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Medizin

Pseudomonas-Infek­tionen verändern Lungen-Mikro­biom bei zystischer Fibrose

Freitag, 20. Oktober 2017

Pseudomonas aeruginosa /dpa

Heidelberg – Eine Infektion mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa verändert das Mikrobiom in der Lunge von Patienten mit zystischer Fibrose. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Alexander Dalpke, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Abteilung medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Heidelberg, und Marcus Mall, Leiter des Mukoviszidose-Zentrums der Klinik, im European Respiratory Journal (2017; doi: 10.1183/13993003.01086-2017).

Die Forscher analysierten 392 Proben aus den Atemwegen von 71 Patienten – darunter auch Kleinkinder. Es zeigte sich, dass das Mikrobiom der Lunge aus mehr als 100 verschiedenen, von Patient zu Patient sehr unterschiedlichen Spezies bestehen kann.

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Die Forscher fragten sich, was zuerst besteht – ein gestörtes Mikrobiom, das Krank­heits­erregern Tür und Tor öffnet? Oder ob eine chronische Infektion mit bestimmten Bakterien dazu führt, dass eine normale Lebensgemeinschaft verdrängt wird? „Unsere Befunde zeigen, dass Mikrobiom-Veränderungen die Folge, nicht aber die Ursache einer Infektion mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa sind“, erläuterte Dalpke.

Bei Erstinfektionen könnte sich eine aggressive Therapie mit Antibiotika lohnen, um die Patienten nicht nur vor einer chronischen Infektion mit Pseudomonas zu schützen, sondern auch um weitere Mikrobiom-Veränderungen zu vermeiden, so die Wissen­schaftler. „Von zystischer Fibrose betroffene Kinder bleiben bei frühzeitiger Bekämp­fung einer Infektion länger Pseudomonas-frei und dies geht nach unseren Unter­suchungen mit geringeren Veränderungen des Lungenmikrobioms einher“, so Dalpke.

Unklar ist laut Arbeitsgruppe bislang, ob die Mikroorganismen, die im Laufe des Lebens aus den oberen Atemwegen die Lunge besiedeln, möglicherweise einen schützenden Effekt haben. „Möglicherweise sind Mikroorganismen dieser Gruppe, zu denen zum Beispiel Bakterien der Gattungen Neisseria, Veillonella und Prevotella gehören, sogar mit besseren Lungenfunktionen assoziiert. Dies wird zurzeit kontrovers diskutiert und wird Thema weiterer Forschungsarbeiten sein“, so Dalpke.

Bei Patienten mit zystische Fibrose ist der Schleim in den Bronchien zähflüssiger als bei gesunden Menschen. Das zähe Sekret kann vom Flimmerepithel nur schwer abtransportiert werden und stellt deshalb ein Nährmedium für verschiedene Mikroorganismen dar, zu denen auch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa gehört. Es führt bei den Betroffenen häufig zu einem schnelleren Verlust der Lungenfunktion. © hil/aerzteblatt.de

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