NewsÄrzteschaftSubstitutions­therapie: Änderungen in Kraft getreten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Substitutions­therapie: Änderungen in Kraft getreten

Donnerstag, 19. Oktober 2017

/dpa

Berlin – Nach der Änderung der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung Mitte des Jahres ist nun die überarbeitete Richtlinie der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger in Kraft getreten. Das bringt wichtige Änderungen für Ärzte mit sich, wie heute die Kassen­ärztliche Bundsvereinigung (KBV) mitteilte.

Aufgrund eines größeren Anteils langjährig substituierter älterer Patienten kann das Substitutionsmittel laut KBV nun auch in stationären Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation, in Gesundheitsämtern, in Alten- und Pflegeheimen sowie Hospizen gelagert werden. Darüber hinaus ist es Ärzten, medizinischem Personal oder ambulanten Pflegediensten erlaubt, diese zum unmittelbaren Verbrauch auszugeben. Der substituierende Arzt trifft dazu mit den entsprechenden Einrichtungen schriftliche Vereinbarungen – zur fachlichen Einweisung des Personals, Benennung einer verantwortlichen Person sowie Regelungen zu Kontrollmöglichkeiten, erklärte die KBV.

Anzeige

Substitutionsbescheinigung entfällt

Details stehen in der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV). Die KBV machte darauf aufmerksam, dass der substituierende Arzt unter anderem nicht mehr monatlich alle Einrichtungen persönlich aufsuchen muss. Stattdessen habe er sicher­zustellen, dass er über die erfolgte Prüfung und die Nachweisführung des Verbleibs und Bestands von Betäubungsmitteln in den Einrichtungen unterrichtet werde. Dies könne auch per Fax oder E-Mail erfolgen. Die bisherige Substitutionsbescheinigung entfällt vollständig, so die KBV.

Neu ist zudem, dass eine Substitutionsbehandlung auch im Rahmen von Hausbesuchen erfolgen kann. Das ist dann möglich, wenn der Patient wegen einer chronischen Pflegebedürftigkeit oder aufgrund einer nicht im Zusammenhang mit der Substitutionsbehandlung stehenden Erkrankung nicht in die Praxis kommen kann. Eine Substitutionsbehandlung als alleini­ger Grund für einen Hausbesuch sei aber nicht berechnungsfähig, erklärte die KBV.

Grundsätzlich sei dem Patienten das vom Arzt verschriebene Substitutionsmittel zum unmittelbaren Verbrauch zu überlassen. Eine Mitgabe von Substitutionsmedikamenten aus dem Praxisbestand sei strafbar, so die Körperschaft. Unter bestimmten Bedingun­gen kann der substituierende Arzt aber auch weiterhin das Substitutionsmittel zur eigenverantwortlichen Einnahme verschreiben. Diese Take-home-Verschreibung wurde nun ausgeweitet und ist in begründeten Einzelfällen bis zu 30 Tage möglich. Bislang war ein solch langer Zeitraum nur für Aufenthalte im Ausland möglich.

Eine weitere Neuerung betrifft Ärzte, die nicht die Mindestanforderungen an eine sucht­medizinische Qualifikation erfüllen. Sie dürfen nun statt drei bis zu zehn Patien­ten mit Substitutionsmitteln behandeln. © EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. Oktober 2018
München – Anfang Oktober ist in Bayern ein Naloxon-Modellprojekt gestartet. Das hat das bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­terium bekanntgegeben. Das Projekt zielt darauf ab, die Abgabe des Notfallmedikaments
Bayern startet Modellprojekt mit Naloxon
6. September 2018
Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat die Regelungen geändert, nach denen Opioidabhängige zulasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) eine substitutionsgestützte Therapie erhalten
Regeln für Substitutionstherapie von Opiatabhängigen angepasst
24. Juli 2018
Frankfurt am Main – Laut Substitutionsregister nehmen aktuell bundesweit rund 80.0000 Drogenabhängige Substitutionsangebote in Anspruch. Doch ihre Betreuung wird zunehmend schwerer, erklärten Ärzte
Experten warnen vor Versorgungslücken in der Drogenersatztherapie
11. Juli 2018
Lübeck – In einem Prozess um die unerlaubte Abgabe der Ersatzdroge Methadon hat einer der beiden angeklagten Ärzte die Vorwürfe heute vor dem Lübecker Landgericht zurückgewiesen. „Wir haben niemanden
Prozess um unerlaubte Abgabe von Methadon
19. April 2018
Vancouver – Ein „Take-Home Naloxon“-Programm, wie es derzeit auch in Deutschland als Mittel gegen Überdosierungen von Opiaten diskutiert wird, hat in Kanada ein Drittel aller Todesfälle vermieden. Zu
Kanada: Naloxon-Spritze in der Hausapotheke senkt Todesfälle durch Opiate
24. Januar 2018
Hannover – Die neuen Medikamente zur Behandlung der chronischen Hepatitis C sind auch für Patienten unter Opioid-Substitution wirksam und sicher. Das geht aus Daten des „Deutschen
Neue Hepatis-C-Therapie bewährt sich bei Substitutionspatienten
15. Dezember 2017
Saarbrücken – Im Kampf gegen Drogen haben das saarländische Ge­sund­heits­mi­nis­terium, Lan­des­ärz­te­kam­mer, Kassenärztliche Vereinigung, Apothekerkammer und Drogenhilfezentrum ein gemeinsames Modellprojekt
LNS
NEWSLETTER