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Medizin

USA/England: Armut verkürzt Leben bei unterschiedlichem Gesundheitssystem

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Jonathan Stutz - stock.adobe.com

Seattle – Armut führt zu Krankheiten und verkürzt das Leben. Die bekannte inverse Assoziation zwischen dem Vermögen und dem Sterberisiko war in einer Vergleichsstudie in JAMA Internal Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.3903) in den USA und in England gleichermaßen nachweisbar, obwohl beide Länder ein höchst unterschiedliches Gesundheitswesen haben.

In England sind alle Menschen beitragsfrei krankenversichert, in den USA haben große Teile der Bevölkerung gar keinen Versicherungsschutz. Der über Steuern finanzierte National Health Service (NHS) steht allen Menschen offen, in den USA können nur sehr arme Menschen, Veteranen und Rentner auf die Unterstützung des Staates hoffen. 

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Lena Makaroun von der Universität des Staates Washington in Seattle wollte wissen, wie dies den bekannten Gradienten von Einkommen und Vermögen auf die Gesundheit auswirkt. Die Forscherin wertete dazu zwei Studien aus aus, die Erwachsene im Alter über 50 Jahre regelmäßig nach ihrer Gesundheit befragt. In den USA begleitet die Health and Retirement Study (HRS) eine Gruppe von Erwachsenen. Die English Longitudinal Study on Aging (ELSA) verfolgt ein ähnliches Ziel. 

In beiden Kohorten gibt es eine inverse Assoziation zwischen dem Vermögen und dem Krankheits- und Sterberisiko. Dies traf sowohl für jüngere als auch für ältere Menschen zu. In den USA hatte das ärmste Fünftel (Quintil) der 50- bis 64-Jährigen ein Vermögen von weniger als 39.000 US-Dollar, das reichste Quintil besaß mehr als 560.000 US-Dollar. Zum Vermögen wurden Immobilienbesitz inklusive Hauptwohnsitz und Zweitwohnsitz, Autos, Unternehmen, Rentenkonten, Aktien/Investmentfonds, Anleihen, sonstige Einlagen und (auf der Sollseite) Hypotheken gezählt.

Im ärmsten Quintil waren nach zehn Jahren 17 Prozent der Kohorte gestorben und 48 Prozent chronisch krank. Im Quintil mit dem höchsten Vermögen waren 5 Prozent gestorben und 15 Prozent chronisch krank. Dies ergibt eine Hazard Ratio auf einen Tod von 3,3 (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,0-5,6) und eine Hazard Ratio von 4,0 (2,9-5,6) auf eine chronische Krankheit. Arme Menschen in den USA sterben dreimal häufiger früher und sie sind viermal häufiger chronisch krank als die reicheren Menschen.

In England ist die Situation nicht anders: Das Quintil der 50- bis 64-Jährigen mit dem geringen Vermögen (34.000 Pfund) hatte im Verlauf von zehn Jahren ein 16-prozentiges Mortalitätsrisiko. Im obersten Quintil (über 310.550 Pfund Vermögen) starben im gleichen Zeitraum nur 4 Prozent (Hazard Ratio 4,4; 2,7-7,0). Chronische Erkrankungen tragen bei 42 gegenüber 17 Prozent auf (Hazard Ratio 3,0; 2,1-4,2).

Die größten Unterschiede gab es in beiden Ländern zwischen dem untersten und zweituntersten Quintil. Betroffen vom Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko sind laut Makaroun die ärmsten Schichten. Langzeitstressoren, die aus einem geringen Wohlstand resultieren, etwa die schlechteren Wohnverhältnisse, das erhöhte Verletzungsrisiko (in Beruf und Freizeit) sowie die Anfälligkeit ärmerer Schichten für Drogen- und Alkoholsucht könnten hier eine Rolle spielen, vermutet Makaroun.

Erstaunlich ist, dass es kaum Unterschiede zwischen den USA und England gibt, obwohl der Zugang zum Gesundheitswesen sehr unterschiedlich ist. Offenbar habe die Versorgung im Krankheitsfall einen geringeren Einfluss auf Krankheit und Tod als bisher angenommen. Makaroun zitiert frühere Untersuchungen, nach denen die Unterschiede in der Krankenversorgung nur etwa 10 Prozent des Mortalitätsrisikos erklären (Health Affairs 2002; 21: 78-93).

Auch bei den Senioren beeinflusst das Vermögen die Morbidität und Mortalität. Die Unterschiede waren jedoch geringer. In der US-Studie betrug die Hazard Ratio für das unterste Quintil 2,2 (1,8-2,6), für England ermittelte Makaroun eine Hazard Ratio von  2,1 (1,6-2,6). Für die Invalidität beträgt die Hazard Ration in der US-Studie 2,1 (1,8-2,5) und in der englischen Studie 2,1 (1,6-2,7). 

Auch dieses Ergebnis ist erstaunlich, denn in beiden Ländern haben Senioren Zugriff auf eine kostenlose Krankenversicherung. Makaroun vermutet, dass sich die Erkrankungsrisiken, die sich im früheren Leben aufgrund der unterschiedlichen Vermögensverhältnisse angehäuft haben, im Alter durch eine gleiche Krankenversorgung nicht mehr korrigiert werden können.


https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/10.1001/jamainternmed.2017.3903|Abstract der Studie in JAMA Internal Medcine 

https://media.jamanetwork.com/news-item/wealth-associated-disparities-death-disability-older-adults-u-s-england/|Pressemitteilung von JAMA

http://hrsonline.isr.umich.edu|Health and Retirement Study

https://www.elsa-project.ac.uk|English Longitudinal Study on Aging

http://content.healthaffairs.org/content/21/2/78.full.pdf|Publikation in Health Affairs © rme/aerzteblatt.de

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