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Geburtshilfe: Liegende Position erhöht bei Periduralanästhesie Chance auf natürliche Geburt

Dienstag, 24. Oktober 2017

/Firma V, stock.adobe.com

Birmingham – Erstgebärende, die eine milde Periduralanästhesie erhalten, können häufiger eine instrumentelle oder operative Geburt vermeiden, wenn sie in der Austreibungsphase der Geburt eine liegende Position einnehmen. Dies kam in einer randomisierten Vergleichsstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2017; 359: j4471) heraus.

Viele Geburtshelfer empfehlen, in der Austreibungsphase eine aufrechte Position einzunehmen, da dies die Schwerkraft mit nutzt und damit das Pressen erleichtern soll. Dies gilt insbesondere für Frauen, die eine Periduralanästhesie wünschen, da diese im Ruf steht, die Geburt zu verlängern (was eine vor wenigen Tagen veröffentliche randomisierte Studie infrage stellt) und häufiger zu einer instrumentellen oder operativen Geburt führt. 

Die liegende Position dürfte jedoch für die meisten Frauen die angenehmere Lage sein, und die jetzt vorgestellten Ergebnisse der britischen BUMPES-Studie („Birth in the Upright Maternal Position with Epidural in Second stage“) zeigen, dass sie eine natürliche Geburt insgesamt erleichtern könnte. 

Für die Studie waren an 41 britischen Kliniken 3.093 Erstgebärende, die sich für eine niedrigdosierte Periduralanästhesie entschieden hatten, auf zwei Gruppen randomisiert worden. In der ersten Gruppe wurden sie von den Hebammen ermuntert, eine aufrechte Position einzunehmen mit einer nach Möglichkeit vertikalen Position des Beckens. Die genaue Position konnte variieren. Die Frauen konnten sitzen, stehen und zwischendurch auch gehen. In der zweiten Gruppe wurden die Frauen gebeten, liegen zu bleiben. Ziel war eine horizontale Position des Beckens, wobei eine Seiten­lage bevorzugt wurde, um eine Kompression von Aorta oder Hohlvene zu vermeiden, die die Durchblutung der Plazenta gefährden könnte. Die Studie war pragmatisch. Die Frauen durften zur Erleichterung des Pressens oder wenn ein fetaler Dysstress dies ratsam erscheinen ließ jederzeit ihre Position ändern.

Primärer Endpunkt war die Häufigkeit einer spontanen vaginalen Geburt. Sie gelang Erstgebärenden in aufrechter Position in 35,2 Prozent der Fälle gegenüber 41,1 Prozent der Erstgebärenden in liegender Position. Die „Epidural and Position Trial Collaborative Group“ um Peter Brocklehurst von der Universität Birmingham ermittelt eine Risk Rate von 0,86, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,78 bis 0,94 statistisch signifikant war. 

Der absolute Unterschied von 5,9 Prozent bedeutet, dass eine von etwa 17 Frauen (100/5,9) eine instrumentelle Geburt oder einen Kaiserschnitt vermeiden kann, wenn sie in liegender Position gebärt. Die Rate der instrumentellen Geburt wurde von 54,6 auf 50,6 Prozent vermindert, der Anteil der Kaiserschnitte sank von 10,2 auf 8,3 Prozent. 

Nachteile für die Gesundheit der Mutter oder des Kindes waren nicht erkennbar. Es kam nicht signifikant häufiger zu Verletzungen des Perineums oder zu größeren Blutverlusten. Die Apgarwerte in der Nabelschnur-pH waren tendenziell sogar günstiger, wenn die Frauen im Liegen entbunden wurden.

Eine kürzlich veröffentlichte Metaanalyse der Cochrane-Collaboration hatte keinen Einfluss der Position auf das Risiko einer instrumentellen oder operativen Geburt gefunden (Cochrane Database Syst Rev. 2017; doi: 10.1002/14651858.CD008070.pub3). Mit den neuen Ergebnissen ergibt sich eine Odds Ratio von 0,80 (0,70–0,92), die auch in der Gesamtschau der Studien einen Vorteil für die liegende Position in der Austreibungsphase zeigt. 

Brocklehurst weist aber darauf hin, dass die Ergebnisse nicht auf andere Situationen (etwa Mehrfachgebärende oder eine Geburt ohne Periduralanästhesie) übertragbar sind. Für Geburten ohne Periduralanästhesie ist laut einer früheren Analyse der Cochrane-Collaboration eine aufrechte Position mit einer niedrigeren Rate von assistierten Geburten (Risk Ratio 0,78; 0,68–0,90) verbunden, allerdings bei einem höheren Risiko von Blutverlusten (Cochrane Database Syst Rev. 2012; doi: 10.1002/14651858.CD002006.pub3). Eine geringe Qualität der zugrunde liegenden Studien lässt laut Brocklehurst jedoch auch zu diesen Fragen eine erneute Studie ratsam erscheinen. © rme/aerzteblatt.de

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