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Ärzteschaft

Weltärztebund verabschiedet neues ärztliches Gelöbnis

Freitag, 20. Oktober 2017

/Detlef, stock.adobe.com

Berlin – Der Weltärztebund (WMA) hat den hippokratischen Eid für Ärzte modernisiert. Die Delegierten einigten sich auf ihrer Generalversammlung in Chicago auf eine über­arbeitete Fassung des Genfer Gelöbnisses, das aus dem Jahr 1948 stammt.

„Die Neufassung hebt nun stärker als zuvor auf die Autonomie des Patienten ab“, sagte Frank Ulrich Montgomery, Bundesärztekammerpräsident und stellvertretender Vorsitzender des WMA. So verpflichtet das Gelöbnis in der aktualisierten Fassung die Ärzte, medizinisches Wissen zum Wohl der Patienten und zur Förderung der Gesund­heitsversorgung mit ihren Kollegen zu teilen. Vor dem Hintergrund der steigenden Arbeitsbelastung appelliert es aber auch an die Ärzte, sich um ihre eigene Gesundheit zu kümmern. Nur dann könnten sie eine gesundheitliche Versorgung auf höchstem Niveau leisten.

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Das Gelöbnis ist vielen Ländern Teil der ärztlichen Berufsordnung, in manchen hat es sogar Gesetzescharakter. Der WMA rechnet damit, dass die überarbeitete Fassung weltweit als ethischer Kodex für alle Ärzte anerkannt wird. Die Änderungen waren von einer internationalen Arbeitsgruppe unter Leitung der Bundesärztekammer über einen Zeitraum von zwei Jahren vorbereitet worden.

Darüber hinaus fassten die Delegierten eine Reihe weiterer Beschlüsse. So verabschie­de­ten sie die „Deklaration von Chicago“ zur Qualitätssicherung in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung. Darin fordert der Weltärztebund die Implementierung moder­ner Akkreditierungs- und Anerkennungssysteme an den medizinischen Fakultäten.

In einer weiteren Stellungnahme gibt der WMA der Weltgesundheitsorganisation und den Staatsregierungen Empfehlungen zur effektiveren Bekämpfung von Pandemien und Epidemien. Die Ärzteschaft wird dazu aufgerufen, auf nationaler Ebene ihr Fachwissen mit in die Krisenreaktionsprogramme einzubringen. Die Bundesärzte­kammer hatte die Stellungnahme gemeinsam mit dem britischen und dem amerikani­schen Ärzteverband ausgearbeitet.

Eine dringliche Resolution befasst sich mit der Lage der polnischen Ärzte in Weiter­bildung. In Polen sind mehrere junge Ärzte in einen Hungerstreik eingetreten, um auf ihre schlechte finanzielle Lage aufmerksam zu machen und für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Der WMA erklärte seine Solidarität mit den Ärzten in Polen. Er forderte die polnische Regierung dazu auf, nach Lösungen zu suchen, um das Leben der Ärzte zu schützen und das Gesundheitssystem im Interesse der Patienten ausreichend zu finanzieren. „Es ist richtig, dass die polnischen Ärzte diese Ausbeutung nicht länger hinnehmen wollen. Sie verdienen dafür unsere volle Unterstützung“, sagte der WMA-Vizevorsitzende Montgomery.

Der Freiburger Theologe Eberhard Schockenhoff sieht durch das neu formulierte Selbstverständnis der Ärzte die Rolle der Patienten gestärkt. Der Patient sei kein willenloses, passives Gegenüber, sondern müsse in seiner Würde respektiert werden, sagte Schockenhoff heute.

Schockenhoff betonte, die Neuformulierung trage der medizinethischen Debatte der vergangenen Jahre Rechnung. Es sei inzwischen Konsens, die Würde und Selbst­bestimmung des Patienten zu betonen. „Keineswegs verpflichtet die Betonung der Patientenautonomie Ärzte jedoch zwangsläufig zu ethisch umstrittenen Handlungen wie aktiver Sterbehilfe oder Suizidbeihilfe”, betonte Schockenhoff. Was Achtung der Autonomie konkret bedeutet, müsse im Einzelfall geklärt werden.

© hil/sb/aerzteblatt.de

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