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Medizin

Darmhormon senkt Körpergewicht und bessert Stoffwechsel

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Thousand Oaks/Kalifornien – US-Forscher haben ein Protein gefunden, das schlank macht sowie den Blutzucker und die Blutfette senkt. Eine synthetische Version des Proteins, die nur einmal in der Woche injiziert werden muss, hat in einer Studie in Science Translational Medicine (2017; 9: eaan8732) bei Mäusen und Makaken eine gute Wirkung gezeigt.

Angesichts der Zunahme der Adipositas und ihrer gesundheitlichen Folgen könnten Medikamente, die das Körpergewicht senken, ohne die Betroffenen durch Risiken und Nebenwirkungen zu belasten, zu Verkaufsschlagern werden. Entsprechend intensiv wird nach guten Diätmitteln gesucht.

Der US-Hersteller Amgen hat hierzu die Expression von etwa 4.000 Genen bei schlanken und gemästeten Mäusen untersucht. Die Forscher stießen dabei auf das Protein GDF15 (für Circulating macrophage inhibitory cytokine 1 (MIC-1)/growth differentiation factor 15), das von den fettleibigen Tieren und auch beim adipösen Menschen vermehrt gebildet wird. Weitere Experimente zeigten, dass die künstliche Erhöhung der GDF15-Produktion bei entsprechend gentherapierten Mäusen die Nahrungsaufnahme vermindert und das Körpergewicht senkt.

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GDF15 wird vermutlich im Darm gebildet. Es könnte direkt auf die Appetitzentren im Gehirn wirken. Murielle Véniant vom Amgen-Forschungszentrum in Thousand Oaks/Kalifornien vermutet, dass GDF15 Teil der Darm-Hirn-Achse ist, die dafür sorgt, dass nach dem Essen ein Sättigungsgefühl einsetzt. GDF15 zügelt jedoch nicht nur den Appetit. Es kommt auch zu einem Abbau der Fettreserven. Außerdem werden Triglyzeride, Cholesterin und Blutzucker gesenkt, was bei den meisten übergewichtigen Menschen, die an einem metabolischen Syndrom leiden, willkommen wäre.

GDF15 hat allerdings nur eine sehr kurze Halbwertzeit, was für die postprandiale Signalwirkung im Gehirn ideal ist. Als Medikament wäre es jedoch kaum geeignet, zumal es als Peptid subkutan appliziert werden müsste.

Den Arzneimitteldesignern bei Amgen ist es allerdings gelungen, das Peptid mit Teilen eines Antikörpers zu fusionieren, was die Halbwertzeit deutlich verlängert. Einer der beiden Wirkstoffe „DhCpmFc“ müsste nur einmal wöchentlich subkutan verabreicht werden, was die Akzeptanz bei Menschen mit Adipositas deutlich erhöhen könnte. 

Bei Mäusen kam es nach der Behandlung zu einer Abnahme von Körpergewicht, Insulinproduktion, Triglyzeriden und Cholesterin. Die Tiere nahmen weniger Futter zu sich und bevorzugten eine kalorienarme Kost. Die Magenentleerung war verzögert. Ähnlich gute Ergebnisse wurden (mit der Ausnahme eines Cholesterinanstiegs) bei Makaken beobachtet. 

Klinische Studien sind derzeit noch nicht geplant. Zunächst müssen die beiden Schlankmacher weiter an Tieren auf ihre Verträglichkeit geprüft werden. © rme/aerzteblatt.de

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