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Medizin

Brustkrebs: 65 plus sieben neue Risikogene

Mittwoch, 25. Oktober 2017

/Axel Kock, stock.adobe.com

Cambridge - In einer Studie der Superlative, die 275.000 Frauen auf 11,8 Millionen Erbgutvarianten untersucht hat, wurden 65 neue Risikogene gefunden, die laut einem Bericht in Nature (2017; doi: 10.1038/nature24284) etwa 4 Prozent des familiären Brustkrebsrisikos erklären. Eine weitere Untersuchung in Nature Genetics (2017; doi: 10.1038/ng.3785) beschreibt sieben weitere Risikogene speziell für Östrogenrezeptor-negative Tumore.

Frauen, deren Mütter oder Geschwister an Brustkrebs erkrankt sind, haben ein etwa zweifach erhöhtes Brustkrebsrisiko. In einigen Fällen sind Mutationen in den „Brustkrebsgenen" BRCA1 und BRCA2 dafür verantwortlich, die durch den Ausfall von DNA-Reparaturenzymen das Krebsrisiko so stark erhöhen, dass sich einige Patientinnen zur prophylaktischen Entfernung der Brustdrüsen entscheiden. 

Bei der Mehrzahl der Frauen mit positiver Familienanamnese fällt der Test auf BRCA1/2 jedoch negativ aus. Bei diesen Frauen müssen andere Gene für das erhöhte genetische Risiko verantwortlich sein. Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) gelten als proba­tes Mittel, um die im Genom verborgenen Krebsauslöser zu finden. Die Chancen steigen dabei mit der Zahl der Teilnehmer und der Menge der Einzelnukleotid-Poly­morphismen (SNP), die bei Brustkrebspatientinnen und gesunden Kontrollen ver­glichen werden. Frühere GWAS hatten bereits 102 Risikogene ans Licht gebracht, die zusammen jedoch nur 14 Prozent des familiären Risikos erklärten.

Das „OncoArray-Konsortium“, zu dem sich 550 Forscher aus rund 300 verschiedenen Institutionen auf sechs Kontinenten (mit deutscher Beteiligung) zusammengefunden haben, hat jetzt die genetischen Daten von einer viertel Million Frauen analysiert, von denen jede zweite an Brustkrebs erkrankt war. Dabei wurden 65 neue SNP gefunden, die die Anfälligkeit für Brustkrebs erhöhen. Weitere sieben SNP prädisponierten auf ein Östrogenrezeptor-negatives Mammakarzinom. 

Laut dem Team um Doug Easton von der Universität Cambridge erklären die 65 neu entdeckten Risikomarker etwa vier zusätzliche Prozent des genetischen Risikos. Zusammen mit den bekannten Risikogenen wären es 18 Prozent. Easton ist aber zuversichtlich, dass sich durch zusätzliche Berechnungen insgesamt 41 Prozent des familiären Risikos erklären lassen. Er hofft, dass sich daraus ein Gentest für eine individuellere Risikoberechnung bilden lässt. Das eine Prozent Frauen mit den ungünstigsten Genmarkern hätte laut Easton ein 3,5-fach erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Ob ein solcher Test kommt, bleibt abzuwarten. Frauen mit einer positiven Familien­anamnese haben bereits heute gute Gründe, an der Brustkrebsfrüherkennung teilzunehmen und ihre erste Mammographie früher als andere Frauen durchführen zu lassen. Ob ein Gentest diese Risikozuordnung verbessern würde, müsste erst noch gezeigt werden. 

Auch die Hoffnung, durch die neu entdeckten SNP neue Erkenntnisse über die Pathogenese zu erhalten und dies möglicherweise in eine neue Therapie umzumünzen, dürfte sich nicht so schnell erfüllen. Die meisten SNP wurden nicht in der Nähe von Proteinen gefunden, die vielleicht neue Behandlungsansatzpunkte bieten könnten, sondern im Niemandsland der nicht-kodierenden DNA-Abschnitte. © rme/aerzteblatt.de

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