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Medizin

USA: Zweite CAR-T-Zelltherapie bei Krebs zugelassen

Freitag, 20. Oktober 2017

/dpa

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelagentur FDA hat eine weitere CAR-T-Zelltherapie zur Krebshandlung zugelassen. Das Präparat Yescarta (Axicabtagen Ciloleucel) besteht wie das im August zugelassene Kymriah (Tisagenlecleucel) aus körpereigenen T-Zellen des Patienten, die im Labor genetisch auf eine verstärkte Immunabwehr getrimmt werden. Die Indikation von Yescarta sind drei Formen des Non-Hodgkin-Lymphoms. Die Kosten der Behandlung sollen laut Presseberichten 373.000 US-Dollar betragen.

Die CAR-T-Zelltherapie könnte eine neue Ära in der Behandlung von Krebserkrankun­gen einläuten. Es handelt sich um eine neue Form der Immuntherapie, die die körpereigenen Abwehrkräfte gegen Krebszellen stärkt. Die CAR-T-Zelltherapie unterscheidet sich dabei von der etablierten Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren wie Ipilimumab oder Nivolumab, die mithilfe von Antikörpern eingebaute Bremsen der Immunabwehr lösen. Die CAR-T-Zelltherapie rüstet dagegen die Abwehrzellen mit genetischen Mitteln auf, um den Angriff auf die Krebszellen zu verstärken.

Für die Behandlung werden zunächst per Apherese T-Zellen aus dem Blut der Patien­ten „gefischt“. Diese Zellen werden im Labor mit den Genen für einen sogenannten chimärischen Antigen-Rezeptor (CAR) ausgestattet. Nach einer kulturellen Vermehrung werden die gentechnisch modifizierten Zellen dann dem Patienten wieder per Infusion zugeführt.

Die CAR sind eine Variante des natürlichen T-Zell-Rezeptors, mit dem das Immun­system körpereigene Zellen von fremden unterscheidet. Zellen, die diese „Ausweis­kontrolle“ nicht bestehen, werden angegriffen und vernichtet. Die CAR-T-Zellen fahnden dabei nach bestimmten Merkmalen auf der Oberfläche der Zellen.

Die beiden in den USA zugelassenen Therapien haben das CD19-Antigen im Visier, das ein Merkmal aller B-Zellen ist. Die Therapie ist deshalb bei B-Zell-Malignomen wirksam. Dazu gehören eine bestimmte Leukämie-Form und Non-Hodgkin-Lymphome. Die beiden CAR-T-Zelltherapien haben nur deshalb unterschiedliche Indikationen, weil sie bei verschiedenen B-Zell-Malignomen klinisch getestet wurden.

Kymriah wurde im August zur Behandlung der akuten lymphoblastischen Leukämie (ALL) aus B-Vorläuferzellen zugelassen, nachdem es in einer klinischen Studie bei 52 von 63 Patienten, bei denen mehrere frühere Therapien versagt hatten, eine Remission erreichte.

Yescarta wurde jetzt zur Behandlung von drei Untergruppen des Non-Hodgkin-Lymphoms zugelassen, nämlich dem diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL), dem primär mediastinalen B-Zell-Lymphom (PMBCL) und dem transformierten Follikel-Lymphom (TFL). Das DLBCL ist mit einem Anteil von etwa einem Drittel die häufigste Form der Non-Hodgkin-Lymphome. PMBCL und TFL sind dagegen ausgesprochen seltene Varianten des Non-Hodgkin-Lymphoms.

In der Studie ZUMA-1 waren 101 Patienten mit Yescarta behandelt worden, bei denen mindestens zwei frühere Therapien versagt hatten. Ein wichtiges Ausschlusskriterium war der Befall des zentralen Nervensystems. In der offenen Studie ohne Vergleichs­gruppe erhielten alle Patienten eine einzelne Infusion von Axicabtagen Ciloleucel.

Nach Auskunft des Herstellers (eine Publikation steht noch aus) sprachen 72 Prozent der Patienten auf die Therapie an, bei 51 Prozent der Patienten (95-Prozent-Konfidenz­intervall 41 bis 62 Prozent) wurde eine komplette Remission erzielt: Die Lymphome haben sich komplett zurückgebildet. Die Remissionen haben bisher über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 7,9 Monaten angehalten. Die geschätzte mediane Dauer der Remission wird auf 8,1 Monate bis unendlich geschätzt. Ob die Therapie für einige Patienten die Ausheilung des Non-Hodgkin-Lymphoms erreicht hat, ist jedoch nicht sicher.

Die Therapie ist mit beträchtlichen Nebenwirkungen verbunden: Bei 13 Prozent der Patienten kam es zu einem Zytokinfreisetzungs-Syndrom (CRS) vom Grad 3 oder höher, 31 Prozent erlitten neurologische Schäden. Beide Komplikationen sind lebens­bedrohlich. Zu den weiteren schweren Nebenwirkungen gehören Neutropenien, Thrombozytopenie und Anämien sowie schwere Infektionen. Die meisten Komplika­tionen treten in den ersten ein bis zwei Wochen nach der Infusion der CAR-T-Zellen auf. Spätkomplikationen sind jedoch nicht ausgeschlossen.

Wegen der erheblichen Risiken beschränkt die FDA die Behandlung auf wenige zertifizierte Kliniken. Ein REMS („risk evaluation and mitigation strategy“) mit ETASU („elements to assure safe use“) soll sicherstellen, dass die Patienten im Fall einer Komplikation eine optimale Behandlung erhalten.

Dem Hersteller wurde die Durchführung einer Nach-Zulassungsstudie auferlegt. Eine weitere Prüfung durch eine Phase 3-Studie ist offenbar nicht vorgesehen.

Dem Vernehmen nach werden in den USA zehn bis 15 Kliniken die Behandlung anbieten, die für etwa 3.500 Patienten (von etwa jährlich 72.000, die an einem Non-Hodgkin-Lymphom erkranken) infrage käme. Der Preis für Yescarta ist mit 373.000 US-Dollar niedriger als der von Kymriah, für das Novartis 475.000 US-Dollar verlangt. Der Hersteller von Kymriah hatte angekündigt, die Kosten nur in Rechnung zu stellen, wenn eine Remission erreicht wird. Dies soll bei Yescarta nicht der Fall sein.

Die Hersteller rechtfertigen den Preis mit dem hohen Aufwand für die Behandlung. Die Tatsache, dass die Firma Kite, die Yescarta seit 2012 weiter entwickelt hat, gerade für 11,9 Milliarden US-Dollar von der Pharmafirma Gilead übernommen wurde, dürfte allerdings ebenfalls die Kalkulation des Herstellers beeinflusst haben. Ursprünglich wurden beide Mittel übrigens von Mitarbeitern einer US-Universität und des National Cancer Institute mit öffentlichen Geldern entwickelt. © rme/aerzteblatt.de

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