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Deutsches Krebsforschungs­zentrum veröffentlicht ersten Alkoholatlas

Donnerstag, 19. Oktober 2017

/boule1301, stock.adobe.com

Heidelberg – Schädlicher Alkoholkonsum kostet die Gesellschaft in Deutschland jährlich 39,30 Milliarden Euro. Etwa ein Viertel entfällt dabei auf direkte Kosten für das Gesundheitssystem. Demgegenüber stehen Einnahmen durch die Alkoholsteuer von nur 3,2 Milliarden Euro. Der erstmals erschienene Alkoholatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums stellt neben den Kosten auch den Einfluss des Sozialstatus in den Fokus. Denn vor allem bei Erwachsenen spielt dieser eine entscheidende Rolle dabei, wie viel getrunken wird.

Erwachsene aus höheren sozialen Schichten trinken häufiger als jene mit niedrigerem Sozialstatus. So konsumieren rund 70 Prozent der Männer mit hohem Sozialstatus mindestens einmal in der Woche Alkohol, 58 Prozent der Männer mit mittlerem Sozialstatus und nur 49 Prozent der Männer mit niedrigem Sozialstatus.

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Von den Frauen mit hohem Sozialstatus trinkt rund die Hälfte mindestens wöchentlich Alkohol und 21 Prozent trinken wöchentlich sogar riskante Mengen. Von den Frauen mit niedrigem Sozialstatus konsumiert lediglich ein Viertel mindestens wöchentlich Alkohol und nur rund neun Prozent tun dies in riskanten Mengen. Ein riskanter Konsum bedeutet mehr als zehn Gramm Reinalkohol pro Tag, was mindestens einem Glas Bier (0,3 Liter) oder 0,1 Liter Wein entspricht. Bei Männern liegt die Grenze zum riskanten Konsum etwas höher, bei 20 Gramm pro Tag: mehr als zwei Gläser (0,6 Liter) Bier oder 0,2 Liter Wein.

Bei Männern unterscheidet sich der riskante Alkoholkonsum nicht wesentlich in Abhängigkeit von der sozialen Herkunft. Er lag in allen sozialen Schichten zwischen 19 und 20 Prozent. Lediglich im Alter über 65 Jahre trinken Männer mit hohem sozialen Status deutlich mehr (27,8 versus 14,3 Prozent). Die Daten stammen aus 2014/2015 aus dem bundesweiten Gesundheitsmonitoring, das das Robert-Koch-Institut regel­mäßig durchführt.

Das Problembewusstsein ist beim Thema Alkoholkonsum nach wie vor zu niedrig. Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Insgesamt ist die Anzahl derer, die Alkohol in gesundheitlich problematischer Menge zu sich nehmen, enorm – allein in Deutschland gilt der Alkoholkonsum von etwa 9,5 Millionen Menschen als riskant. Ganz ohne Alkohol leben in Deutschland nur knapp drei Prozent der Erwachsenen.

Regionale Unterschiede bei alkoholbedingten Krankheiten

Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit Erkrankungen, die durch Alkohol bedingt sind. Aus der Krankenhausstatisitik 2015 geht hervor, dass über die letzten Jahre hinweg vor allem bei Frauen aus Bremen immer häufiger Erkrankungen diagnostiziert werden, die ausschließlich auf Alkohol zurückführbar sind. Am seltensten treten sie bei Männern wie Frauen in Baden-Württemberg auf.

„Das Problembewusstsein ist beim Thema Alkoholkonsum nach wie vor zu niedrig", sagt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU). „Jedes Jahr sterben bei uns mehr als 20.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums, etwa 10.000 Kinder kommen jedes Jahr alkoholgeschädigt auf die Welt und etwa 2,65 Millio­nen Kinder haben mindestens einen alkoholkranken Elternteil.“

Mit dem jetzt erschienenen Alkoholatlas hat das DKFZ erstmals ähnlich wie beim Tabakatlas ein zusammenfassendes Werk zu Konsum, Risiken und Folgen von Alkohol herausgebracht. „Wir leisten damit auch einen Beitrag zur aktuellen Debatte in der Europäischen Union – die estnische Ratspräsidentschaft hat das gemeinsame Vorgehen gegen den Alkoholmissbrauch weit oben auf die politische Agenda gesetzt“, erklärt Mortler. © gie/aerzteblatt.de

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