Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Krankenhausärzte: Wieviel Zeit für die Patienten bleibt

Freitag, 20. Oktober 2017

sudok1 - stock.adobe.com

Köln – Ausufernde Bürokratie, zu viele Tätigkeiten fernab vom Patienten – an solch allgemeine Klagen von Krankenhausärzten hat man sich mittlerweile fast schon gewöhnt. Doch wie genau ist die Arbeitszeit der Ärzte in einer deutschen Universitäts­klinik verteilt? Dieser Frage gehen Jan Wolff und Co-Autoren in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes nach (Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 705–11).

Sie bedienten sich dazu eines aufwendigen Messverfahrens in sieben Abteilungen des Universitätsklinikums Freiburg. Mit einer sogenannten Multimomentaufnahme erfassten sie dort bei 250 Krankenhausärzten zu Zufallszeitpunkten deren aktuelle Tätigkeit. Das Ergebnis nach 41.430 Momentaufnahmen, was einer untersuchten Gesamtarbeitszeit von 20.715 Stunden entspricht: 46 Prozent der stationären Arbeits­zeit wurden im direkten Kontakt mit Patienten verbracht. Mehr als die Hälfte der Zeit wurde in deren Abwesenheit für die indirekte stationäre Versorgung benötigt, wie beispielsweise für Dokumentation und Schreiben von Arztbriefen, oder für allgemeine Dienstbesprechungen, Teamrunden oder sonstige Organisation des klinischen Betriebes.

Die Verteilung der Gesamtarbeitszeit stellt sich allerdings in den verschiedenen Fach­bereichen recht unterschiedlich dar. So entfallen etwa in der Freiburger Augenheil­kunde oder Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie rund 44 Prozent der Arbeitszeit von Ärzten auf die Versorgung ambulanter Patienten. Dieser Wert liegt zum Beispiel deutlich niedriger in der Frauenheilkunde mit rund 22 Prozent oder in der Dermatolo­gie mit 26 Prozent.

Über alle berücksichtigten Fachbereiche hinweg kommt man auf rund ein Drittel der Arbeitszeit, das für die ambulante Versorgung aufgewandt wird. Zur Berechnung der Zeit, die für direkte stationäre Patientenkontakte zur Verfügung steht, klammerten die Autoren diesen Tätigkeitsbereich aus, genauso wie die mit 13 Prozent erfassten sonstigen Tätigkeiten – hierzu zählten Forschung, Lehre, Wegzeiten oder Schulungen.

Diese empirische Studie habe, schlussfolgern die Autoren, den Nachweis erbracht, dass ein relativ geringer Anteil der Arbeitszeit von Krankenhausärzten für die direkte Versorgung von Patienten zur Verfügung stehe. Abhilfe könne hier nur geschaffen werden, wenn Ärzte konsequent entsprechend ihrer Qualifizierung eingesetzt und fachfremde Tätigkeiten verstärkt durch entsprechendes Personal, wie zum Beispiel Dokumentationskräfte, Medizincontroller oder Sozialarbeiter, übernommen würden. © tg/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

nvs@klinikberatung.de
am Sonntag, 22. Oktober 2017, 18:18

Chaos beseitigt man nicht durch mehr Personal

Ein wenig erinnert der Artikel an die alte Staatsexamenslogik: Wenn Aussage A richtig ist, muss nicht zwingend Aussage B richtig sein. Zumindest ist aber sicher die Verknüpfung falsch: Ganz wesentlich ist die patientenbezogene Arbeit durch insuffiziente Prozesse und miserable IT Tools behindert. Natürlich kann man durch immer mehr Personal ineffiziente Prozesse auffangen. Lösen kann man das Problem aber nur, indem man klar definiert wie ein guter Ablauf aussieht und dieser dann durch IT unterstützt und nicht behindert wird. Ein Change, der lange überfällig ist.

Nachrichten zum Thema

17.01.18
KBV und NAV-Virchow-Bund befragen niedergelassene Ärzte
Berlin – Im Februar startet der neue Ärztemonitor, in dessen Rahmen das Institut für angewandte Sozialwissenschaft (infas) im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des......
09.01.18
Studie: Nachtarbeit erhöht Krebsrisiko bei Frauen
Miami – Nachtarbeit erhöht einer Studie zufolge das Krebsrisiko von Frauen in Europa und Nordamerika. Frauen, die nachts arbeiten, hätten ein um 19 Prozent höheres Risiko, an Brust-, Magen- oder......
03.01.18
Polnische Ärzte verweigern aus Protest Überstunden
Warschau – Tausende polnische Ärzte haben aus Protest für bessere Arbeitsbedingungen die Extraarbeit verweigert und dadurch den Betrieb an mehreren Kliniken lahmgelegt. Landesweit hätten rund 5.000......
22.12.17
In vielen Familien muss einer an Weihnachten arbeiten
Berlin – Mehr als jeder Dritte (35 Prozent) in Deutschland hat Angehörige in der Familie, die über die Feiertage arbeiten müssen – unter anderem im Krankenhaus oder in anderen Gesundheitsberufen. Dies......
19.12.17
Krankenhausärzte in Sachsen-Anhalt arbeiten mehr in Teilzeit
Halle – In den Krankenhäusern in Sachsen-Anhalt arbeiten immer mehr Ärzte in Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung. Ihr Anteil hat sich binnen der vergangenen zehn Jahre mehr als verdoppelt – von......
11.12.17
Viele Beschäftigte im Krankenhaus erleben Digitalisierung als zusätzliche Arbeit
Bonn – Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bedeutet für viele Beschäftigte im Krankenhaus einen höheren Zeitdruck und zusätzliche Unterbrechungen ihrer Arbeit. Das geht aus einer Studie im Auftrag......
06.12.17
Projekt untersucht seelische Gesundheit von Beschäftigen in Krankenhäusern
Ulm – Einer neuer Forschungsverbund „Seelische Gesundheit am Arbeitsplatz Krankenhaus“ (SEEGEN) will untersuchen, wie sich die seelische Gesundheit von Beschäftigen in Krankenhäusern präventiv stärken......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige