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Medizin

Usutu-Virus in österreichischen Blutspenden aufgetaucht

Dienstag, 17. Oktober 2017

/dpa

Wien – In Österreich ist in diesem Sommer bei sieben Blutspenden ein Gentest auf das West-Nil-Virus positiv ausgefallen. Die nähere Untersuchung in Emerging Microbes & Infections (2017; 22: pii=17-00644) ergab, dass sechs Spender mit dem verwandten Usutu-Virus infiziert waren, das seit dem vergangenen Jahr wieder vermehrt bei Vögeln aufgetreten ist, wo es für ein „Amselsterben“ verantwortlich ist. Das Virus könnte für Empfänger von Blutspenden mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden.

Das Usutu-Virus wurde erstmals 1959 in Swasiland im südlichen Afrika bei einer systematischen Suche nach Viren in Arthropoden entdeckt. Die Mücken übertragen das Virus auf Vögel, für die eine Infektion tödlich sein kann. Mit Zugvögeln ist das Virus nach Europa gelangt. In Österreich kam es 2001 erstmals zum „Amselsterben“, das später auch in anderen europäischen Ländern beobachtet wurde. Neben den Amseln verendeten damals auch andere Singvögel.

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Infektion durch Mücken

Nachdem die Epidemie 2005 abebbte, sind in den vergangenen beiden Jahren wieder vermehrt Erkrankungen bei Tieren beobachtet worden – nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen europäischen Ländern, darunter auch in Deutschland. Im vergangenen Jahr starben in den Benelux-Staaten und den angrenzenden Regionen in Deutschland viele Vögel. Die Uniklinik der RWTH Aachen testete daraufhin 13.023 Blutspenden auf die RNA des Usutu-Virus, wobei tatsächlich eine positive Probe gefunden wurde. Die Blutspenderin hatte Deutschland zuvor nicht verlassen, aber über zahlreiche Mückenstiche berichtet. Die Infektion war für sie völlig symptomfrei verlaufen.

In Österreich werden seit 2014 alle Blutspenden aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland auf RNA des West Nil-Virus untersucht (das dort endemisch ist). Nachdem es im vergangenen Jahr einen positiven Befund gegeben hat, testeten in diesem Jahr gleich sieben Personen positiv. 

Wie ein Team um Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen Universität berichtet, zeigte die nähere Untersuchung, dass sechs der sieben Blutspenden nicht mit dem West-Nil-Virus, sondern mit dem Usutu-Virus kontaminiert waren. Beide Viren sind eng verwandt. Es handelt sich um Flaviviren, die nachweislich auch beim Menschen Erkrankungen auslösen. Sie gehören zur gleichen Gruppe wie das Japanische-Enzephalitis-Virus, das in Ostasien jährlich zu 30.000 bis 50.000 Erkrankungen führen soll. 

Das Usutu-Virus ist vermutlich das harmloseste der drei Viren. Üblicherweise verläuft eine Infektion ohne Symptome. Gelegentlich können Fieber und ein Hautausschlag auftreten. Neurologische Symptome und schwere Krankheitsverläufe sind beim Menschen extrem selten – aber nicht ausgeschlossen. 2009 wurden in Italien zwei schwere neurologische Erkrankungen auf das Virus zurückgeführt. Beide Patienten waren stark immungeschwächt. Einer war wegen einer Lebertransplantation mit Immunsuppressiva behandelt worden, der andere litt an einem B-Zell-Lymphom.

Für gesunde Menschen bedeutet das Virus nach einhelliger Meinung der Experten keinerlei Gefahr. Anders ist dies bei Personen mit geschwächtem Immunsystem, die aufgrund ihrer Grunderkrankung häufig zum Empfänger von Blutspenden werden. Nowotny hält es nicht für ausgeschlossen, dass die Zahl der positiven Blutspenden ansteigen könnte. Für dieses Jahr scheint allerdings die Gefahr gebannt. Die letzte positive Blutspende wurde am 25. August abgegeben. Die Blutspendedienste dürften allerdings die Entwicklung der Epidemie im Auge behalten. Dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) waren in diesem Jahr bis Anfang September 650 verendete Tiere bekannt. © rme/aerzteblatt.de

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