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Dialyse: Nephrologen mahnen zu detaillierter Patientenaufklärung

Mittwoch, 18. Oktober 2017

/dpa

Berlin – Fast ein Viertel der Patienten, die eine Nierenersatztherapie in einem Dialysezentrum erhalten, gibt an, dass die Entscheidung für dieses Verfahren vorrangig ihr Arzt getroffen hat. Das hat eine Befragung im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Coreth-Forschungsprojekts ergeben. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) weist daher auf die Bedeutung einer umfassenden Patienteninformation über alle Nierenersatzverfahren hin.

Neben der Transpantation stehen laut Fachgesellschaft bei endgradigem Nieren­versagen vor allem zwei sehr unterschiedliche Dialyseverfahren zur Verfügung: Die regelmäßige Hämodialyse in einem Dialysezentrum und die Peritoneal- oder Bauchfelldialyse, die der Patient selbstständig zu Hause durchführt. „Die Auswahl des Nierenersatzverfahrens stellt für Betroffene eine Entscheidung mit enormer Auswir­kung auf das weitere Leben dar“, betont die DGfN. Theoretisch könnte ein Drittel der Nierenkranken die Peritonealdialyse wählen. Tatsächlich geschieht dies laut Fachgesellschaft in Deutschland aber nur in etwa fünf Prozent der Fälle.

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Gemeinsame Entscheidung macht zufriedener

Das Coreth-Forschungsprojekt beschäftigte sich mit der Frage, welche psychosozialen und körperlichen Bedingungen die Zufriedenheit mit dem Dialyseverfahren beein­flussen und welche Rolle die Verständigung zwischen Arzt und Patient bei der Wahl des Dialyseverfahrens spielt. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler die Kosten bei den beiden Verfahren.

Auf die Frage nach dem Grund für die Entscheidung zur Peritonealdialyse gab die Mehrheit der Patienten an, dass sie dadurch selbstständiger und unabhängiger seien. Demgegenüber berichtete fast ein Viertel der Hämodialyse-Patienten, dass die Entscheidung vorrangig durch ihren Arzt getroffen worden sei. Viele entschieden sich auch für dieses Verfahren, weil sie Wert auf die medizinische Unterstützung im Dialysezentrum legten. Sowohl Hämodialyse- als auch Peritonealdialyse-Patienten sind laut Studie zufriedener, wenn sie die Entscheidung für das Dialyseverfahren zusammen mit dem Arzt getroffen haben, als wenn der Arzt die Wahl hauptsächlich allein getroffen hatte.

Die ökonomische Analyse zeigt, dass die Hämodialyse das teuere Verfahren ist. Im Durchschnitt unterscheiden sich die beiden Verfahren um knapp 12.000 Euro pro Jahr. Die DGfN betont die Bedeutung der Patienteninformation und der gemeinsamen Entscheidungsfindung. „Wir haben Material für das Aufklärungsgespräch erarbeitet, um eine umfassende Information der Patienten sicherzustellen und das Gespräch zu dokumentieren“, sagte der DGfN-Pressesprecher Jan Galle. Er kündigte an, die Fachgesellschaft werde ihre Aktivitäten für mehr Patientenaufklärung noch weiter intensivieren. © hil/aerzteblatt.de

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