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Medizin

Thromboembolie: Studie bestätigt Sicherheit von neuen oralen Antikoagulanzien

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Calgary – Die neuen direkten oralen Antikoagulantien (DAOK) scheinen sich in der klinischen Praxis zu bewähren. Eine Kohortenstudie aus Nordamerika im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 359: j4323) zeigt, dass es in den ersten 90 Tagen nach der Behandlung von Thromboembolien nicht häufiger, aber auch nicht seltener zu schweren Blutungskomplikationen gekommen ist wie nach dem Einsatz des Vitamin K-Antagonisten Warfarin.

Der Thrombinhemmer Dabigatran und die Faktor-Xa-Hemmer Apixaban, Edoxaban und Rivaroxaban vereinfachen die Therapie der venösen Thromboembolie, da ihre Pharma­kokinetik verlässlich ist und anders als bei den Vitamin K-Antagonisten keine regel­mäßigen Laborkontrollen der Blutgerinnung erforderlich sind. In den klinischen Zulassungsstudien haben sich die DAOK als effektiv und sicher erwiesen. Es bestand jedoch die Befürchtung, dass es im klinischen Alltag aus welchem Grund auch immer häufiger zu Komplikationen kommen könnte. 

Das von den Herstellern unabhängige „Canadian Network for Observational Drug Effect Studies hat deshalb die bisherigen Erfahrungen in vier kanadischen Provinzen (Alberta, Manitoba, Ontario, Quebec und Saskatchewan) und den USA (anhand der Daten eines US-Marktforschungsinstituts Truven Health Analytics) untersucht. 

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Von den 59.525 Erwachsenen, die im Zeitraum 2009 bis Anfang 2016 wegen einer venösen Thromboembolie mit oralen Antikoagulanzien behandelt wurden, hatten 47.036 den Vitamin K-Antagonisten Warfarin und 12.489 DAOK erhalten (95 Prozent davon Rivaroxaban). In den ersten 90 Tagen haben 1.967 (3,3 Prozent) eine schwere Blutung erlitten und 1.029 (1,7 Prozent) waren gestorben.

Wie das Team um Brenda Hemmelgarn von der Universität Calgary berichtet, waren die Blutungsraten unter Warfarin und den neueren DAOK identisch. Die Blutungsraten in den ersten 30 Tagen lagen für die DAOKs zwischen 0,2 und 2,9 Prozent und zischen 0,2 und 2,9 Prozent für Warfarin. Nach 60 Tagen lagen die Blutungsraten bei DAOKs zwischen 0,4 und 4,3 Prozent und bei Warfarin zwischen 0,4 und 4,3 Prozent. Auch hinsichtlich der Todesfälle gab es keine Unterschiede.

Auch die Auswertung nach Zentren getrennt, zwischen Patienten mit und ohne chronische Nierenerkrankung, in den einzelnen Altersgruppen sowie zwischen männlichen und weiblichen Patienten ergaben keine Hinweise, dass eine der beiden Optionen von Vor- oder Nachteil sein könnte.

Wie bei allen retrospektiven Studien lässt sich nicht ganz ausschließen, dass die Ärzte bei der Wahl der Wirkstoffe selektiv vorgehen und in bestimmten Patientengruppen das eine oder andere Mittel bevorzugt haben, so dass die Ergebnisse letztlich nicht beweisend sind. Insgesamt dürften die Ergebnisse jedoch den Einsatz der neuen DAOK stärken, sie zeigen aber auch, dass Vitamin K-Antagonisten eine gleichwertige Alternative sind. © rme/aerzteblatt.de

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