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Ausland

Arme Mädchen bringen dreimal mehr Kinder zur Welt

Dienstag, 17. Oktober 2017

/dpa

Berlin – Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren der ärmsten 20 Prozent der Haushalte, die oft in ländlichen Gebieten leben, bringen in Entwicklungsländern etwa dreimal so viele Kinder zur Welt wie Mädchen aus den reichsten 20 Prozent der Haushalte. Das geht aus dem heute in Berlin vorgestellten Weltbevölkerungsbericht „Gespaltene Welt - Reproduktive Gesundheit und Rechte in Zeiten der Ungleichheit“ des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hervor.

Demnach werden in Entwicklungsländern jedes Jahr etwa 89 Millionen Frauen und Mädchen ungewollt schwanger. Die Zahl der Abtreibungen schätzen die Experten in diesen Staaten auf 48 Millionen pro Jahr. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) nahm angesichts dieser Zahlen die Religionen in die Pflicht. Sie stünden in der Verantwortung, in ihren Vorgaben zur Familienplanung das Wohl aller zu bedenken. Die Achtung der Frau sei ein zentrales Thema, zugleich müssten die Männer und Jungen mit in die Verantwortung genommen werden.

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Wachstum ist Zeitbombe

Müller nannte die wachsende Weltbevölkerung eine „Zeitbombe“. Zwei Drittel des Wachstums erfolge in Entwicklungsländern und die Menschen benötigten nicht nur Nahrung, sondern auch Energie und andere Ressourcen. Der Minister bekräftigte, dass Aufklärung – auch durch neue digitale Formate – und Bildung entscheidend seien, um die Geburtenrate zu senken. Primärbildung senke die Schwangerschaften pro Frau um etwa 13 Prozent, eine weiterführende Bildung um 42 Prozent.

Müller erinnerte die Verantwortlichen der künftigen Regierungsparteien zudem „an ihre Versprechungen im Rahmen des Wahlkampfes“. „Das sind keine Randthemen, sondern das sind globale Herausforderungen, auf die wir antworten müssen“, sagte er. Deutschland wolle seine Verantwortung für die Menschen in den Entwicklungsländern aus humanitären Gründen wahrnehmen. Er betonte gleichzeitig, „wir haben auch ein Eigeninteresse“.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass in den Entwicklungsländern 43 Prozent aller Schwangerschaften ungeplant sind. Vor fünf Jahren lag der Anteil bei 41 Prozent. Die USA hatten nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump Gelder für internationale Organisationen gekürzt, die im Rahmen der Familienplanung auch über Abtreibungen informieren.

Die Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung, Renate Bähr, sagte, die Zahl der Abtreibungen werde durch diesen Schritt aber eher steigen als sinken, da vielen Frauen und Mädchen dadurch der Zugang zu Verhütung erschwert werde. Sie verwies auch darauf, dass die Bildungs- und Lebenschancen sinken würden, je früher eine Frau gebäre. Die Stiftung arbeite in den Projekten auch mit religiösen Gemeinschaften zusammen und mache vor Ort durchaus gute Erfahrungen. „Das Problem ist oft die offizielle Kirche“, sagte Bähr vor allem mit Blick auf den katholischen Glauben.

© dpa/kna/aerzteblatt.de

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