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Ärzteschaft

Vergütung für Verordnung von medizinischem Cannabis geregelt

Donnerstag, 19. Oktober 2017

/Africa Studio, stock.adobe.com

Berlin – Für die Verordnung von medizinischem Cannabis an schwerstkranke Patienten hat der Bewertungsausschuss sich auf drei neue Gebührenordnungspositionen (GOP) verständigt. Darauf hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen.

Die Regelungen gelten rückwirkend zum 1. Oktober. Die Vergütung der neuen Leistungen erfolgt extrabudgetär und damit ohne Mengenbegrenzung. Mit der Neuregelung werde dem zusätzlichen Aufwand der Vertragsärzte, der im Zusammen­hang mit der Versorgung von Patienten mit Cannabis entstehe, Rechnung getragen, hieß es heute von der KBV.

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Zwei der drei neuen GOP betreffen die Begleiterhebung, an der die Ärzte verpflichtend teilnehmen müssen. Für die Aufklärung des Patienten über die verpflichtende Daten­erhebung wird die GOP 01460 (28 Punkte/2,95 Euro) neu in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen.

Die Datenerfassung und deren elektronische Übermittlung an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird laut KBV mit 9,70 Euro (GOP 01461/92 Punkte) vergütet. Die Leistung kann entweder nach Ablauf eines Jahres nach Beginn der Therapie oder bei Beendigung der Therapie vor Ablauf eines Jahres zum Zeitpunkt des Therapieendes berechnet werden. Die GOP 01460 und 01461 können bis 31. März 2022 abgerechnet werden; dann endet die fünfjährige Begleit­erhebung.

Darüber hinaus wird die Unterstützung des Patienten durch den Arzt bei der Antrag­stellung auf Versorgung mit Cannabis vergütet. Ärzte erhalten dafür 15,06 Euro (GOP 01626/143 Punkte). Für die Antragstellung bei der Krankenkasse benötigen Patienten eine Stellungnahme ihres Arztes. Da ein Wechsel innerhalb der unterschiedlichen Verabreichungsmöglichkeiten von Cannabis, wie in Form von getrockneten Blüten, Extrakten oder Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Dronabinol oder mit dem Wirkstoff Nabilon eine Genehmigung erforderlich macht, kann eine Berechnung bis zu viermal im Krankheitsfall erfolgen, wie die KBV mitteilte. Diese GOP ist dauerhaft im EBM verankert, da die Genehmigungspflicht auch nach Ende der Begleiterhebung bestehen bleibt.

Das Cannabisgesetz war im März dieses Jahres in Kraft getreten. Jeder Haus- und Facharzt darf seitdem getrocknete Cannabisblüten und -extrakte sowie Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon in bestimmten Fällen auf einem Betäubungsmittelrezept verordnen. Die Patienten sind verpflichtet, vor der erstmaligen Verordnung von Cannabis die Genehmigung ihrer Krankenkasse einzuholen. Voraus­setzung ist, dass bei einer schwerwiegenden Erkrankung keine andere allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung zur Verfügung steht oder angewendet werden kann. © EB/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 22. Oktober 2017, 21:29

Hat jemand

mal den Umfang der notwendigen Aufklärung des Patienten über den Wirkstoff, die Applikation, Dosierung, Nebenwirkungen, Risiken etc ermittelt? Unter 30 Minuten geht so eine Beratung nicht, und zwar im Verlauf sicher mehrfach... aber eine Vergütung - äh, kleinen Unkostenbeitrag - gibt es nur für den Verwaltungsaufwand...
Bei mir hat dieses "Cannabisveroordnungsverhinderungsgesetz" seinen eigentlichen Zweck erreicht. Cannabis gibt es bei mir nicht!
Avatar #112726
woewe
am Samstag, 21. Oktober 2017, 23:30

Voraussetzung ist ... die Therapiefreiheit des Arztes

Ich zitiere nochmals § 31 SGB V Absatz (6) in der neuen Fassung:

"wenn
1. eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung
a) nicht zur Verfügung steht
oder
b) im Einzelfall nach der begründeten Einschätzung der behandelnden Vertragsärztin oder des behandelnden Vertragsarztes unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen und unter Berücksichtigung des Krankheitszustandes der oder des Versicherten nicht zur Anwendung kommen kann,
2. eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht."

Nur 1a) entspricht der von Ihnen genannten "Austherapiertheit".
LNS

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