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Medizin

Kalte Handschuhe und Socken schützen Krebspatienten vor Neuropathie

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Kyoto – Die gezielte Abkühlung von Händen und Füßen während der Therapie kann verhindern, dass Patienten nach einer Chemotherapie eine periphere Neuropathie entwickeln. Dies zeigt eine randomisierte Studie aus Japan im Journal of the National Cancer Institute (2017; 110: djx178).

Nach einer Chemotherapie, vor allem beim Einsatz von Taxanen oder Platin­ver­bindungen, klagen viele Patienten über Schmerzen, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder eine vermehrte Kälteempfindlichkeit an Händen und Füßen. Diese Chemotherapie induzierte periphere Neuropathie (CIPN), die auf einer Schädigung der Nervenfasern durch die Zytostatika zurückzuführen ist, kann permanent sein und die Lebensqualität der Patienten einschränken.

Hände im Vergleich

Die Kryotherapie versucht die Schädigung der Nervenfasern zu verhindern, indem sie die Durchblutung durch einen Kältereiz vermindert. Die Behandlung ist einfach, aber kaum durch Studien untersucht.

Ein Team um Hiroshi Ishiguro von der Universität Kyoto bat 36 Patientinnen, die zur Behandlung ihres Mammakarzinoms wöchentlich mit Paclitaxel in der Dosis von 80 mg/m2 behandelt wurden, 15 Minuten vor der 60-minütigen Infusion auf der einen Seite einen gefrorenen Handschuh und eine gefrorene Socke anzuziehen und sie erst 15 Minuten nach dem Ende der Infusion wieder abzulegen. Die andere Seite diente als Vergleich. Primärer Endpunkt war der Nachweis einer verminderten Berührungs­empfindlichkeit, die mit einem Monofilament (nach Semmes-Weinstein) überprüft wurde.

Die Ergebnisse waren eindeutig und trotz der geringen Teilnehmerzahl der Studie statistisch signifikant. Auf der behandelten Hand wurde bei 27,8 Prozent der Patientinnen eine verminderte Berührungsempfindlichkeit nachgewiesen, auf der unbehandelten Hand waren es 80,6 Prozent. Dies ergab eine Odds Ratio (OR) von 20,00 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 3,20 bis 828,96. Bei den Füßen fiel der Berührungstest bei 25,0 versus 63,9 Prozent positiv aus (OR unendlich; 3,32 bis unendlich).

Störungen der Wärmeempfindlichkeit waren an den behandelten Händen (8,8 versus 32,4 Prozent) und Füßen (33,4 versus 57,6 Prozent) ebenfalls seltener, und die Patientinnen klagten seltener über störende Symptome an Händen (2,8 versus 41,7 Prozent) und Füßen (2,8 versus 36,1 Prozent).

Die Kryotherapie wurde von den meisten Patientinnen gut vertragen, berichtet Ishiguro. Zwar klagten 8,2 Prozent über Schmerzen, 0,4 Prozent über sensible Anomalien und 4,2 Prozent über eine unangenehme Kälte. Doch keine Patientin habe die Handschuhe oder Socken deswegen vorzeitig ausgezogen. Die Kyrotherapie ist für Ishiguro deshalb eine einfache, sichere und effektive Behandlung  zur Prävention der CIPN.

© rme/aerzteblatt.de

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