NewsMedizinTumorbiologie: Wie Stressnerven das Wachstum bei Prostatakrebs fördern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Tumorbiologie: Wie Stressnerven das Wachstum bei Prostatakrebs fördern

Donnerstag, 26. Oktober 2017

/dpa

New York – Stresshormone, die von sympathischen Nervenzellen freigesetzt werden, fördern das Wachstum des Prostatakarzinoms. Tierexperimentelle Studien in Science (2017; 358: 321–326) zeigen, dass die Bildung neuer Blutgefäße, die für das Wachstum des Tumors benötigt werden, stoppt, wenn auf den Endothelzellen die Rezeptoren für Noradrenalin fehlen. Eine Umstellung des Energiestoffwechsels in den Endothelien scheint dafür verantwortlich zu sein.

Tumore sind für ihr Wachstum auf eine ausreichende Blutversorgung angewiesen. Bei vielen Tumoren kommt es zur Neubildung von Blutgefäßen, deren Hemmung durch Angiogenese-Hemmer wie Bevacizumab eine etablierte Krebsbehandlung ist. In der Umgebung der Blutgefäße befinden sich häufig Nervenzellen, deren Rolle lange unklar war. Vor vier Jahren berichtete ein Team um Paul Frenette vom Albert Einstein College of Medicine in New York, dass sympathische Nervenzellen das Wachstum von Prostata­krebs bei Mäusen fördert. 

Anzeige

Jetzt haben die Forscher den Grund dafür gefunden. In einem  Experiment transplan­tierten sie Prostatakrebstumore in Mäuse (mit fehlendem Immunsystem). Normaler­weise kommt es dann zum Krebswachstum. Es bleibt jedoch aus, wenn auf den Endo­thelien der Blutgefäße die Rezeptoren für das Stresshormon Noradrenalin fehlen, das von den sympathischen Nervenfasern in der Umgebung der Blutgefäße freigesetzt wird. 

Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Stresshormone den Energiestoffwechsel in den Endothelien regulieren. Die Bindung von Noradrenalin an den Rezeptoren führt zu einer Umstellung der Energiegewinnung. Normalerweise nutzen die Zellen die oxidative Phosphorylierung, die mithilfe von Sauerstoff die Glukose komplett abbaut. Durch das Stresshormon stellt die Zelle auf die Glykolyse um, die ohne Sauerstoff auskommt, dafür den Zucker aber nur inkomplett verbrennt. Das Umstellen dieses „angio-metabolischen“ Schalters scheint ein wichtiger Reiz für die Bildung von neuen Blutgefäßen zu sein, die der Tumor für ein weiteres Wachstum benötigt.

Die Erkenntnisse liefern neue Ansätze für die Krebsterapie. Wenn Noradrenalin tat­sächlich über einen „angio-metabolischen“ Schalter die Neubildung von Blutgefäßen fördert, könnte eine Behandlung mit Betablockern eine krebshemmende Wirkung haben. Dies könnte jederzeit in klinischen Studien geprüft werden, da Betablocker seit vielen Jahren als Blutdruckmedikamente zugelassen sind. Interessant wäre laut Frenette auch eine Kombination von Betablockern und Angiogenesehemmern. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Juli 2019
Köln – Patienten mit einem in das Skelettsystem metastasierten Prostatakarzinom haben von einer Behandlung mit Radium-223-dichlorid (kurz: Radium-223) keinen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen
IQWiG verneint Zusatznutzen von Radium-223 bei Knochenmetastasen eines Prostatakarzinoms
5. Juli 2019
Philadelphia – Männer, bei denen im Rahmen der Therapie eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms eine Androgendeprivation durchgeführt wurde, erkrankten in den Folgejahren häufiger an einem Morbus
Androgendeprivation bei Patienten mit Prostatakrebs könnte Demenzen fördern
27. Juni 2019
Norwich/England – Mit der Untersuchung von RNA-Molekülen, die nach einer digitalen rektalen Untersuchung mit dem Urin ausgeschieden werden, haben Forscher in einer Pilotstudie aggressive
Urintest soll aggressive Prostatakarzinome erkennen
18. Juni 2019
Amsterdam – Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat eine Überprüfung von Depotformulierungen des GnRH-Analogon Leuprorelin begonnen. Das Medikament, das zur Behandlung von Prostatakrebs,
EMA untersucht Medikationsfehler bei Leuprorelin-haltigem Arzneimittel
4. Juni 2019
Melbourne und Vancouver – Die beiden Androgenrezeptorblocker Enzalutamid und Apalutamid, die bisher bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom erst nach dem Versagen der Androgendeprivation
Prostatakarzinom: Enzalutamid oder Apalutamid verlängern Leben in Kombination mit Androgendeprivation
7. Mai 2019
San Diego – Die Behandlung einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) mit 5alpha-Reduktasehemmern kann wegen eines Abfalls des PSA-Werts ein Prostatakarzinom maskieren. Bei US-Veteranen kam es laut
BPH-Medikamente können die Diagnose eines Prostatakarzinoms verzögern
3. Mai 2019
Köln – Männer mit nicht metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom, die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen, können von einer Therapie mit dem
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER