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Antidepressiva als Diabetesrisiko bei Jugendlichen

Freitag, 20. Oktober 2017

/bit24, stock.adobe.com

Baltimore – Kinder und Jugendliche, die mit Antidepressiva behandelt wurden, erkrankten in einer Kohortenstudie in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.2896) doppelt so häufig an einem Typ-2-Diabetes. Betroffen waren selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) und trizyklische Antidepressiva.

In den USA ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Psychopharmaka behandelt werden, in den letzten Jahren stark angestiegen. Insgesamt 2,6 Prozent nehmen Antidepressiva, die nicht nur zur Behandlung von Depressionen und Angststörungen verschrieben werden, sondern auch bei der Aufmerksamkeits­defizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zum Einsatz kommen.

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Bei Erwachsenen gehört ein Typ-2-Diabetes zu den möglichen Folgen einer Behandlung mit Antidepressiva. Die jetzt von Mehmet Burcu von der University of Maryland in Baltimore vorgestellte Untersuchung lässt befürchten, dass auch Kinder und Jugendliche gefährdet sind. Der Forscher hat die Daten von Medicaid analysiert, der staatlichen Krankenversorgung für einkommensschwache US-Amerikaner.

Im Zeitraum 2005 bis 2009 war 119.608 Kindern im Alter von 5 bis 20 Jahren wenigstens einmal ein Antidepressivum verschrieben worden. In einer durchschnitt­lichen Nachbeobachtungszeit von 22,8 Monaten kam es in dieser Gruppe zu 233 Erkrankungen am Typ-2-Diabetes. Burcu verglich die gegenwärtigen Anwender mit früheren Anwendern der Medikamente.

Für gegenwärtige Anwender ermittelte er eine Odds Ratio von 1,92, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,43 bis 2,57 signifikant war. Sie bedeutet, dass gegenwärtige Anwender ein fast zweifach höheres Risiko auf einen Typ-2-Diabetes haben. Bei den heute bevorzugten SSRI und SSNRI betrug die Odds Ratio 1,88 (1,34–2,64), bei den älteren, aber immer noch häufig eingesetzten trizyklischen Anti­depressiva betrug die Odds Ratio 2,66 (1,45–4,36).

Für eine Kausalität spricht, dass die Odds Ratios mit der Dauer der Therapie anstiegen (für SSRI/SSNRI auf 2,66 bei einer Dauer von mehr als 210 Tagen). Dies gilt auch für die Dosis mit einer Odds Ratio von 2,44 für eine kumulative SSRI/SSNRI-Dosis von mehr als 4.500 mg. Für trizyklische Antidepressiva und andere Antidepressiva gab es eine solche Dosis-Wirkungs-Kurve nicht.

Die genauen Gründe, warum die Einnahme insbesondere von SSRI mit einem erhöhten Diabetesrisiko einhergeht, sind laut Burcu unklar. Neben einer Gewichtszunahme unter der Therapie könnten auch Störungen des Glukosestoffwechsels eine Rolle spielen, meint der Forscher. © rme/aerzteblatt.de

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