Behandlungsmöglichkeiten könnten ebenfalls eine Rolle spielen.

Auffällig ist, dass die Erkrankungshäufigkeit parallel mit der ökonomischen Entwicklung der Länder zunimmt. So ist es zum Beispiel in Brasilien seit 1990 jährlich zu einem Anstieg der Erkrankungen um 11 Prozent beim und um 15 Prozent bei der Colitis ulcerosa gekommen. Taiwan verzeichnete eine jährliche Steigerung um 4 Prozent beziehungsweise 5 Prozent. In Südkorea ist die Prävalenz stabil geblieben mit der Ausnahme der Region Seoul, wo es zu einem deutlichen Anstieg gekommen ist.

Die Studie von Ng kann nicht klären, worauf der Anstieg zurückzuführen ist. Die meisten Experten bringen die Erkrankungen, deren Ursache bisher nicht geklärt werden konnte, mit Veränderungen der Darmflora in Verbindung. Ein Faktor könnte das Fehlen von infektiösen Darm­er­krank­ungen sein. Parasitosen sind in westlichen Ländern sehr selten geworden. Einen wesentlichen Einfluss scheint der häufige Einsatz von Antibiotika in den ersten Lebensjahren zu haben. Epidemiologische Untersuchungen aus Dänemark und Großbritannien weisen auf ein bis zu siebenfach erhöhtes Krankheitsrisiko hin. Allerdings erkrankten in beiden Studien auch Personen, die keine Antibiotika erhalten hatten. © rme/aerzteblatt.de

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