Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Normenkontrollrat kritisiert Länder und Krankenhäuser bei Bürokratieabbau

Montag, 23. Oktober 2017

/dpa

Berlin – Das Ziel war 2015 ehrgeizig: In 20 Handlungsempfehlungen, die der Normen­kontrollrat (NKR) sowie die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen in dem Projekt „Mehr Zeit für die Behandlung“ identifiziert hatte, sollte der bürokratische Aufwand in den Praxen von Vertragsärzten, -zahnärzten, Psychotherapeuten sowie bei Kranken­kassen abgebaut werden. Jetzt, zwei Jahre später, zogen die Beteiligten eine positive Zwischenbilanz.

Die Hälfte der Handlungsempfehlungen seien bereits vollständig umgesetzt, fünf seien „in einem weit vorangeschrittenen Stadium“, weitere fünf Empfehlungen seien angestoßen worden. „Damit ist die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen deutlich flexibler als beispielsweise staatliche Behörden“, erklärte Wolf-Michael Catenhusen, Projektverantwortlicher und Mitglied im Nationalen NKR. „Die Mühen haben sich gelohnt, der Bürokratieabbau wird ernst genommen“, sagte er weiter.

Kritik an Verweigerung der Länder

Kritisch äußerte er sich über das geringe Engagement der Krankenhäuser und der Bundesländer. Um weitere Schritte bei der Bürokratieentlastung im Gesundheitswesen zu erreichen forderte Catenhusen beide auf, „aus der Dynamik, die hier entsteht, die Konsequenzen zu ziehen.“ Die „Weigerung der Länder“ am Bürokratieabbau im Gesundheitswesen teilzunehmen, sei kein gutes Zeichen. Catenhusen stellte in Aussicht, dass der Normenkontrollrat den Ländern „helfend zur Seite stehen könnte“.

Zu den zehn umgesetzten Handlungsempfehlungen gehören die Reform der Arbeits­unfähigkeitsbescheinigung, das vereinfachte Antragsverfahren bei der Psychotherapie, ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement, die Chroniker-Bescheinigung (Muster 55) sowie das Muster zur Verordnung von medizinischer Reha. Außerdem zählen die Genehmigung zur Teilnahme an der Blankoformularbedruckung dazu, mit denen Vertragsärzte und -psychotherapeuten keine Vorräte der benötigten Vordrucke mehr in Praxen anlegen müssen, sowie elektronische Ausfüllhilfen für Formulare und ein einrichtungsinternes statt arztbezogenes Qualitätsmanagement bei Medizinischen Versorgungszentren oder Gemeinschaftspraxen.

Zu den fünf Handlungsempfehlungen, die sich noch in der Umsetzung befinden, gehören für den vertragsärztlichen Bereich die Anfragen der Krankenkassen und des MDK auf einheitlichen Vorabdrucken, die noch einer regelmäßigen Überprüfung auf Vereinfachung unterzogen werden sollen. Ebenso wurde die Verordnung von Heilmitteln bei langfristigem Bedarf vereinfacht. Weit fortgeschritten seien auch die Beratungen zur Verordnung von Krankenbeförderungen auf einem übersichtlicheren Vordruck.

Zu den Handlungsempfehlungen, die noch nicht umgesetzt wurden, gehören die vereinfachte Registrierung von Radiologie-Betrieben sowie das künftige Druckverfahren bei der Verschreibung von Betäubungsmitteln und die Doppelbescheinigungen auf Muster 20 und Muster 1 zur Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit während der Wiedereingliederung. Ein weiteres Thema ist die Bürokratiekosten-Abschätzung im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss.

Selbstverwaltung will an einem Strang ziehen

Bei der Vorstellung des Zwischenberichts bekräftigen die Beteiligten aus der Selbstverwaltung – GKV-Spitzenverband, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sowie Bundeszahnärztekammer – auch weiterhin „an einem Strang“ ziehen zu wollen und den Dialog über den Abbau von Bürokratie weiter voran zu treiben.

„Die Zeit, die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten im Kontakt mit den Patienten verbringen, ist kostbar. Deshalb bemüht sich die KBV weiterhin darum, unseren Mitgliedern durch eine Minderung des Bürokratieaufwands den Rücken freizuhalten“, sagte Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstandes der KBV, in einer Mitteilung. Das Projekt des NKR wird in der 19. Legislaturperiode fortgeführt und geht noch bis 2021. © bee/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17. April 2018
Dresden – Ärzte müssen immer mehr Zeit mit bürokratischen Aufgaben verbringen. Darauf haben die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer und die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen in einem offenen Brief an den
Sachsens Ärzte wenden sich gegen Regulierungswahn
13. April 2018
Berlin – Die Große Koalition aus Union und SPD hat sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Bürokratie im Gesundheitswesen weiter zu verringern. Konkrete Ideen dafür scheint es bisher nicht
Bundesregierung beim Bürokratieabbau ideenlos
20. Februar 2018
München – Im Kampf gegen eine zu große Regelungswut will der Beauftragte der Staatsregierung in Bayern für Bürokratieabbau, Walter Nussel (CSU), Praxis-Checks etablieren. „Wenn neue Richtlinien oder
Bayerischer Bürokratiebeauftragter mahnt Praxis-Checks an
13. Dezember 2017
Frankfurt am Main – Steigender Bürokratieaufwand wird zu einem immer größer werdenden Problem im Gesundheitswesen. Beispielsweise müssten sich Ärzte bis zu drei Stunden täglich mit der Dokumentation
Täglich bis zu drei Stunden für Bürokratie
8. Dezember 2017
Berlin – Ein verbindliches Abbauziel für den Bürokratieaufwand im Bereich der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung und der vertragsärztlichen Versorgung von 25 Prozent innerhalb der kommenden fünf Jahre
Kriedel fordert verbindliche Ziele für Bürokratieabbau
5. Dezember 2017
Berlin – Alle ärztlichen Berufsausübungs- und Berufszulassungsregelungen müssen künftig nach einem EU-Kriterienkatalog auf ihre Verhältnismäßigkeit hin überprüft werden. Trotz massiver Proteste der
EU-Kommission schafft bürokratischen Mehraufwand für Ärzte
16. November 2017
Berlin – Deutlich weniger bürokratische Tätigkeiten in Klinik und Praxis fordert der Marburger Bund (MB) von der künftigen Bundesregierung. Als Beispiel für eine Überregulierung im Krankenhaus nennt
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige