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Medizin

Hypertonie erhöht Risiko auf Mitralinsuffizienz

Mittwoch, 25. Oktober 2017

/dpa

Oxford – Eine arterielle Hypertonie begünstigt offenbar die Entwicklung einer Mitral­insuffizienz. Das Risiko war in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in PLoS Medicine (2017; doi: 10.1371/journal.pmed.1002404) überwiegend unabhängig von vorbestehenden Herzerkrankungen.

Die Mitralklappeninsuffizienz ist nach der Aortenklappenstenose der zweithäufigste Herzklappenfehler. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie schätzt, dass in Deutschland 800.000 bis 1 Million Menschen eine therapierelevante Mitralklappen­insuffizienz haben. Die gestörte Ventilfunktion der Mitralklappe kann manchmal auf Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathie oder Myokarditis) oder auf Erkrankungen der Herzklappe selber (etwa nach Lupus, Endokarditis oder Endomyo­kard­fibrose) zurückgeführt werden. In der Regel findet sich jedoch keine erkennbare Ursache.

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Ein Team um Kazem Rahimi von der Universität Oxford hat jetzt die Daten der Clinical Practice Research Datalink ausgewertet, die Zugriff auf die Krankenakten von 7 Prozent der britischen Bevölkerung hat. Dabei fiel eine signifikante Assoziation mit dem Blut­druck der Patienten auf.

Verglichen mit einem normalen systolischen Blutdruck (unter 120 mmHg) war ein Blutdruckwert von 121 bis 140 mmHg mit einer Zunahme der Mitralinsuffizienz um 23 Prozent verbunden, bei einem systolischen Blutdruck von 141 bis 160 mmHg erkrankten die Patienten zu 44 Prozent häufiger und bei einem Wert von über 160 mmHg kam es zu 49 Prozent häufiger zu einer Mitralinsuffizienz. Rahimi errechnete für jeden Anstieg des systolischen Blutdrucks um 20 mmHg eine Hazard Ratio von 1,26, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,23 bis 1,29 hoch signifikant war.

Noch stärker war der Einfluss von ischämischen Herzerkrankungen, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz oder Kardiomyopathie, die zusammen das Risiko auf eine Mitral­insuffizienz fast verdreifachten (Hazard Ratio 2,94: 2,86–3,03). Diese Ursachen sind jedoch wesentlich seltener als ein Anstieg des Blutdrucks, der bei drei Vierteln der britischen Hausarztpatienten vorlag.

Nach den Berechnungen von Rahimi erklären die vorbestehenden Herzerkrankungen, für die eine arterielle Hypertonie ein bekannter Risikofaktor ist, nur 13 Prozent der Assoziationen zwischen einem erhöhten systolischen Blutdruck und der Mitral­insuffizienz. Die anderen 87 Prozent könnten direkt über den Blutdruckanstieg ausgelöst worden sein. Der Pathomechanismus ist allerdings nicht bekannt. Sollte die Assoziation kausal sein, wofür die Dosis-Wirkungs-Beziehung spricht, dann könnten viele Herzklappenfehler durch eine frühzeitige Behandlung eines erhöhten Blutdrucks vermieden werden. Für die Patienten könnte dies eine weitere Motivation sein, die in der Regel nebenwirkungsarme Therapie konsequent durchzuführen. © rme/aerzteblatt.de

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